Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Timbuktu

von Abderrahmane Sissako – F/Mauretanien 2014 – 97 Min.

Ausgelöst wurde die Geschichte dieses Films durch ein Ereignis aus dem Jahre 2012 in Aguelhok, einer kleinen Stadt im nördlichen Mali, das zu einem großen Teil besetzt ist. Ein Paar in den Dreißigern, Eltern zweier Kinder, wurden zu Tode gesteinigt, weil sie nicht verheiratet waren.

„Timbuktu“ spielt in den Dünen nicht weit von Timbuktu, das in die Hände religiöser Fundamentalisten gefallen ist. Kidane lebt friedlich mit seiner Frau Satima, seiner Tochter Toya und Issan, einem kleinen 12-jährigen Hirtenjungen in den Dünen. In der Stadt erdulden die Einwohner ohnmächtig das Terrorregime, das von den Dschihadisten eingesetzt wurde, um ihren Glauben zu überwachen. Musik, Gelächter, Zigaretten und sogar das Fußballspielen sind verboten. Die Frauen sind zu Schatten geworden, die versuchen, würdevoll Widersand zu leisten. Jeden Tag werden von auf die Schnelle eingesetzten Tribunalen tragische und absurde Strafen ausgesprochen. Kidane und seine Familie bleiben von dem Chaos in Timbuktu verschont. Aber ihr Schicksal ändert sich, als Kidane in einem Streit Amadou tötet, einen Fischer, der eine Kuh aus Kidanes Herde getötet hat. Und nun muss sich auch Kidane den neuen Gesetzten der ausländischen Besatzer stellen.

Ein Film, der seine Geschichte in ruhigen, ausbalancierten Bildern erzählt. Es bedarf keiner Worte, um die Grausamkeit und die Selbstgefälligkeit der Fundamentalisten anzuprangern. Man muss nur genau auf aufmerksam zusehen. „Timbuktu“ ist ein hochaktueller Film, der mit leisen Tönen aufschreit. Ein Pflichtfilm für alle Deutschen, die wahlberechtigt sind und Druck auf unsere Politiker ausüben können. Gegenüber diesem Film ist ihr Geschwurbel in der Tagespresse unerträglich.