Porträt Horst Schäfer
Wertung: sollte man gesehen haben

Das Milan Protokoll

von Peter Ott – D 2017 – 100 Min.

Die deutsche Ärztin Martina arbeitet für eine deutsche Hilfsorganisation in der kurdischen Region im Norden Iraks an der Grenze zum „Islamischen Staat“. Bei einer Grenzfahrt wird sie von einer mit dem IS verbundenen sunnitischen Gruppe gekidnappt, weil diese einen Waffentransport vermutet. Die Geiselnahme entwickelt sich zu einem packenden, verwirrenden Wechselspiel, in dem alle Akteure – IS, PKK, die sunnitischen Stämme und die deutschen und die türkischen Geheimdienste – ihre eigenen politischen Interessen verfolgen und versuchen irgendwie durchzusetzen. Unklar bleibt dabei die Rolle des BND und der deutschen Geheimdienstmitarbeiter – aber wen wunderts?

Der Handlungsverlauf ist unvorhersehbar und unübersichtlich – und entspricht somit den realen Bedingungen. Der Entführungsfall – hier konzentriert auf eine deutsche Ärztin, die von Catrin Striebeck emotional überzeigend und beklemmend dicht gespielt wird – ist nur eine von den vielen Nachrichten, die uns täglich erreichen. Und so gesehen ist es sinnvoll, sich einmal die Zeit für einen Kinobesuch zu nehmen. Nicht zuletzt ist dafür ein Grund die Kamera des großartigen Jürgen Jürges, der für seine distanzierte, semidokumentarische Darstellungstechnik mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde.