Welcome
von Philippe Lioret - F 2009 - 115 Min.
Mitunter sind es die sogenannten 'kleinen' Filme, die den stärksten Eindruck hinterlassen oder die ganz großen Geschichten erzählen. Ken Loach's Filme beispielsweise stehen für diese Qualität.
"Welcome" ist auch einer von diesen Filmen. Bilal, ein 17-jähriger kurdischer Flüchtling, der sich illegal in Calais aufhält, will unbedingt zu seiner großen Liebe Mina, die mit ihrer Familie nach London emigriert ist. Bilal ist ein talentierter Fußballspieler und träumt von einer Karriere bei Manchester United (wer nicht?). Die einzige Chance, nach England zu kommen, sieht er darin, durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Dazu bedarf es eines intensiven Trainings. Im Hallenbad trifft er auf den Schwimmlehrer Simon, ein ehemaliger Topsportler, der jetzt vom Unterrichten lebt. Soeben hat ihn seine Frau Marion verlassen, die sozial engagiert ist und sich für die Interessen der Illegalen einsetzt. Um ihre Zuneigung zurückzugewinnen, kümmert er sich um Bilal und baut ihn auf. Mehr und mehr aber entsteht zwischen den Beiden eine enge Beziehung, die einem Vater-Sohn-Verhältnis nahekommt. Aber Simons Kontakte zu Bilal sind verboten und werden von den Behörden unterbunden. Auf sich allein gestellt, unternimmt Bilal den Versuch, den vom starken Nordwestwind aufgewühlten Ärmelkanal zu durchschwimmen....
Die Stärke des Films ist seine Nähe zur Alltagsrealität und zu seinen Figuren. Bilals Schicksal berührt; er ist aber nur einer von den vielen Illegalen, die in vergleichbaren Situationen alles riskieren, um einen Platz zu finden, der ein menschenwürdiges Leben erlaubt. "Welcome" hat kein Happy end. Und genau das trifft, denn es geht hier nicht nur um Kino, sondern in erster Linie um die Migranten mitten unter uns.
(Februar 2010)
"Verdammnis" und "Vergebung" von Daniel Alfredson nach den Romanen von Stieg Larsson
Pressesperre bis zum Kinostart!!