Sturm
von Hans-Christian Schmid - D/DEN/NL 2009 - 105 Min.
Justizthriller haben in Deutschland leider keine Tradition. Politisch engagierte und handwerklich perfekte Regisseure wie beispielsweise André Cayatte - eine ehemaliger Rechtsanwalt und Journalist - gibt es bei uns nicht, auch wenn sich einige deutsche Regisseure wie beispielsweise Ottokar Runze und Reinhard Hauff immer wieder mal in diesem Genre bewegt haben. Um so erfreulicher ist, das sich Hans-Christian Schmid gewagt hat, das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag in den Mittelpunkt seines Thrillers zu stellen. Seiner Hauptfigur, die Anklägerin Hannah Maynard, gelingt es, die in Berlin lebende Bosnierin Mira zu überzeugen, als Zeugin gegen einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher auszusagen. Im Spannungsfeld zwischen Wahrheitssuche, den Drohungen bosnisch-serbischer Nationalisten und den Interessen internationaler Politik beginnt Hannah zu begreifen, dass ihre Gegner nicht nur auf der Anklagebank, sondern auch in den eigenen Reihen zu finden sind. Für den Regisseur waren die Widersprüche einer Frau ausschlaggebend, für die die Pflichterfüllung innerhalb der Institutionen immer oberstes Gebot war und die nun durch ihre Unnachgiebigkeit zur Außenseiterin zu werden droht. Die mit dem Umstand konfrontiert wird, dass sich ein System gegen sie stellt, das sie immer überzeugt und mit Leidenschaft vertreten hat.
"Sturm" ist ein Film, der von allen Europäern mehrfach gesehen und analysiert werden muss, um die Tagesaktualitäten der politischen Realität besser zu verstehen, um eigene Handlungsanleitungen daraus zu ziehen. .