Diamond Island
von Davy Chou – Frankreich, Kambodscha, Deutschland, Katar, Thailand – 99 Min.
Eigentlich ein Jugendfilm wie so viele andere auch: Die Alltagsrealität in einer großen Stadt, Herumhängen in Cliquen, Jungs interessieren sich für Girls, Girls interessieren sich für Jungs. Abends wohin? Wer etwas Geld hat, kann sich auch was leisten. Wonach sich alle sehnen: Mit dem Roller unterwegs, die Schöne hinten drauf, sichtbar und genüsslich langsam durch die Strassen fahren. Sehen und gesehen werden. Und dazu der Traum von einem besseren Leben, von einem guten Job, von der eigenen Familie.
Was diesen Film jedoch von anderen unterscheidet ist sein Schauplatz: Diamond Island, eine Insel an der Küste von Phnom Penh, die früher Fischereifamilien und Bauern beheimatete und heute ein luxuriöses Neubauprojekt ist für die, die sich den kambodschanischen Traum von Wachstum und Modernität erfüllen wollen. Die Insel – eine permanente Baustelle – zieht die Massen an; vor allem die Jugend von Phnom Penh hat die Insel zu einem ihrer Lieblingstreffpunkt erklärt. Der 18-jährige Bora, der Protagonist des Films, hat sein Dort verlassen, um hier Arbeit zu finden und eine Existenz aufzubauen. Um ihn herum zeichnet der Regisseur das Mosaik eines Landes im Wandel und das einer Generation, die lernen muss, sich neu zu verorten in einer unberechenbaren, veränderten Umwelt. Der Film besticht durch die Leistungen seiner (Laien-)Darsteller und den Kamerafahrten und -perspektiven, die immer wieder neue Facetten eines außergewöhnlichen Ambientes bieten. Davy Chou: „Diamond Island“ ist ein Ort, der mehr als jeder andere die leidenschaftliche und grausame Beziehung der Jugend und dem Mythos der Moderne in Kambodscha verkörpert.“