Schlafende Hunde
von Christoph Darnstädt – D 2023 – 6 x 50 Min. – netflix
Der Ex-Polizist Mike Atlas, der nach einem Nervenzusammenbruch als Obdachloser in einem abgelegenen Wohnwagen auf der Straße wohnt, wird von einem Clan-Mitglied überfallen und zusammengeschlagen. Dieser gibt Atlas die Schuld am Suizid des Bruders, den Atlas durch eine Zeugenaussage im Zusammenhang mit dem Mord an einem Richter ins Gefängnis gebracht hat. Atlas kann sich an die Ereignisse, die damals zur Verhaftung geführt haben nicht erinnern und beginnt, erneut Recherchen in dem Fall zu unternehmen. Gleichzeitig bekommt die beruflich noch unerfahreneAssessorin der Staatsanwältin, Jule Andergast, den Auftrag eben diesen Selbstmord zu untersuchen und stößt dabei ebenfalls auf Ungereimtheiten. Nach und nach finden beide unabhängig voneinander heraus, dass das Clan-Mitglied unschuldig im Gefängnis saß, Es verdichten sich die Hinweise, das Atlas und seine damaligen Kollegen in den Fall involviert waren. Das weitere Geschehen führt in einen Irrgarten mit diversen Spuren, die bis nach Russland zu reichen scheinen.
„Schlafende Hunde“ sollte man besser nicht wecken. Die nach der israelischen Vorlage „The Exchange Principle“ produzierte Serie folgt den Mustern des klassischen Krimis und konzentriert sich dabei auf die Vermeidung der üblichen Polizisten-Klischees zugunsten vielschichtiger, desillusionierter Charaktere mit individuellen Erfahrungen und Motivationen. Korruption in Polizei- und Justizkreisen spielen in der präzisen Narration eine gleichwertige Rolle wie Clankriminalität und Terrorismus. Die Entwicklung der Protagonisten ist dabei ebenso spannend wie die eigentlichen Handlungsstränge. Die Auflösung ist nicht nur überraschend, sondern auch emotional wirkungsvoll erzählt. Hervorzuheben ist die überragende Darstellung von Max Riemelt als nicht nur als äußerlich verwahrloster, sondern auch innerlich total aus der Spur geratener Ex-Cop.