Porträt Horst Schäfer

Bericht

WEIHNACHTEN / NEUJAHR 2010/2011: CLAUDE LANZMANN

Wie (fast) alle anderen Menschen auch, so schenkte ich (mir) in diesem Jahr ein Buch und eine DVD. Genauer gesagt:"Der Patagonische Hase" von Claude Lanzmann und die Gesamtausgabe aller seiner Filme, die vorzüglich zusammengestellt und kommentiert als eine arte-Edition von absolut medien auf den Markt gebracht wurde.

Das Buch ist eine Begegnung mit einem außergewöhnlichen Menschen, dessen Namen im Zusammenhang mit dem Leben und den Arbeiten von Sartre und Simone de Beauvoir weltweit bekannt ist. Seine "ERINNERUNGEN" sind ein literarisches Meisterwerk, das so ganz nebenbei die Politik der Nachkriegszeit aufrollt und aufschlussreiche Einblicke in Szenen und Ereignisse erlaubt, die aus der individuellen Perspektive des Protagonisten offen dargelegt werden. Es ist sinnvoll, das Buch möglichst ohne längere Pausen zu lesen, da es gerade in seiner Reichhaltigkeit eine Herausforderung für die Leser darstellt. Hin und wieder ist ein Abgleich mit dem eigenen Leben angebracht.

Direkt danach sollte man sich die Zeit für die DVD-Edition nehmen. Lanzmanns erster Film "WARUM ISRAEL" (1973) ist in seiner Fragestellung und Positionierung auch heute noch gültig.

Und dann "SHOAH", ein Film, der mit keinem anderen zu vergleichen ist und einmal bleiben wird. Gut zehn Stunden braucht man, um ihn zu sehen. Gegenüber den Kundigen, die das Werk vor Jahren auf der Berlinale sehen konnten, hat das Film nun den Vorteil, sorgfältig mit deutschen Untertiteln bedacht zu sein. Das erleichtert die Rezeption. SHOAH ist ein Film, den mindestens jeder Deutsche gesehen haben muss. In seinen "Erinnerungen" erzählt Lanzmann auch ausführlich über die problemgeladenen Dreharbeiten und die kontroversen Reaktionen, die SHOAH erfahren hat.

Claude Lanzmann, Buch und Filme, das sollte man sich jetzt vornehmen. Wenn nicht jetzt, wann denn?