Porträt Horst Schäfer

Kinotipps 2014

70 Besprechungen aus dem Jahr 2014.

Wertung:
Wertung: sollte man gesehen haben

Exodus – Götter und Könige

von Ridley Scott – GB/USA 2014 – 150 Min.

Moses gegen Ramses: eine Klassiker des Actionkinos. Kommt gerade richtig zur Weihnachtszeit in 3D, mit spektakulären Bildern und visuellen Effekten, die Ridley Scott wie kaum ein anderer beherrscht. Die Bibel in Bildern zu lesen ist immer noch reizvoller als sie zu lesen. Da sich das Kino seit einhundert Jahren darin übt, ist auch diese Visualisierung zumindest interessant. Nicht zuletzt auch im Hinblick darauf, wie und von wem Moses seine Botschaften von Gott erhält. Da es ja keine konkreten Beschreibungen gibt, ist jede Form der Darstellung möglich. Und hier wird eine durchaus interessante, filmische Lösung präsentiert.

Aus dem Presseheft: „Das visuelle und dramaturgische Spektrum umfasst die gewaltige Schlacht, in der zu Beginn des Films ein Heer von 15.000 ägyptischen Soldaten ein Feldlager der Hethiter angreift, außerdem monumentale, alles überragende Bauten, eine Katastrophenkette von furchterregenden Plagen und schließlich die Teilung des Roten Meeres.“ Was will man mehr für eine Kinokarte?

Wertung: hervorragend

The Homesman

von Tommy Lee Jones – USA 2014 – 122 Min.

Tommy Lee Jones ist Regisseur, Hauptdarsteller, Co-Autor und Produzent. Ein Film, der zu ihm passt wie ein Paar alter, abgetragener Stiefel. Die Handlung spielt in Nebraska, Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine resolute, gottesfürchtige und selbstbewusste Frau übernimmt von ihrer Gemeinde den Auftrag, drei Farmersfrauen, die aus unterschiedlichen Gründen ihren Verstand verloren haben, in den Osten zu geleiten, wo sich eine Methodistengemeinde um sie kümmern soll. Begleitet wird sie dabei von einem verschlossenen Gesetzlosen, dem sie das Leben rettet und der ihr verpflichtet ist. Und dann beginnt ein entbehrungsreicher Treck gen Osten. Sie müssen sich gegen hartes Wetter, gefährlichen Stürmen und lebensgefährlichen Begegnungen mit Indianern und Siedlern behaupten.

Tommy Lee Jones und Hilary Swank: ein Paar, wie man es nicht oft sieht. Ein genregetreuer Western ist dieser Film nicht; eher eine universelle Parabel über menschliche Grenzerfahrungen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Clouds of Sils Maria

von Olivier Assayas – F/BRD 2013 – 124 Min.

Juliette Binoche ist eine Schauspielerin der Extraklasse. Es gibt Filme, in denen sie alle(s) überragt: „Die Liebenden von Pont-Neuf“ beispielsweise oder „Drei Farben: Blau“. In dem Film von Assayas spielt sie eine Schauspielerin, die sich auf eine Rolle vorbereitet. Es ist die Wiederaufführung eines Theaterstücks, mit dem sie zwanzig Jahre zuvor ihren Durchbruch feierte. Sie spielte eine verführerische junge Frau, die auf ihre wesentlich ältere Vorgesetzte eine ganz besondere Faszination ausübt und schließlich in den Selbstmord treibt. Und nun soll sie die Rolle der Älteren übernehmen; ihr früherer Part wird von einem skandalträchtigen jungen Starlet aus Hollywood gespielt. Und damit sind die Konflikte vorgeprägt.

Nun: die Handlung ist vorhersehbar und auch nicht besonders prickelnd. Aber der Schauspielerin Juliette Binoche dabei zuzusehen, wie sie eine Schauspielerin spielt, das ist Kino pur! Fehlt nur noch ein Making Off, um das alles abzurunden.

Wertung: hervorragend

Timbuktu

von Abderrahmane Sissako – F/Mauretanien 2014 – 97 Min.

Ausgelöst wurde die Geschichte dieses Films durch ein Ereignis aus dem Jahre 2012 in Aguelhok, einer kleinen Stadt im nördlichen Mali, das zu einem großen Teil besetzt ist. Ein Paar in den Dreißigern, Eltern zweier Kinder, wurden zu Tode gesteinigt, weil sie nicht verheiratet waren.

„Timbuktu“ spielt in den Dünen nicht weit von Timbuktu, das in die Hände religiöser Fundamentalisten gefallen ist. Kidane lebt friedlich mit seiner Frau Satima, seiner Tochter Toya und Issan, einem kleinen 12-jährigen Hirtenjungen in den Dünen. In der Stadt erdulden die Einwohner ohnmächtig das Terrorregime, das von den Dschihadisten eingesetzt wurde, um ihren Glauben zu überwachen. Musik, Gelächter, Zigaretten und sogar das Fußballspielen sind verboten. Die Frauen sind zu Schatten geworden, die versuchen, würdevoll Widersand zu leisten. Jeden Tag werden von auf die Schnelle eingesetzten Tribunalen tragische und absurde Strafen ausgesprochen. Kidane und seine Familie bleiben von dem Chaos in Timbuktu verschont. Aber ihr Schicksal ändert sich, als Kidane in einem Streit Amadou tötet, einen Fischer, der eine Kuh aus Kidanes Herde getötet hat. Und nun muss sich auch Kidane den neuen Gesetzten der ausländischen Besatzer stellen.

Ein Film, der seine Geschichte in ruhigen, ausbalancierten Bildern erzählt. Es bedarf keiner Worte, um die Grausamkeit und die Selbstgefälligkeit der Fundamentalisten anzuprangern. Man muss nur genau auf aufmerksam zusehen. „Timbuktu“ ist ein hochaktueller Film, der mit leisen Tönen aufschreit. Ein Pflichtfilm für alle Deutschen, die wahlberechtigt sind und Druck auf unsere Politiker ausüben können. Gegenüber diesem Film ist ihr Geschwurbel in der Tagespresse unerträglich.

Wertung: sollte man gesehen haben

Trash

von Stephen Daldry – Brasilien/GB 2014 – 120 Min.

Eine Mülldeponie in Brasilien ist für die drei Jungen Raphael, Gardo und Rato der Lebensmittelpunkt. Ihre Tage verbringen sie damit, durch Berge von dampfendem Müll zu waten. Sie sichten, sortieren, atmen und leben den Abfall. Doch eines Tages verändert sich die Welt schlagartig für sie. Raphael findet eine Brieftasche. Ihr Besitzer wurde ermordet. Die Tasche enthält Hinweise auf korrupte Politiker, die mit aller Macht an das Material kommen wollen. Sie schrecken dabei auch nicht vor Erpressungen und Morden zurück. Die drei Jungen befinden sich in einem atemberaubenden Wettlauf gegen einen schier übermächtigen Feind. In der Haltung, das Richtige zu tun, geraten sie in ein lebensgefährliches Abenteuer.

Die Verfilmung des Jugendbuches von Andy Mulligan ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Reißer! Perfekt gemacht, grandios in Szene gesetzt und mit faszinierenden Bildern visualisiert. Darunter leidet etwas die Glaubwürdigkeit des Geschehens. Drei Jungen, die den Mächtigen die Stirn bieten und dabei als Gewinner davonkommen - das ist eine Story, die eher zu den drei Fragezeichen passt und weniger mit der Alltags- und Lebensrealität Jugendlicher in Brasilien zu tun hat.

Wertung: hervorragend

Ruhet in Frieden

von Scott Frank – USA 2014 – 115 Min.

Es geht um den ehemaligen, gescheiterten Cop Matthew Scudder, der seinen Lebensunterhalt als Privatermittler verdient, dem Alkohol entsagt hat und zurückgezogen lebt. Als er den Auftrag annimmt, die Männer ausfindig zu machen, die die Frau eines Drogenhändlers brutal gekidnappt und ermordet haben, führt ihn der Fall tief in die Unterwelt von New York. Langsam offenbar sich, dass die Entführung nicht die einzige war, sondern Teil einer ganzen Serie äußerst gewalttätiger Straftaten, die meistens tödlich endeten. Auf der Suche nach Gerechtigkeit ist Scudder gezwungen, selbst die Grenzen des Gesetzes zu überschreiten.

Der Film steht ganz in der Tradition der „schwarzen Serie“ und kann sich mit den besten dieses Genres messen. Hervorragend der Hauptdarsteller Liam Neeson, der wie ein Protagonist als alten Zeiten wirkt, den es in die Gegenwart verschlagen hat. Beeindruckend sind darüber hinaus die subtile Inszenierung von Scott Frank (auch Drehbuch) und die atemberaubend Kamera von Mihai Malaimare Jr., die auch den heruntergekommendsten Gegenden faszinierende Bilder abgewinnt.

Wertung: kann man sich ansehen

Keine gute Tat

von Sam Miller – USA 2014 – 84 Min.

Ein brutaler, sich auf der Flucht befindender Gewalttäter, dringt in ein Haus ein und drangsaliert eine Frau mit zwei kleinen Kindern. Es dauert etwas, bevor der Film sein Thema gefunden hat. Schließt man die Augen, so kann man an den Geräuschen und der aufdringlichen Musik den weiteren Verlauf des Geschehens problemlos verfolgen. Ein paar Leichen später kann es nur eine Überlebende geben.

Wertung: kann man sich ansehen

Nightcrawler

von Dan Gilroy – USA 2013 – 117 Min.

Co-Produzent und Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal in der Rolle windigen, karrieregeilen Kamera-Journalisten, der nächstens durch Los Angeles Unterwelt zieht und darauf hofft, spektakuläre Action einzufangen. In Rene Russo als ehrgeizige TV-Nachrichtenchefin findet er die richtige Partnerin, die keine Skrupel kennt, um ihre lokalen News mit spektakulären Bildern ins Gespräch zu bringen. Keine Frage: der Protagonist des Geschehens geht dabei im wahrsten Sinne des Wortes sogar über Leichen.

Ein medienkritischer Thriller, der alle Klischees bedient und ohne neue, verblüffende Erkenntnisse endet. Was den Film dennoch auszeichnet: er ist perfekt gestylt, rasant gefilmt und mitunter auch spannend. In dem Film geht es (meistens) um kleinformatige Bilder aus Nahaufnahmen. In diesem Zusammenhang muss unbedingt die hervorragende Kamera von Robert Elswit genannt werden. Der mehrfach mit Preisen und Auszeichnungen bedachte Kalifornier gewinnt der oft in Szene gesetzten Stadt Los Angeles visuelle Reize ab, die so konzentriert bislang nicht oft zu sehen waren: die Stadt als Insel in der Wildnis, in der die Menschen nur Außenseiter sind – aus einer Weitwinkel-Perspektive mit eindringlichen Farb-Kompositionen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Interstellar

von Christopher Nolan – USA 2014 – 170 Min.

Ein akzeptabler Versuch, nach „2001“ eine neue Dimension zu visualisieren. In den SF-Romanen lassen sich ungeahnte Räume und Zeiten gut beschreiben, da sie nicht überprüft werden können. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wer so etwas allerdings auf der Leinwand zeigt, legt sich fest. Und das ist hier durchaus gelungen: Räume, Zeiten und Zeitreisen miteinander zu verbinden: Da auf der Erde alle Vorräte bald aufgebraucht sind, müssen neue Lebensräume jenseits unserer Galaxie gesucht werden. Ein Film mit viel Atmosphäre, gut besetzt und anspannend inszeniert. Mehr sollte man vor dem Kinobesuch nicht verraten. Es lohnt sich, drei Stunden im Kino zu verbringen. Vorausgesetzt ist allerdings eine hervorragende technische Präsentation in Wort, Bild und Ton.

Wertung: sollte man gesehen haben

Mr. Turner – Meister des Lichts

von Mike Leigh – GB 2014 – 150 Min.

Biopic über den renommierten und exzentrischen englischen Maler William Turner. Er wird als sperriger, schwer zugänglicher Charakter gezeichnet, zu dem der Zuschauer nicht so ohne weiteres eine Beziehung aufbauen kann. Aber indem Mike Leigh darauf verzichtet, ihn als eine schillernde, faszinierende Künstlerpersönlichkeit zu präsentieren, umso mehr zieht das Geschehen in einen Bann, weil sich hinter der Oberfläche des Mitgliedes der Royal Academy ein ruheloser und anarchistischer Künstler verbirgt, der spaltet statt versöhnt. Kompromisslos, wie Turners Lebensweg sich gestaltet, ist auch die Umsetzung in diesem Film. Er erzählt von den Spannungen und Gegensätzen im England des 19. Jahrhunderts und zeichnet so ein einzigartiges Gesellschaftsporträt dieser turbulenten Epoche, die durch die dramatischen Veränderungen der industriellen Revolution geprägt wurde.

Wertung: sollte man gesehen haben

Plötzlich Gigolo

von John Turturro – USA 2013 – 98 Min.

New York. Ein Buchladenbesitzer, dessen Geschäfte nicht mehr so laufen wie früher, kommt auf eine schräge Idee, seine Kasse und die seines Freundes aufzubessern; dessen Blumenladen verzeichnet ebenfalls Verluste. Und so verkauft er den sanften Floristen kurzerhand für eine Ménage à trois als professionellen Don Juan an seine Hautärztin, die das gemeinsam mit einer Bekannten gerne einmal ausprobieren möchte. Weitere Aufträge folgen. Und schon sind sie im Geschäft: Der Gigolo und sein „Zuhälter“.

Eine Bombenrolle für Woody Allen – in einem Film wie von Woody Allen. Und ein größeres Kompliment könnte man John Turturro nicht machen, der für Buch und Regie verantwortlich ist und auch noch den Gigolo spielt. Die vielen schönen und attraktiven Frauen, von denen sie umgeben sind, spielen sie mühelos an die Wand. Alles ist sehr amüsant und mit großem Vergnügen anzusehen.

Wertung: hervorragend

Pride

von Matthew Warchus – UK 2014 – 120 Min.

Ein neuer britischer Feel Good-Film! Bronski Beat trifft Gaelic Folk. Der Story liegt eine wahre Begebenheit zugrunde. Es geht um die außergewöhnliche Liaison zweier Gruppen, die sich im Sommer 1984 in England gefunden haben. Eine schrille Schwulen- und Lesbentruppe aus London zeigt sich mit streikenden Waliser Bergarbeitern solidarisch – was für beide Parteien nicht immer ganz einfach ist. Irritationen sind vorprogrammiert. Aber da Lady Thatcher das gemeinsame Feindbild verkörpert entwickelt sich eine besondere Freundschaft mit bis heute historischen Folgen. Eine ernste Sache mit viel Humor inszeniert. Der Film feierte seine Premiere bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes und wurde dort mit der Queer Palm ausgezeichnet.

Wertung: kann man sich ansehen

Northman – A Viking Saga

von Claudio Fäh – D / Schweiz / Südafrika 2014 – 97 Min.

873 nach Christus. Vom eigenen König verbannt, nimmt eine Horde furchtloser Wikinger Kurs auf Britannien. Sie wollen ein mit Goldschätzen bestücktes Kloster plündern. Von einem schweren Sturm überrascht, standen sie vor der feindlichen, schottischen Küste. Auf ihrem beschwerlichen Weg durch die Highlands müssen sie noch eine Königstochter retten und sich gegen die berüchtigte Söldnertruppe „Wolfsrudel“ wehren. Ein geheimnisvoller Mönch unterstützt die Wikinger bei den nun anstehenden Verfolgungen und Kämpfen.

Ein schier endloses Hauen und Stechen wie in alten Zeiten. Die Kameras sind schneller und näher dran, die Ausformung der Charaktere dafür umso weiter. Nichts Neues unter der Sonne bzw. in den schottischen, regenverhangenen Highlands.

Wertung: sollte man gesehen haben

Am Sonntag bist du tot

von John Michael McDonagh – Irl./GB 2014 – 100 Min.

Einem Dorfpriester in einem Provinznest an der irischen Küste wird bei der Beichte angedroht: „Am Sonntag bist du tot!“ Er soll stellvertretend für einen anderen katholischen Geistlichen sterben, der dem Gläubigen früher schlimmes angetan hat, aber nicht mehr lebt. Da das Beichtgeheimnis den Priester daran hindert, die Polizei einzuschalten, muss er sich selbst auf die Suche nach seinem zukünftigen Mörder machen. Eine dramatische und turbulente Woche führt ihn in bislang unbekannte oder verschwiegene Abgründe der Gesellschaft und der Kirchenhierarchie. Der Zuschauer leidet mit – so emotional bewegend ist die Geschichte des Protagonisten, der sich seinem Schicksal stellen muss. Hauptdarsteller in dieser vielschichtigen, rabenschwarzen Schuld-und-Sühne-Komödie ist Brendan Gleeson, der es meisterhaft versteht, innere Konflikte äußerlich sichtbar zu machen.

Wertung: kann man sich ansehen

The Cut

von Fatih Akin – D 2014 – 138 Min.

Die Erwartungen bei der Premiere des Films in Venedig waren hoch; die Enttäuschung groß. Fatihs Film über das Schicksal eines Armeniers, der 1915 von seiner Familie getrennt und vertrieben wird, und dessen Wege auf der Suche nach seinen Kindern von den Wüsten Mesopotamiens über Havanna bis in die kargen, einsamen Prärien North Dakotas führen, ist irgendwie langatmig. Und das bei einem Regisseur, der sich bislang durch vitale und emotional bewegende Geschichten ausgezeichnet hat. Der große Aufwand bei der Produktion schafft zwar wechselnde Schauplätze, aber keine neuen Erkenntnisse. Und politisch brisant, weil er angeblich an Tabus der türkisch-armenischen Vergangenheit rüttelt, ist „The Cut“ nicht, weil hier Klischees aufeinandertreffen und keine glaubwürdigen Charaktere. Schade!

Wertung: sollte man gesehen haben

Das grosse Museum

von Johannes Holzhausen – Österreich 2014 – 94 Min.

Ein hochinteressanter Film für alle Museums-Gänger, Kunst-Gewerbler und Kunst-Arbeiter. Das Porträt eines der bedeutendsten Museen Europas: das Kunsthistorische Museum in Wien (KHM). Die Dokumentation unternimmt eine ausgedehnte Reise hinter die Kulissen dieser faszinierenden Institution und zeigt anhand des vielfältigen Museumsalltags und einer Fülle von charismatischen Protagonisten den einzigartigen Kosmos des KHM. Sorgfältig beobachtet und spannend umgesetzt: Immer dann, wenn eine große Kiste ausgepackt wird wartet man ungeduldig darauf, was wohl darin sein mag. Viele ironisch gebrochene Anspielungen und ein informativ-witziger Blick garantieren den Unterhaltungswert des Films. Man hat sofort wieder Lust, in ein Museum zu gehen.

Wertung: sollte man gesehen haben

The Equalizier

von Antoine Fuqua – USA 2014 – 128 Min.

Denzel Washington spielt einen ehemals verdeckt operierenden Agenten eines Spezialkommandos, der seinen Tod vorgetäuscht hat, um in Boston in Ruhe leben zu können. Als er eines Tages aus seinem selbstgewählten Ruhestand zurückkehrt, um ein junges Mädchen zu retten, steht er plötzlich ultrabrutalen russischen Gangstern gegenüber. Keine Frage, wie das Ding ausgeht. Eine ideale Rolle für den Hauptdarsteller, der sich vielfach betätigen und beweisen muss. Nur wenn er am Ende über die gebündelten Kräfte der Superhalden verfügt, wird der Film leider uninteressant und langweilig, da vorhersehbar. Und das sollte bei einem hochexplosiven Actionfilm nicht der Fall sein.

Wertung: sollte man gesehen haben

The Riot Club

von Lone Scherfig – GB 2014 – 106 Min.

Im exklusiven „Riot Club“ in Oxford trifft sich die künftige Elite der englischen Gesellschaft. Hier geht es darum, dass neue Mitglieder gesucht werden und Studienanfänger sich entsprechend als würdig erweisen, indem sie eine Reihe von Demütigungen erdulden müssen. Höhepunkt ist ein traditionelles Dinner in einem abgelegenen Pub, ein Exzess, der wie immer schlimm endet. Die Sau wird rausgelassen, das Lokal wird verwüstet, die Lage gerät außer Kontrolle und es fließt Blut.

Der Stoff geht zurück auf ein erfolgreiches Bühnenstück, das seit Jahren erfolgreich im Londoner West End aufgeführt wird. Die Kino-Adaption führt in die geheime, abgehobene Welt der Dining Societies, der in der sich die junge arrogante britische Elite selbst feiert und gegenseitig fördert. Der Film überzeugt durch die exzellente Spielfreudigkeit einiger angesagter männlichen Jungstars des Königsreichs. „The Riot Club“ ist nicht gerade ein Bewerbungsvideo für den Beitritt der Briten zu den Euro-Ländern. Wenn das auf uns zukommt, sollen sie lieber unter sich bleiben. Herzlichen Dank an die dänische Regisseurin Lone Scherfig („Italienisch für Anfänger“).

Wertung: sollte man gesehen haben

The Salvation – Spur der Vergeltung

von Kristian Levring – Dänemark, GB, Südafrika – 92 Min.

Ein Western! 1891: Der dänische Auswanderer Jon freut sich darauf, dass seine Frau und sein Sohn zu ihm und seinem Bruder Peter nachziehen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft werden sie von Banditen getötet, die daraufhin von Jon getötet werden. Da einer der Toten allerdings der kleine Bruder eines brutalen Bandenchefs ist, der das Gebiet unter seiner Kontrolle bringen will, sind die sich daraus ergebenden Konflikte vorgegeben. Weder der korrupte Bürgermeister noch der feige Sheriff wagen sich, ihn aufzuhalten. Die Situation eskaliert. Jon und Peter bleibt nichts anderes übrig, als auf eigene Faust gegen die Bande von Gesetzlosen vorzugehen.

Eine klassische Western-Story, die sparsam mit den genreüblichen, oft klischeebeladenen Ingredienzen umgeht, dafür aber die Protagonisten und Charaktere ausdifferenziert profiliert. Die beiden Brüder werden mit physischer und psychischer Präsenz von Mads Mikkelsen und Mikael Persbrandt intensiv und beeindruckend gespielt; man fragt sich, warum der Western so lange ohne sie auskommen konnte.

Wertung: nicht zu empfehlen

Dracula Untold

von Gary Shore – USA 2014 – 92 Min.

In spektakulären, aber inhaltsleeren Bildern führt uns der Film die Lebensgeschichte des blutrünstigen Transsylvanien-Despoten vor Augen und will erklären, wie er wurde und was er ist. Da seine Geschichte schon mehrfach ausgebeutet wurde, geht es weniger im Vampire, sondern um viel Hauen und Stechen, die wegen der überbordenden Special Effects auf Dauer ermüden und langweilen. Ob nun 10, 100 oder 1000 Tote – was soll’s?

Das Presseheft zitiert einen Satz aus „Dracula“ VON 1931: „Es gibt viel schlimmere Dinge, die der Mensch erleben kann, als den Tod.“ Stimmt. Treffer!

Wertung: sollte man gesehen haben

Ein Sommer in der Provence

von Rose Bosch – F 2014 – 103 Min.

Drei Geschwister aus Paris, 7,15 und 17 Jahre alt, deren Eltern auseinanderdriften, müssen gegen ihren Willen den Sommer bei ihren Großeltern in der Provence verbringen. Die verständnisvolle und liebevolle Art der Großmutter kann nicht ausgleichen, dass der Opa ein grantiger Eigenbrötler ist, der mit seinen Enkeln nicht viel anfangen an. Generationen und Welten prallen aufeinander. Am Ende der Ferien ist aus dem „sturen Esel“ ein sympathischer, runderneuerter Typ geworden. Eine Paraderolle für Jean Reno!

Den Plot: Großstadtkinder müssen ungewollt die Ferien bei den Großeltern auf dem Lande verbringen, kennt man aus vielen skandinavischen Filmen. Hier ist die Geschichte über Vorurteile und kulturelle Unterschiede eingebettet in traumhaft schöne Bilder der weitläufigen Alpen-Landschaft im Herzen der Provence. Wer diesen Film gesehen hat, weiß, wo er seinen nächsten Urlaub verbringen wird. Und in der Hoffnung, dort auf ein paar solcher Typen zu treffen, die sie uns der Film von Rose Bosch („Die Kinder von Paris“) serviert.

Wertung: kann man sich ansehen

Sin City 2: A Dame TO Kill For

von Frank Miller und Robert Rodriguez – USA 2014 – 102 Min.

Sin City ist der einzige Ort dieser Welt, den man nur auf der Leinwand besichtigen möchte. Das Personal ist bekannt und auch diesmal sind es bewährte Dunkelmänner wie Mickey Rourke, Josh Brolin und Dennis Haysbert die zum Personal gehören – garniert von den attraktiven Frauen Jessica Alba und Eva Green. Unter den genretypischen Masken einzelner Charaktere sind u. a. Bruce Willis und Stacy Keach zu entdecken. Die Handlung konzentriert sich im wesentlichen darauf, auf welch artistisch-virtuose Weise Menschen zerschnitten, zerlegt oder sonst wie umgenietet werden können. „Sin City“ mixt meisterhaft Graphic Novel mit Film noir. Und der Umgang mit den Bildern ist das, was den visuellen Reiz des Films ausmacht.

Wertung: kann man sich ansehen

Istanbul United

von Olli Waldhauer & Farid Eslam – D 2014 – 87 Min.

Eine Koproduktion Deutschland, Tschechien, Türkei und Schweiz. Es ist den Autoren gelungen, die Geschichte einer außergewöhnlichen Allianz von rivalisierenden Fußball-Fans während der Gezi-Proteste in Istanbul zu dokumentieren. Seit Jahren sind die Ultra-Fans der drei wichtigsten Fußballclubs in Istanbul (Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas) weltweit bekannt für die bedingungslose, oft gewaltgeladene Unterstützung ihrer Teams. Im Sommer

2013 geschieht etwas, was nicht für möglich gehalten wurde: während der Proteste gegen die türkische Regierung im Gezi-Park vereinigen sich die konkurrierenden Fanclubs zum ersten Mal für eine gemeinsame Sache und kämpfen unter dem Namen „Istanbul United“ gegen das herrschende System in der Türkei. Da der Film unter extrem schwierigen Bedingungen entstanden ist, kann er nicht alle Anforderungen erfüllen und alle Fragen beantworten. Er ist eine Momentaufnahme, die zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit der Politik des Premierministers/Präsidenten Erdogan auffordert.

Wertung: kann man sich ansehen

Shirley – Visionen der Realität

von Gustav Deutsch – Österreich 2013 – 93 Min.

In 13 durch den Film zum Leben erweckten Gemälden von Edward Hopper wird die Geschichte einer Frau erzählt, die den Zuschauer durch ihre Gefühle, Gedanken und Reflexionen eine Epoche der amerikanischen Geschichte betrachten lässt. Von Anfang der 30er bis Mitte der 60er Jahre. Das Arrangement von Bild und Ton ist sehr gewöhnungsbedürftig. Wer die Bilder von Hopper schätzt, wird sich dennoch unterhalten, da sie im wahrsten Sinne des Wortes belebt werden und sich mit Inhalten füllen, die keineswegs aufgesetzt wirken.

Wertung: sollte man gesehen haben

Erlöse uns von dem Bösen

von Scott Derrickson – USA 2014 – 119 Min.

Man geht ins Kino und ahnt nichts Böses. Doch dann wird man erwischt von einem perfekten Thriller, der Cop-Aktion mit Exorzismus mischt. Im Mittelpunkt stehen der New Yorker Polizist Ralph Sarchie (den es wirklich gibt) und ein Priester, die es gemeinsam mit dämonischen Kräften und einer Reihe von verstörenden und unerklärlichen Verbrechen zu tun haben. Der Name des Produzenten (Jerry Bruckheimer) und der des Regisseurs (Scott Derrickson) garantieren die hohe Qualität dieses Genre-Films. Ab ins Kino. Fürchtet euch nicht!

Wertung: sollte man gesehen haben

Diplomatie

von Volker Schlöndorff – D/F 2014 – 84 Min.

Die historische Vorlage ist bekannt. Es geht um den Befehl Hitlers, Paris zu zerstören, und um die Verhinderung dieses Irrsinns. Der Film zeigt die letzte Nacht der deutschen Besetzung. Zwei Männer, ein deutscher General und ein schwedischer Diplomat, treffen aufeinander und ihr verbales Kräftemessen wird zu einer emotional mitreißenden Auseinandersetzung. Der Ausgang dieses Wort-Gefechtes ist vorhersehbar. Dennoch hat der Film alle Qualitäten eines Psychothrillers. Er lässt sich vergleichen mit dem Nachstellen einer Schachpartie, wobei es darauf ankommt, jeden einzelnen Zug zu gewichten und zu bewerten. Vorlage des Films ist das gleichnamige Bühnenstück von Cyril Gély; mit Niels Arestrup und André Dussollier treffen zwei hochkarätige Darsteller aufeinander, die das dramatische und hochspannende Geschehen mühelos über die Zeit bringen.

Wertung: kann man sich ansehen

Storm Hunters

von Steven Quale – USA 2014 – 97 Min.

Ein Spielfilm, der sich als Dokumentation ausgibt und über den Einsatz von Sturmjägern berichtet. Überall dort, wo tödliche Wirbelstürme auftauchen, sind sie zu finden: professionelle Sturmjäger, erlebnishungrige Amateure und mutige, selbstlose Einwohner. Die Rollen in diesem Film sind gut verteilt. Am Ende überleben (fast) alle Protagonisten und auf den Trümmern der verwüsteten Straßen werden die Nationalflaggen als Zeichen des Überlebenswillens aufgerichtet.

Sehenswert allein der beeindruckenden Naturaufnahmen wegen, die den Besucher in den Bann ziehen. Die Handlung und ihre Protagonisten sind schnell vergessen.

Wertung: kann man sich ansehen

The Expendables 3

von Patrick Hughes – USA 2014 – 127 Min.

Ein Söldnerteam kämpft gegen ein anderes: mit Fäusten, Messern, Gewehren und Kanonen. Viel Panzer, wenig Hirn. In den wenigen Kampfpausen hat der Zuschauer die Gelegenheit, einzelne Stars aus dem Angebot des Haudegen-Supermarkts zu identifizieren. Das war’s.

Wertung: sollte man gesehen haben

Madame Mallory und der Duft von Curry

von Lasse Hallström – USA 2014 – 122 Min.

Angeführt vom Familienoberhaupt verlässt die Familie Kadam Indien, um sich in Europa eine neue Existenz als Betreiber eines Restaurants aufzubauen. Über Umwege landen sie in einem idyllischen Dörfchen im Süden Frankreichs. Genau der richtige Ort, hier ein indisches Restaurant zu eröffnen. Das wiederum gefällt Madame Mallory gar nicht. Die unnahbare Dame ist Chefin eines französischen Restaurants, das mit einem Michelin Stern ausgezeichnet wurde. Und dieses Edel-Restaurant ist nur wenige Schritte entfernt von dem neuen, lebhaften indischen Restaurant der Familie Kadam. Die Konflikte sind vorprogrammiert, die Konkurrenz der Küchen beginnt.

Der Film von Lasse Hallström ist ein Clash-of-Cultures, das nur so sprüht vor Lebensfreunde und dem Spaß an Genuss und Aromen, die auf der Zunge zergehen. Angerichtet von einem Regisseur, der seine Geschmackssinne u.a. mit „Chocolat“ bewiesen hat und mit den Zutaten von zwei hervorragenden Darstellern – Helen Mirren als Restaurant-Chefin und Om Puri als umtriebiger Gegenspieler – serviert der Film einen inspirierenden kulinarischen Genuss köstlicher Gerichte, die dem Zuschauer förmlich das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt.

Wertung: hervorragend

Die langen hellen Tage

von Nana Ekvtimishvili und Simon Groß – Deutschland/Frankreich/Georgien 2013 – 102 Min.

Ein Ausschnitt aus der Lebensrealität Jugendlicher in Georgien der 1990er Jahre. Im Mittelpunkt stehen die beiden Freundinnen Eka und Natia. Inmitten einer vom Bürgerkrieg gebeutelten patriarchalischen Gesellschaft, in der selbst die eigenen Eltern als Vorbild kläglich versagen, wissen sie sich zu behaupten und schließlich die Kette der Gewalt ganz ohne fremde Hilfe zu durchbrechen. Der Film beruht auf den Erinnerungen der Regisseurin an ihre eigene Jugend in Tiflis und stellt in ihrem fesselnd erzählten Film weibliche Identität und den Bruch mit veralteten Werten in den Mittelpunkt, wobei sie zusammen mit ihrem Ko-Regisseur einen klaren Blick für fein nuancierten Witz und selbstbewusste Darstellungen behält. Er wurde auf internationalen Festivals mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen bedacht.

Wertung: nicht zu empfehlen

When Animals Dream

von Jonas Alexander Arnby – Dänemark 2014 – 84 Min.

Ort des Geschehens ist ein kleines Fischerdorf vor der Westküste Dänemarks. Im Mittelpunkt der Handlung steht die 19jährige Marie, die als Außenseiterin nur mit sehr viel Kraft ihren Alltag bewältigen kann. Als sie merkt, dass ihr Körper sich verändert, sucht sie in der totgeschwiegenen Vergangenheit ihrer Eltern nach Antworten. Einige mysteriöse Todesfälle führten zu einer Situation, die zunehmend eskaliert. Dem als Werwolf-Thriller angedachten Film fehlen die Zähne, um Schauer zu erregen. Nicht überall, wo „nordischer Thriller“ drauf steht, ist auch Thrill drin.

Wertung: sollte man gesehen haben

Lucy

von Luc Besson – USA 2014 – 89 Min.

Die US-Studentin Lucy macht Party in Taipeh. Sie wird von einem Zufallsbekannten dazu gedrängt, einem mysteriösen koreanischen Bandenchef einen Koffer zu übergeben. Bei der Übergabe geht einiges schief und es gibt die ersten Toten. Lucy wird brutal zusammengeschlagen und soll eine neuartige Superdroge nach Europa schmuggeln. Das Päckchen wird ihr gegen ihren Willen in ihrem Bauch implantiert. Bei einem Kampf gegen einen ihrer Gegner löst sich das Päckchen auf und setzt ungeahnte Kräfte frei. Lucy entwickelt übermenschliche Fähigkeiten und fortan gleicht die Handlung des Films einem einzigartigen Drogentrip: ein Farbenrausch, eine Montage aus Bildern von Zeit und Raum, schnelle Schnitte, hektischer Sound etc. Besson und seine Protagonistin Scarlett Johansson fahren alles auf, was technisch machbar ist. Nur Morgan Freeman als besonnener Hirnforscher sorgt für einige ruhige Momente. Wem so etwas gefällt und dafür auf logische Abfolgen des Geschehens verzichtet, der ist hier bestens bedient.

Wertung: sollte man gesehen haben

Jimmy’s Hall

von Ken Loach – Irland 2014 – 109 Min.

Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Er spielt In Irland der 1930er Jahre. Im Mittelpunkt steht Jimmy, der in einer abgelegenen Gegend eine Gemeindehalle aufgebaut hat, die sich zum Mittelpunkt des Ortes entwickelte, was weder der Obrigkeit noch der Kirche in den Kram passte. Jimmy muss sich ins amerikanische Exil flüchten und kehrt zehn Jahre später wieder zurück. Auf Drängen seiner alten Freunde und Bekannten baut er erneut ein Zentrum auf. U.a. hat er Platten aus den Staaten mitgebracht und bringt den Leuten neue Musik und neue Tänze bei. Schon bald schreiten seine alten Feinde ein und machen ihm das Leben schwer. Dabei scheuen sie auch vor Gewaltakten nicht zurück. Und Jimmy muss erneut das Land verlassen. Loach entwirft ein beklemmend dichtes Porträt eines Ortes, der stellvertretend für viele vergleichbare Vorkommnisse in Irland seht. Vergleichbar mit den Filmen von John Ford entwickelt sich Loach zu einem Chronisten der Geschichte seines Landes.

Wertung: sollte man gesehen haben

Night Moves

von Kelly Reichardt – USA 2013 – 112 Min.

Die Umweltaktivisten Josh, Dena und Harmon wollen einen Staudamm in die Luft sprengen, um die Öffentlichkeit zum Umdenken zu bewegen. Sie erhoffen sich durch ihre Aktion eine Signalwirkung, die auf die Fragwürdigkeit solcher Bauten hinweist. Bei der Vorbereitung des Unternehmens zeigt sich, dass ihre Charaktere sehr unterschiedlich sind und sie sich keineswegs als Team oder sogar als Freunde verstehen. Die eigentliche Sprengwirkung liegt in dem Beziehungsgeflecht, denn die Folgen ihrer Aktion verlaufen anders als geplant. Die Regisseurin verzichtet auf vordergründige Spannungselemente. Detailliert zeichnet sie die akribischen Vorbereitungen auf und legt dabei ebensoviel Wert auf die damit verbundenen Veränderungen, die sie bei den Protagonisten hervorruft. „Night Moves“ ist ein intelligenter Psychothriller mit der Qualität der Geschichten von Patricia Highsmith.

Wertung: kann man sich ansehen

Planet der Affen – Revolution

von Matt Reeves – USA 2014 – 127 Min.

Affen sind auch nur Menschen. Und sie reagieren nervös, wenn jemand ungebeten in ihr Revier eindringt und die Ruhe stört. Die Ausgangssituation ist, dass ein Virus den größten Teil der Menschheit ausgerottet hat und die wenigen Überlebenden in städtischen Ruinen leben. Um ihre Stromversorgung wieder herzustellen, müssen sie in die Enklave der Affen eindringen. Der intelligente und verständnisvolle Anführer ist an einem friedlichen Miteinander gelegen, andere sind dagegen. Die Fronen verlaufen quer durch die Affen- und Menschenkolonien. Die Konflikte sind vorprogrammiert und schon bald kommt es zu einem Kampf, der die Vorherrschaft über die Erde endgültig entscheiden soll.

Eine solche Story ist nicht gerade besonders originell – in 3D verpackt sorgt sie immerhin für ein visuell auf- und anregendes Spektakel. Die Fans des Genres (Planet of the Apes) werden auch hier ihrer Bezugsgruppe treu bleiben. Grandios die Performance von Andy Serkis als Affenoberhaupt Caesar!

Wertung: kann man sich ansehen

Die innere Zone

von Fosco Dubini – Schweiz/Deutschland 2013 – 89 Min.

Im Jahre 2023 erhält eine Psychologin den Auftrag, eine Tunnelbaustelle aufzusuchen, aus der ein unbekanntes Luftgemisch austritt, das bereits das Binnenklima des evakuierten Tales verändert hat. Sie soll die drei noch vor Ort verbliebenen Ingenieure kontaktieren, die Symptome von Verwirrung und Paranoia zeigen.

Der Film hat ein reales Ereignis am 21. Januar 1969 zum Ausgangspunkt. An diesem Tag ereignete sich in einem atomaren Testreaktor tief in einem Tunnel in den Schweizer Alpen ein Unfall, der bis heute geheim gehalten wurde. Die Drehbuchautoren bastelten sich daraus eine SF-Story. Da es sich um einen Schweizer Film handelt braucht es eine lange Zeit, bis die Spannung beim Zuschauer angekommen ist.

Wertung: sollte man gesehen haben

Violette

von Martin Provost – F 2013 – 139 Min.

Ein Film über Violette Leduc (1907 – 1972), die heute als „Pionierin der Frauenliteratur“ gilt.

Violette Leduc war bisexuell und ging bei ihren Affären aufs Ganze. Sie nahm beim Schreiben kein Blatt vor den Mund, erfand ihre eigene Sprache für weibliche Sexualität und verschwieg nichts in ihren autobiografischen Werken. Im Mittelpunkt der Handlung stehen dabei die 1940- bis 1960er-Jahre und ihr Kampf um einen Platz im Leben und um Anerkennung als Schriftstellerin. Entscheidend dabei war ihre Freundschaft mit Simone de Beauvoir, die ihre Karriere förderte.

Martin Provost erzählt ihre Geschichte übergangslos von einer Zeit in die andere, von einer Szene zur nächsten. Es ist sinnvoll, sich die

(Zeit-)Geschichte Frankreichs vor Augen zu halten, da es ihm Regisseur mehr um die inneren Konflikte als um die äußeren Umstände geht. Aber man sollte schon sein Wissen über die Szene um Sartre, de Beauvoir, Camus, Genet und die anderen vor dem Besuch des Films auffrischen. Vielleicht ist es aber auch mehr ein Film fürs Fernsehen, da wohl aus Kostengründen bei der Ausstattung auf authentisches, zeitgenössisches Paris-Ambiente verzichtet wurde und die bekannten Straßen und Plätze merkwürdig menschenleer sind.

(05.06.2014

Wertung: kann man sich ansehen

Maman und ich

von Guillaume Gallienne – F 2013 – 85 Min.

Alles dreht sich um den Mann, der diesen Film drehte: Guillaume Gallienne! Es ist die filmische Umsetzung seines autobiographisch inspirierten Bühnenerfolgs und es geht um die Geschichte eines Mannes, der als „homosexuell“ erzogen wurde und erst mit Dreißig merkt, dass er anders ist als die anderen Schwulen. Der Film ist eine für den filmischen Raum ausgedehnte Theater-Spielfläche, die der Macher und Hauptdarsteller (auch in seinen Doppelrollen) unterhaltsam füllt. Aber er ist gewöhnungsbedürftig. Wer ihn und sein aufgesetztes Spiel nicht mag, der wird ihm auch nicht folgen. In Frankreich allerdings hat „Maman und ich“ eine beachtliche Resonanz und Auszeichnungs-Erfolge erzielt.

Wertung: kann man sich ansehen

Angélique

von Ariel Zeitoun – F 2013 – 113 Min.

Die Bestseller von Anne Golon in Neuauflage. In den 1960er-Jahren als „pseudo-historisches Bilderbuch“ mit „fast stupide wirkendem Ernst“ (publikumswirksam) verfilmt, ist es diesmal eine „werkgetreue und zeitgemäße Verfilmung“. Ein Star-Ensemble inmitten bekannter Postkartenbilder. Auch dieser Film wird seine Produktionskosten einspielen. In Deutschland wurden die Romane über 150 Millionen Mal verkauft. Und Millionen von Lesern und Kinogängern können sich nicht irren. Dieser Film mit dem Untertitel „Eine grosse Liebe in Gefahr“ ist – so das Ende – auf Fortsetzung angelegt.

Wertung: sollte man gesehen haben

Paris um jeden Preis

von Reem Kherici – Frankreich 2013 – 93 Min.

Die aus Marokko stammende Maya lebt seit 20 Jahren in Paris und hat die Chance, in der von ihr vergötterten Haute-Couture-Welt als Designerin Karriere zu machen. In der entscheidenden Phase gerät ihr Leben aus den Fugen, weil ihre Aufenthaltserlaubnis abgelaufen ist und sie nach Marokko ausgewiesen wird. Dort muss sie sich mit ihrer Familie arrangieren. Aber sie will auf jeden Fall so schnell wie möglich nach Paris zurück...

Eine charmante, liebevoll ironische Komödie nach einem Drehbuch der Schauspielerin Reem Kherice, die hier auch zum ersten Mal Regie führt. Obwohl einige Gags ins Leere laufen und den Rhythmus der Geschichte aufhalten, ist der Film in erster Linie sehenswert für diejenigen, die sich über die Modeszene amüsieren können. „Paris um jeden Preis???“

Wertung: kann man sich ansehen

Stereo

von Maximilian Erlenwein – D 2014 – 95 Min.

Jürgen Vogel spielt einen Typ, der er sich auf dem Lande in einer Motorradwerkstatt eingerichtet hat und es genießt, seine freie Zeit mit seiner Freundin (Petra-Schmidt-Schaller) und deren Tochter zu verbringen. Doch dann taucht ein Fremder (Moritz Bleibtreu) auf, der in sein Leben eindringt, das daraufhin völlig aus den Fugen gerät. Es entwickelt sich ein Zweikampf, bei dem es eigentlich nur einen Überlebenden geben darf. Doch die Geschichte entwickelt sich anders als voraussehbar.

Zwei deutsche Stars in Höchstform als Gegenspieler. Das hat schon was. Und der Regisseur beweist, dass er einen Psychothriller inszenieren kann, der sich SEHEN lassen kann. Ein perfekter Genrefilm, hochkarätig besetzt und mit Ngo The Chau als Bildgestalter, der bereits mit einem Deutschen Kameramann ausgezeichnet wurde. Einziger Nachteil: Die Story stimmt hinten und vorne nicht, Klischees werden nicht gebrochen, sondern verstärkt. Schade.

Wertung: sollte man gesehen haben

Good Vibration

von Lisa Barros D’Sa und Glenn Leyburn – GB/Irl. 2012 – 102 Min.

Der Film erzählt die wahre Geschichte von Terri Hopoley, der Bomben mit Musik bekämpfte. Es bedarf schon sehr viel Mut und Selbstvertrauen, in den 1970er Jahren in Belfast mitten auf einer umkämpften Straßenmeile eine Plattenladen aufzumachen. Mit nicht viel mehr in der Hand als ein paar Scheiben aus der eigenen Sammlung. Es war schwer, aber die Zeit war günstig für „Good Vibration“, denn die aufkommende Underground-Szene mit Punks, Nerds, Rebellen und Teenies war fortan der Treffpunkt und ein Ort des Widerstands. Terri Hooley wird zum geliebten und gehassten Labelgründer und Konzertveranstalter und bringt einige Bands groß heraus. Wichtiger als die finanzielle Sicherheit sind ihm die ideelle Freiheit und die Gestaltungsmöglichkeit für musikalische Exzesse. Der Film ist ein liebevolles Plädoyer für die Kraft der Musik und den geistigen Widerstand – euphorisierend wie ein Partyrausch und ernüchternd wie der Morgen danach. Eine Zeitreise in eine musikalische Bewegung, die inmitten politischer Unruhen unbequem blühte.

Wertung: hervorragend

Zulu

von Jéromé Salle – F/Südafrika – 100 Min.

Ein Film, der nicht einfach zu bewerten ist. Der wie immer souveräne Forest Whitacker spielt den Chef der Mordkommission in Kapstadt. Er ist ein psychisches und physisches Opfer des Apartheid-Regimes, der auf Verwöhnung und nicht auf Vergeltung setzt. Er und sein Kollege (Orlando Bloom) müssen sich mit der Aufklärung mehrerer Verbrechen befassen, von denen vor allem Kinder und Heranwachsende in den Townships betroffen sind. Sie stoßen dabei auf kriminelle Machenschaften, die bis in die Zeiten des Apartheid-Regimes zurückreichen. Zunächst sieht es aus, als seien sie das Opfer einer neuen Designerdroge, doch dahinter steht ein rassistischer Plan von ultrabrutalen Rädelsführern aus der finsteren Vergangenheit. Es geht um Produkte des „Project Coast“, das rücksichtslos gegen Schwarze eingesetzt wurde. Das Ziel ist, die Männer zu sterilisieren oder zu töten. Je mehr die Cops in das Netzwerk vordringen, desto gefährlicher werden die Konsequenzen für sie selbst, ihre Kollegen und ihre Angehörigen. Und nun ist nicht mehr Versöhnung, sondern RACHE angesagt. Zwei hervorragende Darsteller in einem dichten Plot zwischen Action-Thriller und Polit-Thriller. Und der Regisseur beweist, dass er dieses Genre beherrscht und für Story und Protagonisten das passende Tempo und die richtigen Bilder gefunden hat.

Wertung: sollte man gesehen haben

Die Schöne und das Bist

von Christophe Gans – F/D 2013 – 112 Min.

Alte Märchen müssen immer wieder mal neu erzählt werden. Warum auch nicht? Hier ist es sinnvoll, weil neue (Kino-)Techniken auch neue Bilder erlauben und für die Handlung ein faszinierendes Ambiente schaffen. Hinzu kommt dann die hervorragende Besetzung mit den französischen Kinostars Léa Seydoux, Vincent Cassel und André Dussollier. In einer Nebenrolle dann auch noch Yvonne Catterfeld. Ein Film für’s Kino! Auch wenn Story und Happy End bekannt sind.

Wertung: hervorragend

Nächster Halt Fruitvale Station

von Ryan Coogler – USA 2013 – 90 Min.

Der Film erzählt die authentische Geschichte des 22-jährigen schwarzen Oscar Grant, der in der Silversternacht des 31. Dezember 2008/09 in der U-Bahn-Station Fruitvale von einem weißen Polizisten erschossen wurde. Der Fall von rassistisch motivierter Polizeigewalt hat die USA erschüttert und wirkt bis heute nach.

„Nächster Halt Fruitvale Station“ zeigt die Rückseite der Schlagzeilen. Er zeigt die drei Leben eines Zweiundzwanzigjährigen, der versucht, seinen Platz im Leben zu finden und für seine Familie da zu sein. Es ist zunächst die Alltagsrealität zwischen Arbeitslosigkeit, Kleinkriminalität und Familienleben. Dann sind es die guten Vorsätze für das neue Jahr. Und letztendlich ist es auch das Leben, das ihm durch die sinnlose Aktion eines Polizisten verwehrt wird.

Der emotional ergreifende, subtil und bewegende Film ist dicht dran am Geschehen und an den Protagonisten. Näher geht es nicht. Ermöglicht und produziert wurde er von Forest Whitaker. Es ist das Regiedebüt von Ryan Coogler, der auch das Drehbuch schrieb: ein Name, den man sich merken muss. Nicht zuletzt deswegen, weil der Film beim Festival in Sundance mit dem Großen Preis der Jury und dem begehrten Publikumspreis ausgezeichnet wurde.

Wertung: sollte man gesehen haben

Der letzte Mentsch

von Pierre-Henry Salfati – F/CH/D 2013 – 93 Min,

Als alter Mann wird Marcus Schwartz von seiner jahrzehntelang verdrängten Vergangenheit eingeholt. Mit der jungen Deutschtürkin Gül macht er sich auf die Reise nach Ungarn, um nach Beweisen für seine jüdische Identität zu suchen.

Ein tragikomisches Roadmovie mit einer Paraderolle für Mario Adorf. Als ihm ebenbürtig erweist sich Katharina Derr, die als rumänisches Straßenkind in „Beautiful Bitch“ (2007) erstmals überzeugte. Der WDR und das SFR sind an der Produktion beteiligt – und dort gehört der Film auch hin.

Wertung: kann man sich ansehen

The Invisible Woman

von Ralph Fiennes – GB 2013 – 110 Min.

Postkarten-Bilder über die (skandalöse?) Affäre zwischen Charles Dickens und der Schauspielerin Nelly Ternan. Der Regisseur spielt auch den berühmten Autor. Der Film so ist erhaben getragen, dass demgegenüber die voluminösen Romane von Dickens wie Thriller wirken.

Wertung: sollte man gesehen haben

Sabotage

von David Ayer – USA 2014 – 109 Min.

Wir haben ihn lange vermisst, nun ist er zurück. In diesem Film ist Arnold Schwarzenegger Anführer einer Elite-Einsatztruppe der Anti-Drogen-Behörde DEA, die den gefährlichen Kartellen der Welt den Kampf angesagt hat. Alle Mittel sind erlaubt. Erst schießen, dann fragen! Spannend wird es nur, weil sich das Team nach und nach reduziert und die Loyalität eines jeden unter Verdacht steht. Aber Arnold Schwarzenegger ist allen Freunden und Feinden steht eine Zigarrenlänge voraus...

Ein Film, der sich auf bewährte Muster verlässt und deshalb nicht enttäuscht. Regisseur und Autor David Ayer ist ein ausgesprochener Spezialist für dieses Genre und sein Star ist wieder einmal einen Kinobesuch wert. Erst hingegen, dann fragen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Noah

von Darren Aronofsky – USA 2014 – 138 Min.

Eine eigenwillige Interpretation der Schöpfungsgeschichte und der alttestamentarischen Figur des Erbauers der Arche. Der Regisseur von „Pi“ greift auch hier tief in die Kiste der Computereffekte. Als Bibelverfilmung umstritten und in islamischen Ländern verboten. Immerhin ein Actionfilm mit Staraufgebot. Das Untergangs-Szenario ist hier mehr auf die Gegenwart als auf die Vergangenheit zugeschnitten. Und sollte es einmal ernst werden und niemand da ist, der „nur noch kurz die Welt rettet“, so ist diese bei dem Kraftpaket Russel + Crowe in besten Händen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Molière auf dem Fahrrad

von Philippe Le Guay – F 2013 – 104 Min.

Ein einst gefeierter Schauspielstar, der zurückgezogen in einem maroden Haus auf der Ile de Ré lebt, bekommt Besuch von einem alten Weggefährten, der aus seiner Karriere als beliebter TV-Arzt ausbrechen möchte. Er will seinen Freund dazu überreden, bei seiner Bühnen-Produktion von Molières „Menschenfeind“ mitzuwirken. Bei den Proben – im Haus, im Garten, auf dem Fahrrad etc. – vermischt sich alsbald das wahre Leben mit dem des Theaters. Und als noch eine attraktive Italienerin die Balance stört, wird die Freundschaft durch Eitelkeiten, Liebe und Verrat auf eine harte Probe gestellt. Zwei angesehene Schauspieler, Fabrice Luchini und Lambert Wilson – liefern sich pointierte Wortgefechte auf hohem Niveau und machen diesen Film zu einem Leckerbissen für die Freunde des französischen Films. Leider muss man die französische Sprache perfekt beherrschen, um ihn uneingeschränkt genießen zu können. Bei dem Duell zwischen den Texte Molières und der Alltagssprache kommt es auf Nuancen an. Synchronisieren kann man den Film nicht, und die Untertitel wirken irritierend bis lächerlich.

Wertung: hervorragend

Auge um Auge

von Scott Cooper – USA 2013 – 116 Min.

Der Irak-Heimkehrer Rodney Baze ist es leid, wie sein älterer Bruder Russell für den Lebensunterhalt im Stahlwerk zu schuften. Lieber kämpft er bei illegalen und risikoreichen Street-Fights. Dabei gerät er in Kreise, die er besser gemieden hätte. Als er sich mit einem brutalen und skrupellosen Bandenchef anlegt, hat das schlimme Folgen für alle Beteiligten. „Auge um Auge“ ist ein Film, der eine Story erzählt, die nicht geradlinig verläuft, sondern ihre eigenen, mitunter unvorhersehbaren Wege geht. Ein hervorragendes Buch, das von einem hochkarätigen Ensemble (Christian Bale und Casey Afffleck als ungleiche Brüder, Woody Harrelson als Bandenchef, Willem Dafoe als Gangster und Dealer, Forest Whitacker als Sheriff und Sam Shepard in einer Nebenrolle) atmosphärisch stimmig umgesetzt wird. Als einzige Frau hat Zoe Saldana zuwenig Szenen und somit auch wenig Chancen, um da mithalten zu können. Zu den Produzenten zählen u.a. Leonardo DiCaprio und Ridley Scott – insgesamt also alles Namen, die Qualität versprechen – und halten! Auch das Ambiente – ein heruntergewirtschaftetes, von der Stilllegung bedrohtes Stahlwerk als Lebensmittelpunkt der Protagonisten – stimmt.

Wertung: hervorragend

Snowpiercer

von Bong Joon-ho – Südkorea/USA/Frankreich 2013 – 126 Min.

Die Erde in naher Zukunft. Ewiges Eis und Schnee bedecken den einst so grünen Planeten. Kein Leben rührt sich. Nur ein Zug, der einsam durch die verlassene Schneelandschaft fährt, bietet den Überlebenden Menschen noch Schutz vor der tödlichen Kälte. Hier haben sie ihre letzte Zuflucht gefunden. Doch die Masse der verbliebenen Menschheit fristet im hinteren Teil des Zuges ein Leben in ewiger Dunkelheit, während vorne die wenigen reichen Passagiere im Luxus schwelgen. Aber die Zeichen stehen auf Veränderung. Eine Revolution bahnt sich an. John Hurt (der geistige Anführer der Revolution) und Ed Harris (der Herrscher über Zug und Personal) als Gegenspieler, die sich ein spannendes Duell mit einem überraschenden, nichtvorhersehbaren Ausgang liefern. Und dazwischen Tilda Swinton als fiese Agentin. Ein anspruchsvolles, bildgewaltiges und in jeder Hinsicht überzeugendes futuristisches Epos, das auf der gleichnamigen Graphic Novel beruht. Science-Fiction-Kino auf allerhöchstem Niveau: spannend, mitreißend und visuelle überwältigend.

Wertung: sollte man gesehen haben

Die Moskauer Prozesse

von Milo Rau – D 2013 – 86 Min.

Der Film zeichnet mit den Mitteln des politischen Theaters die Geschichte einer staatlich und kirchlich betriebenen Kampagne gegen unbequeme Künstler nach. Im Sacharow-Zentrum in Moskau, wo die im Jahr 2003 zerstörte Ausstellung „Vorsicht, Religion“ stattfand, wurde ein Gerichtssaal aufgebaut. Im einen inszenierten Schauprozess mit den wichtigsten Exponenten des russischen Kulturkampfes tritt die Kunst gegen die Religion an, das dissidente gegen das wahre Russland. Im Stil eines Gerichtsdramas und unter Mitwirkung von authentischen Akteuren entsteht ein verstörendes und widersprüchliches Bild vom heutigen Russland. Die Bilder des realen Schauprozesses gegen „Pussy Riot“ gingen weltweit durch alle Medien. In diesem Film wird erstmals auch an die Vorgeschichte dieser Aktion erinnert, deren Motive und Ergebnisse sind so bekannt sind. Dazu wäre mehr Original-Material und Zusatzinformationen wünschenswert, aber angesichts der Herausforderung, einen dreitägigen Prozessverlauf auf 90 Minuten zu konzentrieren, ist dieser Mangel marginal. Eine DVD könnte mit entsprechendem Bonus-Material sinnvolle Ergänzungen liefern.

Wertung: sollte man gesehen haben

Her

von Spike Jonze – USA 2013 – 125 Min.

In naher Zukunft in Los Angeles. Ein Single, dessen langjährige Beziehung scheiterte, durchlebt ziel- und orientierungslos einen Alltag, der rund um die Uhr von Mails, Screens und Games gesteuert und gestaltet wird. Die Abhängigkeit von System führt ihn in eine Situation, in der er sich in die weibliche Stimme und künstliche Intelligenz eines neuen Computerbetriebssystems verliebt. Die körperlose Frau mit der sexy Stimme nennt sich Samantha (in der OF von Scarlett Johansson gesprochen) und ist von nun an der Mittelpunkt seines Lebens. Samantha erwidert seine Liebe ... und damit sind die Konflikte vorprogrammiert.

Eine romantische, ausweglose Lovestory – und gleichzeitig eine Denksportaufgabe, die uns zwingt, unsere von Smartphones und Tablets programmierte Mitmenschen genauer und vorurteilsfreier wahrzunehmen. Es geht dabei um weitaus mehr als nur um die skeptische Bewertung der Risiken der Intimität in der modernen Welt. Die darstellerische Leistung von Joaquin Phoenix ist emotional so intensiv, dicht und nah, dass seine Gefühlsskala – mit eigentlich wenig leinwandtauglichen Bildern für das Kino – auf die Zuschauer beinahe wie ein 3D-Film wirkt.

Wertung: kann man sich ansehen

Lone Survivor

von Peter Berg – USA 2013 – 121 Min.

Afghanistan 2004. Vier Soldaten der US-Spezialeinheit Navy SEALs müssen sich gegen eine Übermacht von Tabiban-Kämpfern behaupten. Um Taliban zu töten braucht es keine besondere Legitimation. Verdächtiges Aussehen genügt, aolle Mittel sind recht. Früher waren es mal die Indianer, dann die Kommunisten, dann die Vietnamesen, dann die Iraker, dann die Drogenbarone etc... Der Besucher ist immer auf der richtigen Seite und feiert die echten Helden – hier in einem Film, der das Prinzip „Wir holen Euch da raus!“ mit den Mittel des Action-Thrillers variiert.

Wertung: sollte man gesehen haben

Pettersson und Findus

von Ali Samadi Ahadi – D/Österreich 2014 – 80 Min.

Die bereits als Animationsfilm adaptierten Bestseller des schwedischen Autors Sven Nordquist hier als Realfilm mit Animationselementen. Aus der Vielzahl der Geschichten werden vier ausgesucht und so miteinander verbunden, dass sich daraus eine Spielfilmhandlung ableiten lässt. Im Mittelpunkt die von der Oscar- und Emma-prämierten VFX-FIRMA PIXOMONDO („HUGO CABRET“) kreierte Figur des kleinen Katers, dem Roxana Samadi, die Tochter des Regisseurs, eine charmante und liebenswerte Stimme verleiht. Dagegen haben Schauspieler wie Ulrich Noethen und Marianne Sägebrecht so gut wie keine Chance.

Wertung: hervorragend

Grand Budapest Hotel

von Wes Anderson – USA 2014 – 100 Min.

Der Eröffnungsfilm der Berlinale – nach Ansicht einiger Kritiker der beste seit Jahren. Stimmt. Wes Andersen erzählt in seinem unverwechselbaren Stil die Lebensgeschichte des legendären Concierge eines berühmten osteuropäischen Hotels und seinem Hotelpagen und Protegé. Zur Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, als Europa sich im dramatischen Umbruch befindet, schweißen die Turbulenzen und Abenteuer um den Diebstahl eines wertvollen Renaissance-Gemäldes und der Streit um ein großes Familienvermögen die beiden unweigerlich zusammen. Wie bei den Puppen in der Puppe hält hier jede Geschichte noch eine neue bereit. Glänzend erzählt und ideenreich umgesetzt. Und dazu noch ein Starensemble ungeahnten Formats. Man hat den Eindruck, die Hollywood-Größen haben gemeinsam einen Europa-Trip unternommen und sich dabei glänzend amüsiert.

Wertung: sollte man gesehen haben

Saving Mr. Banks

von John Lee Hancock – USA 2013 – 125 Min.

Ein Film über die (noch) großen Zeiten Hollywoods und des Disney-Studios. Anfang der 1960er Jahre. Walt Disney (Tom Hanks) bemühte sich lange Zeit vergeblich um die Rechte an „Mary Poppins“, doch die australisch-britische Autorin P. L. Travers (Emma Thompson) sträubte sich hartnäckig. Als die finanziellen Mittel ihres Bestsellers langsam zur Neige gehen, willigt die Schriftstellerin ein, Walt Disneys Einladung nach Los Angeles anzunehmen. Und hier treffen zwei Welten aufeinander und es dauert lange, bis die Autorin den Vertrag unterzeichnet.

Der Film ist eine Hommage an Disney und Travers. Mit totaler Charme-Offensive gelingt des dem Erfolgsproduzenten, die sperrige und zickige Britin für sich und das Filmprojekt einzunehmen. Und da es sich hier um eine Produktion der Walt Disney Company handelt, wird dem großen Meister devot alle Ehre und Respekt erwiesen. Im Mittelpunkt des Films steht jedoch Emma Thompson, der die Wandlung der spröden Britin zu einem Mitglied der Disney-Familie emotional überzeugend gelingt. Sehr schön anzuschauen ist auch die Zeitreise zurück ins Innere der Traumfabrik.

Wertung: sollte man gesehen haben

Pompeii

von Paul W.S. Anderson – D/Canada 2013 – 104 Min.

79 n. Chr. in Pompeii. Ein Sklave kämpft in Pompeii gegen andere Gladiatoren und um die Gunst einer jungen Frau aus den Kreisen der Wohlhabenden. Leider hat auch ein skrupelloser Senator aus Rom Interesse an der schönen Bürgertochter. Und damit sind die Konflikte so vorprogrammiert, dass nur eine Naturkatastrophe die Actionszenen übertreffen kann.

Schlachten, Gladiatorenkämpfe, ein ausbrechender Vulkan und eine untergehende Stadt – für solche Stoffe wurde das 3 D-Kino erfunden. Zurück in die Zukunft!

Wertung: sollte man gesehen haben

Jack Ryan: Shadow Recruit

von Kenneth Branagh – USA 2013 – 105 Min.

Die Russen sind auch nicht mehr das, was sie früher mal waren. Aber groß verändert haben sie sich auch nicht. Wollten sie vor x-Jahren den Westen mittels atomarer Bedrohung in die Knie zwingen und den Kapitalismus durch den Kommunismus ablösen, so geht es jetzt darum, dass russische Oligarchen die wichtigsten Finanzplätze in den USA und dann überall auf der Welt lahmlegen wollen. Da die CIA das nicht billigen kann, schickt sie ihren Superagenten Jack Ryan nach Moskau, um die Quelle der Bedrohung unschädlich zu machen. Das alte Schema „Westen: gut, Osten: böse!“ gilt nach wie vor, auch wenn sich der Regisseur Kenneth Branagh die Rolle des Bösewichtes selbst auf den Leib geschrieben hat. Er fordert sich hier aber kein differenziertes (Schau-)Spiel ab, sondern begnügt sich mit der handwerklichen Bedienung der Klaviatur des konfektionierten Spionage-Thrillers.

Wertung: hervorragend

Charlie Mariano – Last Visits

von Axel Engstfeld – D 2013 – 99 Min.

Er war einer der Großen des Jazz: der Saxophonist Charlie Mariano. In Boston als Kind italienischer Einwanderer geboren, spielte er noch mit Charlie Parker und Dizzy Gillespie zusammen. In den 1970er-Jahren kommt er nach Europa. Im Gegensatz zu Amerika kann er in Deutschland seinen Lebensunterhalt als Jazzmusiker verdienen. Er hat den europäischen Jazz beeinflusst und Generationen von Musikern inspiriert.

Im Juni 2009 starb er im Alter von 85 Jahren. Die letzten 20 Jahre seines Lebens lebte er in Köln. Der Film von Axel Engstfeld begleitet ihn in seinem letzten Jahr zu seinen Konzerten, wobei neben dem Kölner Stadtgarten sein letztes großes Konzert im Theaterhaus Stuttgart zu seinem 85. Geburtstag im Mittelpunkt steht. Engstfeld gehört zu den renommierten Dokumentarfilmern der internationalen Szene. Für diesen Film hat er die richtige Mischung aus Musik (Schwerpunkt) und Statements seiner Musiker (u.a. Mike Herting und Matthias Schriefl) gefunden. Wohltuend ist, dass er sich dabei nur auf wenige Personen konzentriert, was sich als aufschlussreicher erweist als eine Vielzahl von Interviewten mit knappen Sätzen.

„Charlie Mariano – Last Visit“ ist eine Hommage an einen Weltmusiker; der Film zeigt ihn so, wie er bei seinen Freunden und Fans in Erinnerung ist. Eine schwere Krankheit hat ihn in den letzten Jahren zu schaffen gemacht, dennoch bleibt er durch und durch positiv, nimmt seine Kraft zusammen, um immer wieder Konzerte zu geben. Etliche, von seinen Freunden und Kollegen organisierte Benefitz-Konzerte trugen mit dazu bei, seinen Lebensunterhalt in dieser schwierigen Zeit zu sichern. Das war der selbstverständliche und wohlverdiente Dank dafür, dass Mariano sich zeitlebens auch für andere Musiker aufgeschlossen und hilfsbereit war. In diesem Sinne ist „Charlie Mariano“ ein emotional ergreifender Film über Anerkennung und Respekt, Freundschaft und Solidarität.

Wertung: sollte man gesehen haben

American Hustle

von David O. Russell – USA 2013 138 Min.

Ende der 1970er Jahre in New York. Der Besitzer mehrerer Waschsalons verdient sein Geld hauptsächlich mit dubiosen Geldgeschäften. Unterstützt von seiner Geschäftspartnerin und Lebensgefährtin bringt er es zu Ansehen und gesellschaftlicher Anerkennung. Als ein FBI-Agent ihnen auf die Schliche kommt, läst sich das Gaunerpaar auf einen riskanten Deal ein: sie sollen als Lockvögel auf die Politprominenz New Jerseys dienen und dabei helfen, Korruption und Mafiaverbindungen aufzudecken....

Die Handlung ist geschickt montiert nach dem Motto „Wer trickst wen aus?“ und „Wer hat am Ende noch ein As im Ärmel?“ Das irrwitzige, chaotisch endende FBI-Verwirrspiel beruht auf einem wahren Fall. In dem hochkarätig besetztem Ensemble fällt vor allem Jennifer Lawrence auf, die als „naives Blondchen“ doch „nicht so dumm ist, wie sie aussieht.“

Wertung: sollte man gesehen haben

Robocop

von José Padilha – USA 2013 – 120 Min.

Im Jahr 2018 soll der engagierte Polizist Alex Murphy die steigende Kriminalität und Korruption in Detroit mit allen verfügbaren Mitteln bekämpfen. Gleichzeitig produziert ein multinationaler Konzern für Robotertechnologie Drohnen, die weltweit vermarktet werden. Als Murphy im Dienst schwer verletzt wird, ist das für die Firma eine willkommene Gelegenheit, die umstrittene Technologie zu erproben und einzusetzen. Der Plan ist, den perfekten Polizisten zu schaffen, der halb Mensch und halb Roboter ist. Doch der Konzern hat nicht damit gerechnet, dass das neue Produkt in Teilen aus einem menschlichen Wesen besteht, das sich nicht vollständig kontrollieren lässt.

Die Rebocop-Story ist nicht neu. Hier wird noch einmal alles an Specialeffects aufgeboten, was der Markt aktuell anbietet. Hinzu kommen aber als eine neue Dimension die heftigen Auseinandersetzungen zwischen den machtbesessenen Firmenchefs und den Wissenschaftlern und Technikern. Erstaunlicherweise nimmt sich dieser typische Genrefilm sehr viel Zeit dafür, moralische und philosophische Aspekte anzusprechen. Michael Keaton, Gary Oldman und Samuel L. Jackson ist hier die überzeugenden Gesprächspartner und Gegenspieler.

Wertung: ärgerlich

... und Äktschn!

von Frederich Baker – D/A 2014 – 98 Min.

Gerhard Polt in der Rolle eines Amateurfilmers aus einem bayerischen Provinznest, der mit seinen sehr bescheidenen Mitteln einen Film über Hitlers Privatleben dreht und dabei auf die Hilfe von mehr oder weniger talentierter Laien angewiesen ist. Eigentlich eine zündende Idee, die sich allerdings recht bald verwässert und langweilt. Noch nicht einmal Gerhard Polt kann seinen eigenen Film (als Co-Autor beteiligt) retten. Schon jetzt der ärgerlichste Film des Jahres! Sinnvoller als ein Kinobesuch ist die amüsante und vergnügliche Lektüre von „Circus Maximus“: das gesammelte Werk von Gerhard Polt auf 800 Seiten.

Wertung: sollte man gesehen haben

47 Ronin

von Carl Rinsch – USA 2013 – 119 Min.

Die historisch verbürgte, legendäre Geschichte der entehrten „47 Ronin“ (= herrenlose Samurai) hat ihren Ursprung im frühen 18. Jahrhundert, als 47 ehrenhafte Samurai den frühen Tod ihres Herrn rächten. Ein verräterischer Lehnsherr hatte sie in die Verbannung getrieben und die Ronin/Samurai wollten ihre Ehre und die ihres Volkes wieder herstellen. Das ist der Ausgangspunkt von etlichen Filmen und TV-Bearbeitungen. Und nun eine Produktion als Summe aller opulent ausgestatteten Breitwand-Epen, in der monumentales Hollywood-Kino mit fernöstlicher Kampfästhetik kombiniert wird. Keanu Reeves und eine ausgewählte Besetzung japanischer Superstars garantieren die erforderliche Aufmerksamkeit für einen 3D-Film mit atemberaubenden Landschaften und gewaltigen Schlachten. Auch wenn man schon einige vergleichbare Samurai-Filme gesehen hat, wird hier die Neugier auf faszinierende visuelle Effekte voll befriedigt.

Wertung: hervorragend

Le Passé – Das Vergangene

von Asghar Farhadi – Fr/It 2013 – 130 Min.

Auf Bitten seiner französischen Noch-Ehefrau Marie kehrt Ahmad vier Jahre nach der Trennung der beiden aus Teheran zurück nach Paris, um die Scheidung abzuschließen. Ahmad spürt, dass die Beziehung zwischen Marie und ihren rebellischen Teenager-Tochter Lucie (aus Maries erster Ehe) äußerst angespannt ist. Die Situation ist zusätzlich belastet durch die Präsenz von Maries aktuellem Lover Samir, den Lucie nicht ausstehen kann. (Samirs Frau hat wegen der Affäre ihres Mannes mit Marie einen Selbstmordversuch unternommen und liegt als hoffnungsloser Fall im Koma.) Alle leben auf engstem Raum miteinander und geraten in einen Konflikt, den niemand wollte und den auch niemand mehr lösen kann.

Ein hervorragendes Buch, eine präzise Regie und außergewöhnlich starke Darsteller für alle Rollen: Haupt- und Nebenrollen, Erwachsene und Kinder. Ein meisterhaftes Lehrstück über unseren Umgang mit der Vergangenheit!

Wertung: kann man sich ansehen

Kill Your Darlings

von John Krokidas – USA 2013 – 104 Min.

Ein Film, der die aufkommende Freundschaft zwischen Allen Ginsberg, Lucien Carr, Jack Kerouac und William S. Burroughs (New Yorker Columbia-Universität Mitte der 1940er Jahre) zeigt. Ein interessantes Zeitporträt. Leider nicht besonders aufschlussreich, was die Protagonisten angeht. Wer die Werke von Ginsberg, Kerouac und Burroughs nicht kennt, wird aus diesem Film nicht viel mitnehmen.

Dies ist nun innerhalb kürzester Zeit schon der dritte Film zu diesem Thema. Denn 2012 kam Kerouacs „On the Road“ (USA 2012, Regie: Walter Salles) ins Kino. Und 2010 gab es schon den Film über Allen Ginsbergs „Howl“ (Regie: Rob Epstein und Jeffrey Friedman). „Kill your Darlings – Junge Wilde“ liegt also voll im Retro-Trend. Und dann gibt es ja auch noch das rororo Taschenbuch „Und die Nilpferde kochten in ihren Becken“ von Burroughs und Kerouac – ein Roman, der in den USA jahrzehntelang unveröffentlicht blieb. Bei uns ab September 2011 auf dem Markt.

Wertung: sollte man gesehen haben

The Wolf of Wall Street

von Martin Scorsese – USA 2013 – 179 Min.

Biopicture über den aufstrebenden, unerfahrenen Börsenmakler Jordan Belford, der im New York der frühen 1990er Jahren mit Anfang Zwanzig die Firma „Stratton Oakmont“ gründete, es schon bald zum Multimillionär brachte und zum Shootingstar der Wall Strett aufstieg.

Und dann sorgte er mit seiner Drogensucht, Geld- und Sexgier für den jähen Abstieg seiner „Wolfsbande“, begleitet von einer langjährigen Observierung von der Justiz. Doch Belford wäre nicht Belford, wenn er (sich) deswegen aufgeben würde.

Scorsese schöpft aus der Fülle seiner Inszenierungs-Visionen und hat mit Leonardo DiCaprio einen Star, der hier so spielt wie Orson Welles in „Citizen Kane“ und sich mit dieser Rolle lautstark und vehement für einen Oscar wirbt.

Wertung: sollte man gesehen haben

Zwei vom alten Schlag

von Peter Segal – USA 2013 – 90 Min.

In den 1980er Jahren lieferten sich Henry „Razor“ Sharp (Sylvester Stallone) und Billy „The Kid“ McDonnen (Robert De Niro) im Boxring zwei heiße Duelle. Doch ohne nähere Begründung erklärte Razor vor dem entscheidenden dritten Kampf seine Karriere für beendet, was auch das K.O. für McDonnens Laufbahn bedeutete. Dreißig Jahre später bekommt er eine zweite Chance. Ein Box-Promoter bietet ihnen die Gelegenheit, wieder in den Ring zu steigen und endgültig abzurechnen. Begleitet von einem riesigen Medien-Rummel treten sie noch einmal gegeneinander an...

Stallone und De Niro, die in ihren vorherigen Filmen immer gegen andere Gegner angetreten sind, treffen hier als alternde Boxrivalen erstmals aufeinander. Ein amüsantes, vergnügliches Spiel zweier Filmlegenden, die mit einer gehörigen Portion Selbstironie zu unterhalten wissen. Und zwischen diesen beiden dann auch noch Kim Basinger.

Die Kinobesucher sind gut beraten, nicht gleich nach den ersten Bildern des Abspanns den Saal zu verlassen! Es kommt noch eine kleine Szene, die es in sich hat.

Wertung: nicht zu empfehlen

All Is Lost

von J. C. Chandor – USA 2013 – 106 Min.

Ein Mann allein auf einer Segelyacht mitten auf dem Indischen Ozean. Über Nacht kollidiert das Schiff mit einem im offenen Meer treibenden Schiffscontainer. Ein Leck kann notdürftig abgedichtet werden, aber einige der wichtigen Navigationsgeräte sind unbrauchbar. Und nun geht es ums Überleben – lange(weilige) 106 Min. Interessant ist allerdings die Konzeption des Films, nur mit einem Darsteller und ohne weiteres Personal einen Kinofilm machen zu wollen. Die Kamera rückt den Protagonisten dafür immer wieder direkt auf die Pelle. Und da die Rolle von Robert Redfort gespielt wird, sieht man einen kampf- und lebenserfahrenen Helden bei seiner Arbeit zu. Und man ahnt schon in den ersten Minuten, wie’s am Ende ausgeht. Das ist zu wenig. Diesen Film kann man sich bequem im Kopf zurechtlegen und sich dabei an Redfords große Rollen erinnern.

Tom Hanks hatte in dem vergleichbaren Film „Cast Away“ (USA 2000) weitaus mehr Möglichkeiten, die Skala seines Könnens voll auszuspielen. Aber er hatte auch einen viel größeren Schauplatz und dazu einige Utensilien, mit denen er im wahrsten Sinne des Wortes ‚spielen’ durfte.