Porträt Horst Schäfer

Kinotipps 2010

64 Besprechungen aus dem Jahr 2010.

Wertung:
Wertung: sollte man gesehen haben

Immer Drama um Tamara

von Stephen Frears - UK 2010 - 111 Min.

Die aufreizende Tamara kehrt aus London in ihr beschauliches heimatliches Provinznest zurück und mischt dort die Szene auf. Aus dem hässlichen Entlein ist eine attraktive und erfolgreiche Kolumnistin geworden. Und nun startet ein frivoler Rachefeldzug, der es in sich hat.

Schauplatz und Personal sind streckenweise identisch mit einer Folge aus meiner Lieblingsserie "Inspector Barnaby"; die Handlung jedoch nicht. Eine sehenswerte englische Grafschaft mit skurrilen Typen und originären Humor. Frears weiß, wie man damit umgehen muss.

Wertung: kann man sich ansehen

3

von Tom Tykwer- D 2010 - 119 Min.

Die Kulturmoderatorin Hanna liebt den Kunsttechniker Simon; Simon liebt Hanna. Dann verliebt sich Hanna in den Stammzellenforscher Adam; Adam verliebt sich in Simon; Simon in Adam. Dann sind bei Hanna Zwillinge unterwegs. Aus Drei werden Fünf. Und alle lieben sich miteinander und sind glücklich. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie sich noch heute ...

Tykwer ist redlich bemüht, für diese melodramatische Komödie einige ausgefallene Bilder zu finden, mit denen er diese dürftige Handlung einpacken kann. Am Anfang des Films gibt es eine ein paar Minuten dauernde Tanzperformance, die den nachfolgenden Film erklärt. Mehr muss man auch nicht sehen. Es sei denn, man lässt sich von SOPIE ROIS begeistern! Sie ist unwahrscheinlich gut drauf und man könnte ihr stundenlang zusehen.

Wertung: kann man sich ansehen

The Tourist

von Florian Henckel von Donnersmarck - USA 2010 - 115 Min.

Angelina Jolie ist eine betörend schöne Frau, der man stundenlang zusehen kann - falls das alleiniges Motiv für einen Kinobesuch sein kann. Johnny Depp ist ein hervorragender Schauspieler - wenn er denn gefordert wird. Hier ist das leider nicht der Fall. Das neue "Wunderwerk" des dt. Hollywood-Regisseurs ist eine 1:1-Verfilmung des Thrillers "Fluchtpunkt Nizza" von Jéromé Salle mit einer betörend schönen Sophie Marceau in der weiblichen Hauptrolle. Die "erheblichen" Unterschiede zur Neuverfllmung: Der Zur fährt von Paris aus nicht nach Nizza, sondern nach Venedig; das männliche Gegenüber ist ein Mathematiklehrer und kein Übersetzer, gesucht und observiert wird er nicht vom Franzosen, sondern von Engländern; die Russen sind nicht vom KGB, sondern gehören zur Mafia - usw. usf. Ansonsten sind sie so finster wie in allen gängigen Agentenfilmen. Venedig als Schauplatz für einen Actionthriller ist auch nicht sonderlich originell und atemberaubend; und witzige Verfolgungsjagden sind seit Philippe de Broca und Jean-Paul Belmondo nicht mehr überboten worden.

Mit "The Tourist" wurden Millionen Dollar in Venedigs Wassern versenkt.

"Fluchtpunkt Nizza! ist auf DVD bei Amazon erhältlich: 7,99 € neu und 4.00 € gebraucht. Mach Dir ein paar schöne Stunden vor dem Großbildschirm.

Wertung: sollte man gesehen haben

Small World

von Bruno Chiche -F/D 2010 - 93 Min.

Melodramatische Literaturverfilmung des Bestsellers von Martin Suter. Gérard Depardieu spielt einen verwirrten Alten, der zunehmend verschusselt.

So mag ich ihn eigentlich nicht sehen. Für ihn als Schauspieler mit Sicherheit eine Herausforderung, doch ich schaue mir lieber seine frühen Filme ("Die Ausgebufften" u.a.) an.

Wertung: hervorragend

Von Menschen und Göttern

von Xavier Beauvois - Frankreich 2010 - 120 Min,.

Auf realen Tatsachen basierend beschreibt der Film die letzten Monate im Leben der Trappisten-Mönche von Tibhirine, die 1996 auf brutale und nie aufgeklärte Weise u7ms Leben kamen. In ruhigen, konzentrierten Bildern, rhythmisch angepasst an das asketische Klosterleben, offenbart der Film, wie sich die Mönche in einer gewalthaltigen Situation verhalten und Nächstenliebe nicht nur predigen, sondern auch praktizieren. Dabei geraten sie zwischen die Frontzen, aber einen anderen Weg gab es für sie nicht. Der passende Filme zur Jahreswende und den Feiertagen. Aber nicht erst die DVD abwarten, sondern ab ins Kino und ihn auf der Leinwand sehen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Monsters

von Gareth Edwards - GB 2010 - 94 Min.

Schon beim diesjährigen Fantasy-Filmfest ein Überraschungserfolg,. Ein Großteil Mexikos ist von der US-Regierung als "infizierte Zone" erklärt worden, weil sich dort infolge eines Raumschiffabsturzes krakenähnliche, haushohe Aliens breitgemacht haben. In etwa sehen sie so aus, wie in Stevens Spielbergs H. G. Wells-Verfilmung. Ein junges Paar als Zufallsgemeinschaft muss da durch und spontane Überlebens-Strategien erproben. Was als Roadmovie beginnt, endet als blanker Horror. Doch das Ende ist grandios; ein Hype - magisch, überraschend und faszinierend. Darf aber hier nicht

verraten werden.

Wertung: kann man sich ansehen

Monga - Gangs of Taipeh

von Doze, NIU Chen-Zer - Taiwan 2010 - 140 Min.

Eine der bewährten Genre-Stories um Jugendfreundschaften, Gangs, Karriere, Rivalität und Todfeindschaft. Hier als nostalgisches Gangsterdrama mit spektakulären Kampfszenen erzählt. Ein bildgewaltiges Action-Drama für die Kenner und Fans der Szene.

Wertung: sollte man gesehen haben

Nowhere Boy

von Sam Taylor-Wood - GB 2009 - 98 Min.

Es geht um John Lennons Jugendjahre in Liverpool und darum, wie er zur Musik kam und was daraus wurde. Diesmal ist es aber nicht die übliche Genre-Verfilmung mit den bekannten Stufen Anfang, erste Erfolge, Krise, Durchbruch und Karriere. Nein. hier geht es um einen Fünfzehnjährigen und sein familiäres und freundschaftliches Umfeld. Ein Coming-of-Age-Film der viel aussagt über das Lebensgefühl von Jugendlichen in den Fünfzigern, deren Welt sich durch den Rock'n'Roll schlagartig veränderte. Stimmige Atmosphäre, ein tolles Schauspieler-Ensemble und fetziger Rock'n'Roll. Eine von den Zeitreisen, die man nicht auslassen sollte.

Wertung: sollte man gesehen haben

Machete

von Robert Rodriguez und Etahn Maniquis -USA 2010 - 105 Min.

Man nennt ihn auch die "Hackfresse". Geboren als Fake-Trailer führt er nun ein eigenständiges Leben voller Gefahren. Als ehemaliger Bundespolizist, der sich mit einem Drogenkönig anlegte und es nun mit skrupellosen Geschäftsleuten und rassistischen Politikern zu tun hat, verbündet er sich auf seinem Rachefeldzug mit mexikanischen Revolutionären, die genau diese Leute aus dem Land jagen wollen, weil sie eine Mauer zwischen Mexiko und Texas errichten wollen. Hilfe erhält Machete von zwei Superfrauen - Kampfmaschine von graziler Schönheit.

Ein Film voller Anspielungen, Zitate und Parodien. Etwas für die Fans des Genres. Nicht jugendfrei!

Wertung: kann man sich ansehen

Unstoppable - Außer Kontrolle

von Tony Scott - USA 2010 - 95 Min.

Eine Bahngesellschaft versucht mit allen Mitteln, einen unbemannten, etwa 800 Meter langen Güterzug aufzuhalten, der genug entflammbare Flüssigkeiten und Giftgas geladen hat, um eine in der Nähe gelegene Stadt auszulöschen. Ein erfahrener Ingenieur (Denzel Washington) und ein Schaffner (Chris Pine) stellen sich selbstlos der riskanten Herausforderung.

Die Runaway-Story von durchgeknallten Zügen, U-Bahnen, Schulbussen etc. muss nicht neu erfunden und erzählt werden. Sie wird in regelmäßigen Abständen in variierter Version immer wieder verfilmt. Hier als ein Festival der Special Effects mit einer hervorragenden Kamera und mit einem Wahnsinnstempo bei Schnitt und Montage. Für schauspielerische Leistungen bleibt da nur wenig Raum und Zeit, doch die beiden Protagonisten sind Profis und wissen auch diese Chance zu nutzen.

Wertung: kann man sich ansehen

Takers

von John Luessenhop _ USA 1020 - 100 Min,

Wieder einmal mehr dreht es sich um den grpßen Coup. Eine Gang abgeklärter Edelganoven ist auf einen Geldtransporter aus, den sie mitten in Los Angeles knacken wollen. Matt Dillon als kantiger Detective ist dagegen. Wer Action mag, wird bestens bedient.

Wertung: sollte man gesehen haben

Maos letzter Tänzer

von Bruce Beresford - Australien 2009 - 117 Min.

Der Weg und die Karriere des chinesischen Balletttänzers Li Cunxin ist filmreif. Die besten Geschichten schreibt immerhin das Leben und nicht ein fiktives Drehbuch. Die Handlung startet in den 70er-Jahren. Li Cunxin wurde als Elfjähriger in der chinesischen Provinz als Talent entdeckt und zur Ballett-Akademie in Peking geschickt. Aus ihm wurde ein herausragender Solist, der sogar an einem Kulturaustausch-Programm mit den USA teilnehmen durfte. Dort - in Houston - konnte er sich nur schwerlich an einen neuen Lebensstil gewöhnen. Durch zu Liebe zu einer Frau fand er einen festen Halt. Doch dann ereilte ihn die Aufforderung, wieder nach China zurückzukehren...

Bruce Beresford, der sich durch sein Gespür für außergewöhnliche Geschichten und durch Herausforderung in unterschiedlichen Genres auszeichnet, bewegt sich hier stilsicher zwischen dem Pathos des chinesischen Revolutionsfilm und dem amerikanischen Melodrama. Hinzu kommen dann noch Ballett-Sequenzen von atemberaubender Qualität.

Wertung: sollte man gesehen haben

Wall Street -Geld schläft nicht

von Oliver Stone - USA 2010 - 134 Min.

Ein hochbrisanter Film über aktuell aufregende Ereignisse. Sozusagen ein Film über die Lage der Nation - über Macht, Geld, Gier, Geilheit, Betrug und dumme Sprüche. Michael Douglas ist wieder einmal mehr grandios und hat mit dem Hollywood-Youngster Shia LaBeouf den kongenialen Partner/Gegenspieler an seiner Seite. Es ist sinnvoll, sich vor dem Kinobesuch noch einmal den Film aus dem Jahre 1987 auf DVD anzusehen.

Wertung: kann man sich ansehen

Max Schmeling

von Uwe Boll - Deutschland 2010 - 123 Min.

Ein Bio-Picture, das zwischen Sport und Politik pendelt. Die Stärke liegt in den Kampfszenen; weniger überzeugend sind dabei die Versuche, das nationalsozialistische Umfeld bzw. deren Repräsentanten abzubilden. Henry Maske schlägt sich wacker und es macht Spaß, ihm dabei zuzusehen, denn auch außerhalb des Rings weiß er sich zubewegen. Das fällt besser aus als erwartet oder befürchtet. Knapper Sieg nach Punkten!

Wertung: sollte man gesehen haben

Konferenz der Tiere

von Reinhard Klooss und Holger Tappe - D 2010 - 93 Min.

Weil fiese Spekulanten mitten in der Savanne ein Luxushotel gebaut haben und dafür einen Staudamm errichteten, wird den Tieren das Wasser knapp. Ungeachtet unterschiedlicher Lebensformen und -bedingungen antworten die Tiere auf diese Herausforderung mit einer Konferenz, die mit einem erfolgreichen Ansturm auf das überdimensionale Bauwerk endet. Angeführt werden sie von einem selbstbewussten Erdmännchen und einem abgeklärten Löwen - CGI-Helden, die es durcfhaus mit ihren (filmtechnischen) Widersachern aufnehmen können.

Kästners Literaturklassiker als aktueller Kommentar zu einem höchst brisanten Thema. Gekonnt umgesetzt und perfekt in 3D animiert.

Wertung: sollte man gesehen haben

Lebanon

von Samuel Maoz -Israel 2009 - 92 Min.

Wertung: sollte man gesehen haben

Buried

von Rodrigo Cortés - Spanien 2010 - 93 Min.

An diesem Wochenende wird es eng: Erst Vier in einem Panzer und dann Einer in einem Sarg. Alptraumhafte Situationen auch für die Zuschauer. In allen Fällen geht es ums Überleben. Wie's ausgeht: bitte hingehen und anschauen. Darf vorher auch nicht verraten werden. i

Wertung: nicht zu empfehlen

Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben

von Apichatpong Weerasethalul - Thailand 2009 - 114 Min.

Der mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnete Film des Mehrfachkünstlers erzählt in langatmiger Vortragsweise von

dem nierenkranken Oncle Boonmee, der sich mit lebenden, toten und verwandelten Verwandten und Freunden auf den Weg durch den Dschungel macht, um in einer geheimnisvollen Berghöhle seinen früheren Leben nachzuhängen.

Schnelle Schnitte, Wechsel der Kameraperspektiven und eine die Handlung vorantreibende Grundschnelligkeit sind nicht Sache des großen Meisters. Wer daran interessiert ist, einen nackten Mönch ausgiebig beim Duschen zuzusehen, der sollte sich diesen Film trotzdem nicht entgehen lassen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Ponyo - Das grosse Abenteuer am Meer

von Hayao Miyazaki - Japan 2009 - 97 Min.

"Ponyo" ist eine moderne Version von Hans Christian Andersens Märchen "Die kleine Seejungfrau", verlegt an japanische Schauplätze. Wie in seinen anderen Filmen sind auch diesmal bei Miyazaki die enge Verbindung von Mensch und Natur sowie die Zerstörung der Umwelt die zentralen Themen. Was sich in den Filmen "Das Schloss im Himmel" und "Das wandelnde Schloss" gewöhnlich in und über den Wolken abspielt, ist hier im Unterwasser angesiedelt. Egal wo - auch mit "Ponyo" überzeugt der Grosse Meister mit einem Reichtum an Arten-Vielfalt und bizarren Geschöpfen. Und die reizenden alten, leicht verschrobenen Damen sind auch wieder dabei.

Wertung: nicht zu empfehlen

The Expendables

von Sylvester Stallone - USA 2010 - 100 Min.

Eine Muskelclique sechs waffenvernarrter und rauflustiger Söldner macht einen südamerikanischen Inselstaat platt, der von einem Diktator beherrscht wird. Mehr ist nicht.

Wertung: sollte man gesehen haben

Der kleine Nick

von Laurent Tirard - Frankreich 2009 - 91 Min.

Eigentlich unvorstellbar, aus den populären, bei Jung und Alt beliebten Comics von René Goscinny und Jean-Jacques Sempé einen Realfilm zu machen.

Denn dort liegt der Witz in den einzelnen Bildern und sparsamen Dialogen. Für den Film über die Geschichte(n) des vorwitzigen Kleinen Nick, seine Mitschüler und seine Familie bedarf es einer überzeugenden Konzeption. Das ist hier kongenial gelungen. Das Ergebnis ist ein Film mit dem Charme und dem Zauber - und mit der Leichtigkeit - wie in "Mon Oncle" Von Jacques Tati.

Genau der richtige Film für den Sommer. Viel Vergnügen!

Wertung: sollte man gesehen haben

Salt

von Phillip Noyce - USA 2009 - 100 Min.

Angelina Jolie als Doppelagentin. Fast and Furios! Die erste Frau in einem actionreichen Spionage-Thriller, die sowohl dem russischen Präsidenten als auch dem US-Präsidenten das Leben rettet - und somit die Welt vor dem nuklearen Kahlschlag bewahrt. Danke! Die Handlung ist bescheuert, aber Angelina ist top. Jolie rennt!- Sogar so schnell, dass die Logik auf der Strecke bleibt. Macht aber nichts. Folgen wir ihr; nichts wie hinterher.

Wertung: ärgerlich

Die Legende von Aang

von M. Night Shyamalan - USA 2010 - 103 Min.

Neuen Filmen von M. Night Shyamalan sieht man gewöhnlich mit großen Erwartungen entgegen. Hier auch. Mit einem Produktionsaufwand von 280 Millionen Dollar (lt. Fachpresse) verfilmte er das auf Fortsetzung angelegte Fantasy-Abenteuer um den 12-jährigen "Avatar"-Krieger Aang, der das Schicksal der Welt in seinen Händen hält. Zuviel Setdesign und Computeranimation ersticken ein inhaltlich und dramaturgisch nicht gerade atemberaubendes Epos, das auf einer erfolgreichen TV-Serie basiert.

Wasser, Luft, Erde und Feuer sind die vier Elemente, die von ihrem Meister, dem "Avatar" im Gleichgewicht gehalten werden. Hier ist die Balance gefährdet. Wasser ist ein lebenswichtiges Element; und es gibt Filme, die flüssiger sind als Wasser: nämlich überflüssig!

Wertung: kann man sich ansehen

Zarte Parasiten

von Christian Becker & Oliver Schwabe - D 2009 - 87 Min.

Eine interessante Studie. Jakob und Manu, Anfang/Mitte Zwanzig, steigen aus und ernähren sich von Schwachstellen in unserer Gesellschaft. Sie nisten sich irgendwo ein, machen sich breit und bleiben solange sie können. Manchmal geht es gut, manchmal nicht. Als Jakob versucht, bei Martin und Claudia die Rolle ihres verstorbenen Sohnes zu übernehmen und sich an einen gewissen wohlständigen Lebensstil angepasst hat, gibt es Probleme. Manu klammert sich an Jakob und ihre Vereinbarung, zusammen zu bleiben.

Ein (sehr) kleines Fernsehspiel. Bemerkenswert allerdings die Leistungen der Hauptdarsteller Robert Stadlober (Jakob), Maja Schöne (Manu) und Sylvester Groth (Martin), der sich emotional getäuscht und verraten fühlt, den Dingen aber auf den Grund gehen will. Diese Personenkonstellation ist spannend in allen Details.

Wertung: nicht zu empfehlen

Mahler auf der Couch

von Percy Adlon und Felix Adlon - D/A 2010 - 101 Min.

Alma betrügt Gustav mit Walter Gropius und Gustav sucht Rat bei Sigmund Freud. Das ist wohl irgendwie historisch abgesichert. Die Frage ist nur, ob man daraus auch einen Film machen muss. Dieses Ergebnis hier ist jedenfalls so wirr und konstruiert, dass es fast schon an Rufmord grenzt. Nach 25 Minuten habe ich das Kino verlassen - das kommt äußerst selten vor - und beschlossen, wieder einmal "Mahler" von Ken Russell zu sehen. Und das tröstet über die Adlon-Verschwörung hinweg.

Wertung: kann man sich ansehen

Marcello Marcello

von Denis Rabaglia - Schweiz/Deutschland 2008 - 97 Min.

Marcello, Sohn eines Fischers, liebt Elena, die Tochter des Bürgermeister von Amatrello. Um dessen (!) Gunst zu erlangen, muss er dem Vater seiner Angebeteten an ihrem achtzehnten Geburtstag ein möglichst ausgefallenes, beeindruckendes Geschenk machen. Das ist gar nicht so einfach. Schon bald ist Marcello in Tauschgeschäfte mit dem ganzen Dorf verwickelt, denn jeder will etwas, was der andere hat. Eine turbulente Situation - doch da es sich um eine Komödie handelt, muss man um das glückliche Paar nicht bangen.

Der richtige Film zum Sommeranfang. Er sorgt ganz einfach für gute Laune und macht Lust auf Urlaub auf einer malerischen Insel. So etwas kann nur das Kino leisten.

Wertung: kann man sich ansehen

My Name is Khan

von Karan Johar - Indien 2010 - 126 Min.

"Mein Name ist Khan, und ich bin kein Terrorist". Mit diesem Satz handelt sich ein gutmütiger indischer Moslem mit Asperger Syndrom in den Staaten nur Ärger ein. Ein gut-gemeinter Film; aufwändig gemacht, hervorragend besetzt und mit einer ausgezeichneten Kamera. Gegenüber der Fassung, die bei der Berlinale 2010 gezeigt wurde, hat die Kinofassung ca. 40 Min. weniger Laufzeit. Warten wir also die DVD ab!

Wertung: kann man sich ansehen

Vergebung

von Daniel Alfredson - Schweden 2009 - 146 Min.

Es bleibt dabei: auch beim zweiten Sehen des Films kommt man zu dem Urteil, dass die erste Stieg Larsson- Verfilmung "Verdammnis" noch die gelungenste ist. Was danach kam, flacht ab. Der aufrechte, todesmutige Journalist, der rücksichtslos .- und fast immer im Alleingang - Kapitalverbrechen der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ebenen aufdeckt, ist seit Jahrzehnten eine Spezialität des skandinavischen Krimis. Also nicht neu, auch wenn es wie hier lang- und breitgewalzt wird. "Vergebung" ist eine nicht aufeinander abgestimmte Mischung aus Polit-Thriller, Justiz- und Gerichts-Krimi und Agentenfilm. Da fügt sich am Ende alles passend zusammen. Leider überraschungsarm und blutleer.

Was bleibt als Gesamteindruck: die konzentrierte Hochleistung der Romane von Stieg Larsson und Noomi Rapace als Lisbeth Salander. Eine außergewöhnliche Figur, nachhaltig eindrucksvoll und so stark, dass sie sogar den Charakter ihres literarischen Vorbildes mühelos übertrifft.

Wertung: kann man sich ansehen

The Messenger

von Oren Moverman - USA 2009 - 112 Min.

Ein ("Anti-")Kriegsfilm besonderer Art. Im Mittelpunkt stehen nicht die Schlachten und Helden, sondern die "Boten des Todes". Genauer: Zwei Offiziere, die sich täglich aufs Neue der grausamen Aufgabe stellen müssen, den Angehörigen gefallener Soldaten die schlimmste aller Nachrichten zu überbringen. Das ist eher ein Kammerspiel als ein Film für die große Leinwand. Es geht um Emotionen, Nuancen, Details. Es ist auch die Geschichte zweier Männer, die auf unterschiedliche Weise ihre Mission verkraften müssen. Dank der darstellerischen Leistung von Ben Foster und Woody Harrelson (!!) sehenswert, auch wenn die Story einen etwas zu langen Atmen besitzt.

Wertung: sollte man gesehen haben

The Crazies

von Breck Eisner - USA 2009 - 101 Min.

Perfektes Genrekino! Ein Remake des gleichnamigen Horror-Klassikers von George A. Romero, der bei diesem Projekt als ausführender Produzent beteiligt war und daher dem Film seinen "Segen" gab. In der 'typisch' amerikanischen Kleinstadt gerät die Welt aus den Fugen, weil nach und nach alle Einwohner durchdrehen, das Militär eingreift, der Ort sich in ein blutiges Schlachtfeld (!) verwandelt und die ganze Story konsequent mit einem großen Inferno endet.

Wer dieses Genre kennt der weiss auch, dass man sich hier um die Protagonisten nicht bangen muss: der aufrecht, furchtlose Kleinstadt-Sheriff und seine blonde, attraktive (und schwangere) Ehefrau, die zudem auch noch Ärztin ist.

Das ist Kino total! Spannend, dicht und fesselnd.

Wertung: sollte man gesehen haben

Du sollst nicht lieben

von Haim Tabakman - ISR/F/D 2009 - 90 Min.

Ein überaus mutiger Film, der eine außergewöhnliche Liebesgeschichte erzählt - die von zwei Männern in einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde in Jerusalem. Der eine, Aaron, ist ein angesehener Fleischer, Ehemann und Vater von vier Kindern. Der andere, Ezri, ist ein junger Student, der ihm in seinem Geschäft aushilft. Je mehr die beiden ihrer Leidenschaft nachgeben, desto stärker wächst der Druck der Gemeine auf Aaron. Haim Tabakmans erster Spielfilm erzählt das Drama eines Mannes, der seinen Glauben mit seiner Leidenschaft zu vereinbaren sucht, und berührt dabei ein Tabu - Homosexualität im ultraorthodoxen Judentum. Der Film erlaubt einen aufschlussreichen Einblick in eine in sich geschlossene Welt; er ist von emotional überzeugender Intensität wurde international mit Preisen und Anerkennungen bedacht.

Wertung: sollte man gesehen haben

Vertraute Fremde

von Sam Garbarski - B/Lux/F/D 2009 - 100 Min.

Ein Comic-Zeichner kehrt versehentlich in den Ort seiner Kindheit zurück. Lange Jahre war er nicht mehr dort. WIe das Schicksal - oder Drehbuch/Romanvorlage - es will, ist er plötzlich wieder ein Junge von 14 Jahren. Und das verschafft ihm die Gelegenheit herauszufinden, warum sein Vater seinerzeit die Familie ohne Ankündigung verlassen und damit ein bis zu diesem Zeitpunkt harmonisches Familienglück zerstört hat. Es wurde nie klar, warum.

Endlich wieder "14"! Zurück in die (für mich) schönste, spannendste und auf- und erregendste Phase im Leben eines Jungen/Jugendlichen. Eine fiebrige Zeit zwischen Fussball und Mädchen, Kino und Kneipe. Und dann noch eine Mutter, die so aussieht wie Alexandra Maria Lara. Was will man mehr?

Wertung: kann man sich ansehen

Der Vater meiner Kinder

von Mia Hansen-Love - F 2009 - 112 Min.

Ein Filmproduzent hat sich übernommen. Er scheitert nicht an Markt-Spekulationen, sondern an seinen Ansprüchen. Die Lage ist aussichtslos; er nimmt sich das Leben.

Das Thema ist aber nicht "Film im Film" oder ein 'schonungsloser Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik' - wie so oft gehabt - , sondern das Schicksal einer Familie, die unter dieser Entscheidung leidet. Ausnahmsweise gibt es hier in diesem Umfeld keine Erklärungsmuster, denn der Mann führt eine glückliche Ehe mit drei reizenden Kindern. Und nun liegt das Wohl und Wehe der maroden Firma in den Händen seiner Frau. Eine überzeugende Studie, die keinen verklärten Blick auf die Branche wirft, sondern realitätsnahe die Erfolge und Risiken ausleuchtet und den Preis zeigt, den ein ambitionierter Produzent zahlen muss, weil er nicht nur auf den kommerziellen Erfolg setzt, sondern auch von seinen Produkten überzeugt ist.

Wertung: kann man sich ansehen

Die Beschissenheit der Dinge

von Felix van Groeningen - Belgien 2009 - 108 Min.

Wer seine Vorurteile gegenüber biertrinkenden belgischen Prolls unbedingt bestätigt sehen möchte, der muss jetzt ins Kino gehen. Hier geht es um die Familie Strobbe, eine von starken, rüden Männern dominierte Clique, deren Auf und Ab aus der Sicht eines 13-jährigen geschildert wird. Später, als verkannter Schriftsteller, stellt er sich mutig und offen seiner Vergangenheit. "Die Beschissenheit der Dinge" ist ein Film über Nähe und Distanz. Je dichter man an den Figuren ist, desto mehr verlangt man nach Distanz. Tritt das ein, so möchte man doch wieder nahe bei den Protagonisten sein, die immer sympathischer werden, da Buch und Regie sie nicht zur Schau stellen, sondern auf ihrer Seite sind. Das verwundert nicht, denn wer "legt sich schon gerne mit den Strobbes an"?

Wertung: sollte man gesehen haben

Der fantastische Mr. Fox

USA 2009 - 88 Min.

Animationsfilm auf der Basis eines Buches von Roald Dahl. Ein alter Fuchs, der seinem idyllischen Familienleben entkommen will, legt sich mit drei bösen Bauern aus der Nachbarschaft an. Der Kleinkrieg eskaliert zu einer finalen Auseinandersetzung, bei der alle Talente seiner Mitstreiter der Tiergemeinschaft gefordert sind.

Das ist witzig und spritzig, originell und amüsant. Und das Besondere ist hier die klassische Stop-Motion-Animationstechnik, die sich hervorragend ausnimmt gegenüber den aktuellen 3D-Versuchen, die eben nicht die Qualität dieses Stoffes vorweisen können. Dieser Film jedenfalls ist Family-Entertainment im besten Sinne.

In der Originalfassung werden die Figuren u.a. von George Clooney, Maryl Streep Willem Dafoe und Bill Murray gesprochen. In der deutschen Synchronisation sind es Andrea Sawatzki und Christian Berkel für die Hauptrollen. Bedauerlich nur, dass ihre Namen am Ende des Vorspanns nicht eingeblendet werden. Diese paar Untertitel sollte sich der deutsche Verleih eigentlich leisten können.

Wertung: sollte man gesehen haben

Baaria

von Giuseppe Tornatore - Italien 2009 - 150 Min.

Die Geschichte einer italienischen Familie, die in Sizilien zu Beginn der 1930er Jahre beginnt und bis heute reicht. Im Focus steht Peppino, Sohn eines Schafhirten, der trotz vieler Schwierigkeiten seinen (politischen) Weg geht. Das erinnert an Filme wie "1900" oder "Es war einmal in Amerika", hat aber leider nicht den großen Atem, da sich Buch und Regie zu oft in Details verlieren und den Zeit-Bogen der Handlung entsprechend kürzen müssen. Vieles bleibt daher fragmentarisch, aber einzelne Episoden haben den unverwechselbaren Charme des Filmemachers, der auch hier immer wieder seine Liebe zum Kino herausstellen kann. Das Besondere an dieser Erzählweise ist die Perspektive des Regisseurs: der naive, neugierige Blick eines Jungen, der versucht, die Welt zu begreifen.

Bei der internationalen Filmkritik gab es mehr kritische Einwände als lobenden Beifall. Aber wer "Cinema Paradiso" mag, sollte sich auch diesen Film ansehen. Filme von Giuseppe Tornatore langweilen nie!

Wertung: hervorragend

Sin Nombre

von Cary Joji Fukunaga- Mexiko/US 2009 - 96 Min.

Nur irgendwie raus aus dem Elend und ab über die Grenze in die Staaten - das ist ein oft variiertes Thema in Filmen, die überwiegend in Süd- oder Mittelamerika entstanden sind. Die meisten von ihnen sind nah dran; mitunter aber auch melodramatisch auf Hollywood gestylt. Hier, bei "Sin Nombre", stimmt alles: die Story, die Besetzung, die Regie und vor allem die Kamera des Brasilianers Adriano Goldman. Er wurde für diesen Film auf dem Sundance Film Festival 2009 mit dem Preis für die "beste Kamera" geehrt.

Diese Fluchtgeschichte ist auch die abenteuerliche Liebesgeschichte von Sayra aus Honduras, die zu Familienangehörigen in den USA will, und Casper, der aus einer ultrabrutalen Gang ausgestiegen ist und von ihr gejagt wird. Einmal quer durch Mexiko bis hin zum großen Fluss - das hat Tempo und Spannung. Der Debütfilm von Cary Joji Fukunaga, Sohn eines japanischen Vaters und einer schwedischen Mutter, erhielt mehrere Festival-Preise, darunter auch den Regiepreis in Sundance.

(22.04.2010

Wertung: kann man sich ansehen

Young Victoria

von Jean-Marc Vallée - GB/USA 2009 - 100 Min.

Historien-Drama ohne Tiefgang. EIn Melodrama über die Lehrjahre einer jungen Königin, die das Viktorianische Zeitalter einleitete. Damit es nicht zu langweilig wird, wird parallel dazu noch die intrigenfördernde Beziehungskiste mit Cousin Albert von Sachsen-Coburg erzählt. Ein Film wie aus dem Geschichtsmuseum mit echtem Porzellan und schönen Gärten. Früher hätte man die Hauptrollen mit Maria Schell und Dieter Borsche besetzt. Was (oder wer) zum Teufel steckt eigentlich hinter all den Unternehmen, die Geschichte des englischen Königshauses immer wieder neu zu erzählen?

Wertung: sollte man gesehen haben

Min Dit - Die Kinder von Diyarbakir

von Miraz Bezar - D 2009 - 102 Min.

Wieder ein Film, der die Grenzen überschreitet und sich wenig um die Vermarktung an den Kinokassen stört. Dafür eine Geschichte, die erzählt werden muss und breite Resonanz verdient. Filme können die Welt zwar nicht verändern, aber sie können zur Sensibilisierung gegenüber bestimmten Themen und/oder Problembereichen beitragen. Hier geht es um das Schicksal zweier Kinder aus dem kurdischen Teil der Türkei. Sie sind auf sich allein gestellt und suchen einen Ausweg aus Armut und soziales Elend. Das wird mit eindrucksvollen Bildern und überzeugenden Protagonisten erzählt. EIn Film aus der Perspektive der Kinder und auf iher Augenhöhe. Kein Kinderfilm, aber auch ein Film, den man Kinder ab ca. 10/12 J. zeigen kann und sollte.

Wertung: sollte man gesehen haben

"Das Bildnis des Dorian Gray von Oliver Parker - GB 2009 - 118 Min.

Es bedarf einigen Mutes, den Klassiker von Oscar Wilde heute zu verfilmen. Immerhin hat es etliche mehr oder weniger respektable Versuche gegeben; u.a. auch die sehr eigenwillige und exzentrische Interpretation mit Helmut Berger in der Titelrolle. Der Film von Oliver Parker erzählt die Geschichte nach nach, sonder neu. Und genau das ist das interessante an diesem Stoff: er ist zeitlos; eine Vorlage für Psychotriller, Horror- und Fantasyfilme. Man ist zu der Annahme geneigt, dass sich auch in irgendeinem Lustschloss des italienischen Entertainers und Politikers S.B. versteckt auf dem Dachboden sein alterndes Jugendbildnis verbirgt.

Wertung: kann man sich ansehen

Chloe

von Atom Egoyan - Kanada 2009 - 96 Min.

Julianne Moore ist eine eifersüchtige Gattin und setzt Amanda Seyfried als Luxus-Callgirl auf ihren attraktiven Ehemann Liam Neeson an. Der als Thriller angedachte Film verliert sich in Belanglosigkeiten und schönen Bildern.

Gepflegte Langeweile mit uninteressanten Charakteren.

Wertung: sollte man gesehen haben

Coco & Igor

von Jan Kounen - F 2009 - 120 Min.

Eine aufregende Story aus dem Paris der Zwanziger: die stürmisch-bewegende Liebesaffäre zwischen dem eigenwilligen Komponisten Igor Strawinsky und der exzentrischen Modeschöpferin Coco Chanel. In den Hauptrollen der stoisch wirkende Mads Mikkelsen (ich weiss leider nicht, wie Strawinsky wirklich war) und die aufregende Anna Mouglalis. Wenn sie auftritt, sprüht die Funken - die sich leider nicht auf die Regie übertragen. Die furiosen Musikerporträts von Ken Russel ("Tschaikowsky", "Mahler" und "Lisztomania") sind stilbildend. Die Dynamik der Kompositionen bestimmten bei ihm auch den Rhythmus des Films. Hier ist es leider sehr konventionell umgesetzt, dafür aber in schönen Bildern von erlesenem Ambiente. Immerhin eine unterhaltsame und angenehme Zeitreise, die von Karl Lagerfeld und CHANEL begleitet wird.

Wertung: nicht zu empfehlen

Kampf der Titanen

von Louis Leterrier - USA 2010 - 120 Min.

Ein 3D-Sandalenfilm mit viel Hauen und Stechen. Alle gegen alle: Männer gegen Könige, Könige gegen Götter, Götter gegen Götter und Zuschauer gegen Langeweile. Aufgeblasenes Spektakel, dem auch eine neue Dimension keine neue Qualität verleiht. In dem von Männern dominierten düsteren Schlachten ist einzig Mads Mikkelsen als erfahrener Kämpfer eine Lichtgestalt, da er gut mithalten kann mit den Muskelmännern der Cinecittà wie Maciste und seine Freunde.

Im Nachspann verweist der Film von Louis Leterrier auf den "Kampf der Titanen" von Desmond Davis, GB 1981. Das ist mittlerweile ein Kultfilm - nicht zuletzt wegen der (klassischen) Figuren von Ray Harryhausen. Wer den Film von heute überseht, darf anschließend in die Videothek gehen und sich den Film von gestern ausleihen. Das ist weitaus unterhaltsamer als die Begegnung mit den Dunkelmännern Ralph Fiennes und Liam Neeson.

Wertung: kann man sich ansehen

Gesetz der Strasse

von Antoine Fuqua - USA 2009 - 133 Min,.

Drei Cops in Brooklyn im Kampf gegen die Drogenszene: Richard Gere als müder, abgeklärter Streifenpolizist, der kurz vor seiner Pensionierung steht, Don Cheadle als Undercover-Cop, der nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden kann, und Ethan Hawke als Mitglied eines Spezialkommandos, der seine eigenen Interessen verfolgt. Drei Cops, die an unterschiedlichen Schauplätzen agieren und ansonsten nicht viel miteinander zu tun haben. Nur einer von ihnen wird überleben...

Ein knallharter Cop-Thriller, bei dem das "Gesetz der Strasse" stringent den Gesetzes des Genres folgt.

Wertung: sollte man gesehen haben

Nothing Personal

von Urzula Antoniak - Irl./Nl 2009 - 85 Min.

Eine junge Holländerin, deren Vorgeschichte unklar bleibt, landet bei der Suche nach ihrem Ich auf einer kleinen Halbinsel in Connemara. Dort trifft sie auf einen abgeschieden lebenden älteren Intellektuellen. Beide bleiben auf Distanz, gründen aber die Zweckgemeinschaft Essen gegen Arbeit. Wie zu erwarten kommt es dann doch zu einer Annäherung und zu persönlichen Kontakten; der Beginn und das Ende zugleich einer romantisch-tragischen Lovestory.

Neben den beiden Protagonisten - Lotte Verbeek und Stephan Rea als tragende Charaktere - spielt in diesem dialogarmen Film die regenverhangene westirische Landschaft die eigentliche Hauptrolle. Wer "Nothing Personal" richtig verstehen und genießen will, muss sich diesen Film auf der Kino-Leinwand ansehen und viel Zeit mitbringen. Der Film wurde auf internationalen Festivals zu recht mit vielen Preisen und Auszeichnungen bedacht- u.a. auch in Locarno für Lotte Verbeek als Beste Darstellerin; es ist ihre erste Filmrolle. Hier trifft sie auf die Ikone des irischen Films Stephen Rea - eine reizvolle und spannende Begegnung.

Wertung: kann man sich ansehen

Lourdes

von Jessica Hausner - Österreich 2009 - 99 Min.

Sylvie Testud spielt eine junge Frau. Sie ist gelähmt und wird im Wallfahrtsort Lourdes geheilt. EIn Film mit starken Bildern des Kameramannes Martin Gschlacht. Die Ereignisse setzen sich wie ein Kreuzworträtsel im Kopf des Zuschauers zusammen. Äußerst anstrengend. Erklärungen gibt er Film nicht. Das wäre wohl ein weiteres Wunder.

Wertung: hervorragend

Precious

von Lee Daniels - USA 2009 - 109 Min.

Ein Film wie ein Vulkan: permanent bedrohlich, jederzeit explosiv! Protagonistin des Films ist die fettleibige, 16-jährige Schwarze "Precious" Jones, die (von ihrem eigenen Vater) ihr zweites Kind erwartet. Sie lebt mit ihrer Mutter zusammen - ein Familienalltag, der von Aggressionen und Gewalt bestimmt wird. Eine kleine Insel für "Precious" ist der Besuch einer Sonderschule. Hier lernt sie nicht nur lesen und schreiben, sondern fasst auch Vertrauen zur Lehrerin und den Mitschülerinnen. Doch die Gespenster ihrer Herkunft und Vergangenheit wird sie nicht los.

PRESIOUS ist eine Independent-Produktion; dicht dran an den Figuren, mitunter sogar unerträglich nah. Ein Film, der sich einbrennt, schmerzt wie eine Körperverletzung. Trotz der krassen, schonungslosen Milieuschilderung lässt der Film den Protagonisten - den dahinter stehenden realen Figuren - ihre Würde und Anerkennung.

Der Film wurde lt. Presseheft mit zehn internationalen Preisen und Auszeichnungen bedacht; außerdem noch neunzehn Kritikerpreise. Mein persönlicher kommt jetzt noch hinzu.

Wertung: kann man sich ansehen

Legion

von Scott Stewart - USA 2009 - 99 Min.

Gott hat den Glauben an die Menschen verloren und ist aus ihrer Kirche ausgetreten. Der Himmel hat der Erde den Krieg erklärt und die beiden Flattermänner Gabriel und Michael treten gegeneinander an. Ort der Hoffnung ist diesmal nicht die ärmliche Hirtenhütte in Bethlehem, sondern eine verlorene Tank- und Raststätte in einer Wüste. Hier treffen ausreichend Menschen aufeinander, um auch nach vorgeplanter Reduzierung ein "göttliches Paar" (Vater, Mutter, uneheliches Kind) ein Überleben zu ermöglichen. Perfekter Genrefilm; Action-Horror-SF mit der Kraft der zwei Herzen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Green Zone

von Paul Greengrass - USA 2009 - 115 Min.

Ein 2003 in Bagdad spielender Polit-Thriller vor dem Hintergrund des Irak-Krieges. US-Army-Offizier Roy Miller deckt auf, dass die (vergebliche) Suche nach Massenvernichtungswaffen auf einem Lügennetz beruht, um den Einsatz der US-Army zu rechtfertigen. Auf die eigentlichen Interessen der politischen Führung wird in der Schlusseinstellung verwiesen: es geht um die Ölfelder!

Das zarte Pflänzchen der Wahrheitssuche zerdrückt der Film leider aus der vollen Pulle des Kriegs- und Actionfilms. Etwas mehr politischer Gehalt und etwas weniger Heldentum von Matt Damon wären nicht schlecht. So bleibt es beim richtigen Film zum zu späten Zeitpunkt. Zumindest Tony Blair sollte zum 10maligen Zwangsbesuch verpflichtet werden.

Wertung: ärgerlich

Henry 4

von Jo Baier - D 2009 - 155 Min.

PRESSESPERRE bis zum Kinostart!

Nun ist sie aufgehoben. Diesmal aber keine eigene Stellungnahme, sondern ein Zitat aus dem TAGESSPIEGEL; genauer, aus der täglichen Kolumne von Martenstein am 16.02.2010:

Im Friedrichstadtpalast traf ich eine Kollegin, die in der Galapremiere von "Henri 4" gewesen ist. Zum ersten Mal, seit sie die Berlinale besuche, seien nach Ende einer Vorführung etliche Leute aufgestanden und hätten "Scheißfilm!" oder "Scheiße!" gerufen, es habe im Publikum eine ähnlich erbitterte und desillusionierte Stimmung geherrscht wie Ende 1989 in der DDR.

Wertung: kann man sich ansehen

Verlobung auf Umwegen

von Anand Tucker - USA 2009 - 100 Min.

Anna, eine selbstbewusste Business-Frau aus Boston, reist ihrem langjährigen Freund Jeremy nach Dublin nach, um ihm dort (nach altem irischen Brauch am 29. Februar) einen Heiratsantrag zu machen. Doch Wetter, Schicksal und irische Besonderheiten in der Alltags-Organisation haben sich dagegen verschworen. Gut, dass sie in dem Pub-Besitzer Declan einen trifft, der ihr hilft. Den Gesetzen einer "bezaubernden Romantikkomödie" folgend wird aus ihnen dann ein Paar - endend mit den passenden Kinobildern vom Sonnenuntergang an den Klippen der Aran-Inseln. Das ist schön anzusehen, überrascht aber nicht sonderlich. Immerhin ein Roadmovie, das zu einem Irland-Urlaub anregt.

Wertung: kann man sich ansehen

Jerry Cotton

von Cyrill Boss & Philipp Stennert - D 2010 - 90 Min.

Pflichtlektüre und unter den Schulbänken zu lesen; Kultfilme mit George Nader = das waren die 50er- und 60er-Jahre. Nichts gegen eine Neuauflage; Christian Tramitz in der Titelrolle ist eine gute Wahl, aber Christian Ulmen als Partner Phil Decker ist überflüssiger Klamauk, der mehr eine Heinz Erhardt-Parodie ist als ein FBI-Charakter. Schade, die Idee ist verbrannt und weitere Filme wird es bitte nicht geben.

Wertung: nicht zu empfehlen

Agora

von Alejandro Amenábar - Spanien 2009 - 126 Min.

Historiendrama um die "ebenso schöne wie kluge Philosophentochter Hypatia (Rachel Weisz)", die an der Bibliothek in Alexandria lehrt und in die gewalthaltigen Auseinandersetzungen zwischen Heiden, Christen und Juden gerät.

Es gibt Filme, die die Welt nicht braucht. Dieser gehört dazu.

Bemerkenswert: Inmitten bombastischer Kulissen und Komparsenmassen gibt es nur EINE EINZIGE FRAU - bzw. Frauenrolle. Die Kluge und Schöne hat weder Mütter, Schwester, Freundinnen oder Geliebte um sich herum. Und das über Jahre hinweg. Erstaunlich, oder?

Wertung: sollte man gesehen haben

Die Fremde

von Feo Aladag - Deutschland 2010 - 119 Min.

Die 25-jährige Umay lebt mit ihrem kleinen Sohn Cem in Berlin. Sie hat sich von dem bei seiner Familie in Istanbul lebenden Ehemann getrennt, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Ihre Eigenständigkeit passt auch nicht in die traditionellen Lebensformen ihrer eigenen Familie, die in Berlin lebt. Es kommt zu Streit, Auseinandersetzungen und Handgreiflichkeiten. Die Ehre der Familie steht auf dem Spiel. Umay kämpft um ihre Familie, obwohl diese sie verstoßen hat. Der Weg zu einem anderen Leben bleibt ihre versperrt; sie muss für ihre Entscheidung einen hohen Preis zahlen. Ein Happy end gibt es nicht.

Mit wenigen, eindringlichen Skizzen illustriert die Regisseurin, Produzentin und Drehbuchautorin Feo Aladag in ihrem Kinodebüt das Innenleben türkischer Familien, die Opfer ihrer Konventionen und Zwänge sind, und lieber daran zerbrechen, als sich umzustellen. Sibel Kekilli setzt ihr ganzes Können ein, um die Situation der ausgestoßenen Frau emotional bewegend Dritten zu vermitteln. Überraschend auch die Leistung von Nizam Schiller als Cem, der hin- und hergetrieben wird, nirgendwo zu hause ist und nur die Nähe seiner Mutter hat.

Wertung: sollte man gesehen haben

Ajami

von Scandar Copti und Yaron Shani - Israel/D 2009 - 120 Min.

Ein Film, der die (leider) alltäglichen Schlagzeilen über die Konflikte zwischen Juden und Arabern ansatzweise erklärt. Schauplatz ist Jaffa, der arabische Stadtteil von Tel Aviv. Seit langem Verfeindete leben hier als Nachbarn auf engstem Raum. Omar, ein junger Moslem, wird wegen seiner Liebe zu Hadir - Tochter eines arabischen Christen - in einen blutigen Streit mit einer mächtigen arabischen Familie verwickelt und von ihrer grausamen Rache verfolgt, was zu einer unauflöslichen Spirale aus Schuld, Rache und Gewalt führt. Zwischen Drogenhändlern, mächtigen Rache-Kommandos und heimlichen Liebespaaren erzählt der Film eine kraftvolle menschliche Tragödie.

Der Film von Scanda Copti (ein arabischer Christ und Bürger Israels) und Yaron Shani (ein israelischer Jude) ist ein realitätsnaher hochspannender Krimi und gleichzeitig eine kunstvolle Montage von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er wurde mit zahlreichen internationalen Preisen und Auszeichnungen bedacht.

Wertung: sollte man gesehen haben

Alice im Wunderland

von Tim Burton - USA 2010 - 110 Min.

Das kommt gut zusammen und passt: Die Vorlage von Lewis Carroll, die Vorliebe für skurrile, surreale Stories von Tim Burton, die Spielfreude von Johnny Depp und die 3D-Technik. Eine Hommage an die Kraft der Fantasie. Ein dreifaches Hoch auf die Grinsekatze und die Wasserpfeife rauchende Raupe Absolem. Den Film bitte nicht analysieren (im Hinblick auf die literarische Vorlage und andere Verfilmungen), sondern schlicht und einfach (!) auf sich wirken lassen. Ein cineastischer Hochgenuss für Kinder aller Altersstufen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Traubled Water

von Erik Poppe - Norwegen 2008 - 121 Min.

In Schwarzweiss wäre das ein typischer Film von Ingmar Bergman aus seinen frühen Jahren. Es geht um Schuld, Sühne, Vergebung und Hoffnung. Und auch hier ist es eine Kirche als zentraler Ort des Geschehens. In ihr arbeitet der Organist Thomas, der vor einigen Jahren als Halbwüchsiger einen kleinen Jungen entführt hat und der dabei ums Leben kam. Thomas, der mit der Pastorin Anna eine Liebesbeziehung eingeht, kann auch nach der Entlassung aus der Haft seiner Vergangenheit nicht entgehen, da die Eltern des getöteten Jungen bald von seiner Anwesenheit in dem Ort erfahren. Die dramatischen Ereignisse nehmen ihren Lauf, als die Mutter des Kindes Thomas mit seiner Tat konfrontiert....

Ein Psychothriller - genresicher inszeniert von Erik Poppe, der ein Spezialist für Jugendfilme ist. Besetzt mit Darstellern, die zur europäischen Spitzenklasse zählen, und inzwischen mit Preisen bedacht.

Wertung: kann man sich ansehen

Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen

von Werner Herzog - USA 1009 - 122 Min.

Der "Bad Lieutenant" ist eine von Harvey Keitels bekanntesten und einprägsamsten Rollen; eine Leistung, die Maßstäbe setzte. Unter der Regie von Abel Ferrara entstand 1992 ein kompromissloses Meisterwerk in der Tradition von Scorsese und Friedkin. Es gab also überhaupt keinen Grund für eine Neuverfilmung. Auch wenn ich die Filme von Werner Herzog - den ich bereits 1970 kennenlernte - schätze, so bin ich diesmal kein Fan dieses Films, auch wenn er den Schauplatz nach New Orleans verlegt hat und Nicolas Cage immer einen unterhaltsamen Abend verspricht. Ein Rückenleiden zwingt ihn als Terence McDonagh dazu, sich windschief durch die anstrengende Handlung zu schleppen. Das erinnert sehr stark an das Äußere von Klaus Kinski in "Aguirre". Das ist auch schon alles.

Wertung: nicht zu empfehlen

Die zwei Leben des Daniel Shore

von Michael Dreher - D 2009 -95 Min.

Nein, Mysteriethriller sind nicht gerade ein vom deutschen Film meisterhaft beherrschtes Genre. Hier geht es um einen Studenten, der in Marokko die Ermordung des Sohnes seiner Geliebten miterleben muss und später dann - zurück in D. - in eine vergleichbare Situation gerät. Das wirkt arg konstruiert, verliert sich in überflüssigen Bildern. Die Kamera konzentriert sich dabei auf die Nahaufnahmen eines Nicht-Schauspielers namens Nikolai Kinski, der ausdruckslos bleibt und Langeweile ausstrahlt. Leider kann auch Katharina Schüttler, die in diesem Jahr einige hervorragende Haupt- und Nebenrollen spielte, den Film nicht mehr retten.

Das Ende eines Films sollte Antworten auf Fragen liefern. Hier ist es genau umgekehrt.

Wertung: kann man sich ansehen

Zeiten ändern Dich

von Uli Edel - D 2010 - 94 Min.

Die Texte von Bushido erklären sich aus seiner Biographie und seinen Lebenserfahrungen. Der Film versucht, das zu beweisen und die Zusammenhänge herzustellen. Das gelingt ihm mit Authentizität, dokumentarischer Rekonstruktion und Spielfilmszenen, die u.a. auch mit unfreiwilligem Humor und Selbstironie unterhalten.

Respekt!

Wertung: sollte man gesehen haben

Welcome

von Philippe Lioret - F 2009 - 115 Min.

Mitunter sind es die sogenannten 'kleinen' Filme, die den stärksten Eindruck hinterlassen oder die ganz großen Geschichten erzählen. Ken Loach's Filme beispielsweise stehen für diese Qualität.

"Welcome" ist auch einer von diesen Filmen. Bilal, ein 17-jähriger kurdischer Flüchtling, der sich illegal in Calais aufhält, will unbedingt zu seiner großen Liebe Mina, die mit ihrer Familie nach London emigriert ist. Bilal ist ein talentierter Fußballspieler und träumt von einer Karriere bei Manchester United (wer nicht?). Die einzige Chance, nach England zu kommen, sieht er darin, durch den Ärmelkanal zu schwimmen. Dazu bedarf es eines intensiven Trainings. Im Hallenbad trifft er auf den Schwimmlehrer Simon, ein ehemaliger Topsportler, der jetzt vom Unterrichten lebt. Soeben hat ihn seine Frau Marion verlassen, die sozial engagiert ist und sich für die Interessen der Illegalen einsetzt. Um ihre Zuneigung zurückzugewinnen, kümmert er sich um Bilal und baut ihn auf. Mehr und mehr aber entsteht zwischen den Beiden eine enge Beziehung, die einem Vater-Sohn-Verhältnis nahekommt. Aber Simons Kontakte zu Bilal sind verboten und werden von den Behörden unterbunden. Auf sich allein gestellt, unternimmt Bilal den Versuch, den vom starken Nordwestwind aufgewühlten Ärmelkanal zu durchschwimmen....

Die Stärke des Films ist seine Nähe zur Alltagsrealität und zu seinen Figuren. Bilals Schicksal berührt; er ist aber nur einer von den vielen Illegalen, die in vergleichbaren Situationen alles riskieren, um einen Platz zu finden, der ein menschenwürdiges Leben erlaubt. "Welcome" hat kein Happy end. Und genau das trifft, denn es geht hier nicht nur um Kino, sondern in erster Linie um die Migranten mitten unter uns.

(Februar 2010)

"Verdammnis" und "Vergebung" von Daniel Alfredson nach den Romanen von Stieg Larsson

Pressesperre bis zum Kinostart!!

Wertung: sollte man gesehen haben

Sherlock Holmes

von Guy Ritchie - USA 209 - 120 Min.

Sherlock Holmes-Filme sind Kult und seit Jahrzehnten immer wieder neu variiert worden. Der Darsteller Basil Rathbone gab in den 40er-Jahren dem Charakter unverwechselbares Profil - so wie es beispielsweise Jean Gabin für die Maigret-Filme tat. Waren die - oftmals bewusst betulichen - Holmes-Filme bislang eine sportliche Herausforderung für den Kopf der Zuschauer, so richtet sich dieser Film mit seinen üppigen Schauwerten direkt an die Augen; er setzt auf Special effects, Action und Slapstick. Die "Holmes"-Figur von Robert Downey Jr. ist unverwechselbar eine aus dem Kino von heute, ob wohl das zeitgenössische Ambiente beibehalten wurde. "SHerlock Holmes" ist attraktives Kino - einen neuen, interessanten Blickwinkel auf den historischen Vorläufer gibt es leider nicht.

Wertung: kann man sich ansehen

Die Affäre

von Catherine Corsini - F 2009 - 85 Min.

Drei Klischee-Figuren treffen aufeinander: die gelangweilte Ehefrau, die wieder ihrem Beruf nachgehen möchte, der selbstgefällige Business-Gatte und der vitale, vorbestrafte Gelegenheitsarbeiter aus Spanien. Schauplatz ist Südfrankreich und Spanien. Die Handlung folgt dieser Konstellation: Langeweile, Leidenschaft, Liebe, Eifersucht, Streit und Mord. Das ist alles nicht zum Aushalten, wäre da nicht die schauspielerische Leistung von Kristin Scott Thomas (u.a. in "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" und "Der englische Patient"), die ihr gesamtes Spektrum abruft und einsetzt.

Wertung: kann man sich ansehen

Surrogates

von Jonathan Mostrow - USA 2009 - 88 Min.

"SURROGATES" basiert auf der Comic-Serie gleichen Namens aus den Jahren 2005/06 von Robert Venditti und Brett Weldele. Die Story dreht sich um menschengleiche Roboter, die - sozusagen als Stellvertreter des eigenen Ichs - von ihren Nutzern beispielsweise für unbequeme Arbeiten eingesetzt und gesteuert werden. Doch irgendwann geraten die Regeln für die Abgrenzung der realen von der virtuellen Welt durcheinander; die Ersatzwesen proben den Aufstand und vorbei ist es mit Ruhe und Frieden. Nun liegt es an Bruce Willis, der als FBI-Agent nicht mehr länger seinen Surrogates werkeln lassen kann und höchstpersönlich aktiv werden muss.

Dieser Plot ist in den SiFi-Thrillern nicht neu, besonders in den japanischen Anime (OVA) ist er oft variiert und visualisiert worden. Wer sich aber an Hochglanzbildern, cooler Ästhetik und 2xBruce Willis erfreuen kann, der sollte sich diesen FIlm nicht entgehen lassen.