PREISTRÄGER BERLINALE 2009
Als Berlinale-Dauerbesucher und einziges Jury-Mitglied des von mir berufenen Gremiums vergebe ich hiermit folgende Preise:
"Der goldene Bär" für den besten Spielfilm geht an
"Envoyes tres speciaux / Special Correspondents" von Frédéric Auburtin, F. 2008
Gérard Jugnot und Gérard Lanvin spielen zwei Mitarbeiter eines populären Radio-Senders, die aus einer individuellen Notlage heraus von Paris(!) aus "live" aus dem Kriegsgebiet Irak berichten. Um die Sache zu beenden, beschließen sie ihre eigene Entführung. Doch damit werden sie erst recht zu nationalen Helden und die Situation gerät außer Kontrolle...
Eine Komödie über Realität, Fiktion und Fälschung in unseren Massenmedien, die es in sich hat.
Der silberne Bär" für die bester Darstellerin geht an
Franziska Petri in dem Film "Schattenwelt" von Connie Walther, D. 2008.
Ein Film, der weitaus mehr aussagt als der hochgehandelte RAF-Film von Uli Edel und Bernd Eichinger. Franziska Petri, u.a. die herausragende Protagonistin in "Memory" von Matthias Luthardt (D 2008), spielt die Tochter eines Opfers der RAF, die die Nähe zu einem aus der Haft entlassenen Terroristen (Ulrich Noethen) sucht, um sich zu rächen. Drehbuch: Connie Walther und Peter-Jürgen Boock.
Der "silberne Bär" für den besten Darsteller geht an
Liam Neeson in dem Film "Five Minutes Of Heaven" von Oliver Hirschbiegel, Irl 2009).
Hier geht es um ein Attentat aus dem Jahre 1975. In einem "Versöhnungs-Programm" stehen sich 30 Jahre später der Täter (Liam Neeson) und der jüngere Bruder des Opfers (James Nesbitt) gegenüber - doch der will keine Aussöhnung, sondern Rache. Eine großartige Rolle für Neeson: Ein Mann, der als Jugendlicher einen Terror-Akt verantwortlich inszeniert hat und sich nun zu seiner Tat bekennen muss. EIne ebenso herausragende Leistung des deutschen (!) Regisseurs Oliver Hirschbiegel.
Der "Spezialpreis" der Jury geht an
John Hurt in "An Englishman in New York" von Richard Laxton, GB 2009
John Hurt spielt (wieder) den gay writer Quentin Crisp - so hautnah, beklemmend und faszinierend, dass man ihm stundenlang zusehen und zuhören könnte. Eine kongeniale Erweiterung des Films "The Naked Civil Servant" von Jack Gold aus dem Jahre 1975.
Das ist meine Auslese aus dem Berlinale-Programm 2009. Die (offiziellen) Wettbewerbs-Filme habe ich nicht gesehen.