Das große Heft
von Janos Szasz – Ungarn/Deutschland/Frankreich/Österreich 2012 – 100 Min.
Immer wieder überrascht das Kino mit außergewöhnlichen Geschichten; mit Filmen, die entgegen den Mainstream-Erwartungen verlaufen und sich nachhaltig als großartiges Kinoerlebnis einprägen. Der nach einem weltweit erfolgreichen Roman der ungarisch-schweizerischen Autorin Agota Kristof gedrehte Film spielt inmitten des Zweiten Weltkrieges in einer unwirtlichen Gegend in Ungarn nahe der streng bewachten Grenze. Zwei dreizehnjährige Zwillingsbrüder werden von ihrer Mutter zu ihrer verschrobenen Großmutter gebracht, zu der es bislang so gut wie keinen Kontakt gab. Widerwillig nimmt die Alte, im Dorf als Hexe verschrieen, die Jungen bei sich auf. Sie müssen hart arbeiten, um sich Brot und Obdach zu verdienen. Draußen behandelt man sie nicht besser. Schläge und Ungerechtigkeit sind an der Tagesordnung. Um zu überleben, beschließen die Jungen, sich in immer neuen Übungen abzuhärten: Gegen Schmerzen, gegen Beleidigungen, gegen Hunger, gegen die eigenen Skrupel nach Sehnsucht und Liebe. Sie lernen zu betteln, zu stehlen, zu schlagen, zu lügen und zu töten. Nur eines können sie nicht ertragen: getrennt zu werden. Doch auch dieser Prüfung müssen sie sich stellen.
Ein kraftvoller Film über eine bzw. zwei Kindheiten in allerhärtesten Zeiten; eine wütende Anklage gegen Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Unmenschlichkeit. In den Hauptrollen hervorragend besetzt, emotional einfühlsam inszeniert und mit der großartigen Kamera von Christian Berger („Das weiße Band“). „Bester Film“ beim diesjährigen Karlovy Vary International Film Festival.