Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Gran Torino

von Clint Eastwood - USA 2008 - 115 Min.

Sein 1972er Gran Torino ist der ganze Stolz des ehemaligen Auto-Fließbandarbeiters Walt Kowalski. Beide stammen aus einer vergangenen Zeit; Ruhm und Ansehen von gestern zählt heute nicht mehr.

Walt wohnt in einem typisch amerikanischen Vororthäuschen. Er ist verwitwet; zu den Kindern hat er kaum Kontakt. Er könnte ein angenehmes und beschauliches Leben führen, hätte sich nicht seine Umgebung total verändert. Statt netter, ordnunsliebender Nachbarschaft mit Fahnenschmuck und Grillparties wohnt er mitten unter Migranten des Hmong-Volks aus Südostasien. Während des Vietnamkriegs stand es auf Seiten der USA. Viele von Ihnen kamen nach Kriegsende als Flüchtlinge in die Staaten.

Walt Kowalski hat am Koreakrieg teilgenommen, von dem er verbittert zurückkehrte. Sein Bild von den Asiaten ist seit dieser Zeit nachhaltig geprägt. Wider Willen gerät er jetzt in eine Situation, in der er seinen Nachbarn hilft, die von einer Jugendgang gemobbt und bedroht wird. Er überwindet seine rassistischen Vorurteile und stellt sich auf ihre Seite. Die Situation eskaliert. Es kommt zu brutalen Übergriffen. Walt sieht nur eine Möglichkeit, gegeben vorzugehen. Doch anders als etwa bei "Dirty Harry" muss er dafür einen viel zu hohen Preis bezahlen.

Letzteres entspricht nicht mehr dem Typ und dem Image der frühen Eastwood-Charaktere. Dennoch ist es nicht nachvollziehbar, dass solche Konflikte nur durch die Aufopferung der eigenen Person gelöst werden können. Das ist der einzige Schönheitsfehler in einem Film, der allein schon durch die Präsenz seines Protagonisten besticht. Eastwood glänzt auch mit minimalen Mitteln - wie etwa dann, wenn er sich knurrend wie sein altersschwacher Hund missbilligend zu dem ihm unverständlichen Verhalten der jungen Generation äußert.