Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Once Upton A Time In Hollywood

von Quentin Tarantino USA 2019 – 160 Min.

Kinos sind Start- und Landeplätze für filmische Zeitreisen. Zeit und Ort in Tarantinos Film sind Hollywood 1969. Es geht um einen Tag im Leben des Westernhelden Rick Dalton und seinem Kumpel und Stuntdouble Cliff Booth. Die große Zeit des Western ist vorüber und in der Traumfabrik bastelt man an neuen Formaten und Karrieren.

Rick will nicht länger den Bösewicht vom Dienst spielen, der von aufstrebenden Jungstars regelmäßig vermöbelt wird, hat aber auch keinen Bock darauf, Spaghetti-Western zu drehen. Er besäuft sich lieber. Und bei Cliffs Bemühungen um eine neue Perspektive stehen ihm die rüden und ruppigen Zeiten aus seiner Vergangenheit im Wege.

Kinos sind auch die Orte, in denen zeitgeschichtliche Ereignisse umgeschrieben, gefälscht oder wie auch immer variiert werden. Tarantino beispielsweise hat in seinem Film „Inglourious Basterds“ die versammelte Nazi-Elite in einem Pariser Kino durch ein spektakuläres Attentat beseitigt. In diesem Film baut er als Parallelhandlung zur Geschichte der beiden Protagonisten die Ereignisse rund um das Geschehen der bestialischen Ermordung des Hollywood-Stars Sharon Tate durch die Manson-Familie ein. Und auch diesmal geht es anders aus als bekannt. Den Gesetzen der Logik sind ja im Drehbuch bekanntlich keine Grenzen gesetzt.

Eine mit vielen Stars des aktuellen Kinos besetzte Thriller-Groteske mit reichhaltigen, verwirrenden und überraschenden Rückkoppelungen, Rückblenden und Einschüben aus Vergangenheit und Gegenwart der Filmgeschichte. Eine souveräne. leidenschaftliche Hommage an die amerikanische Filmindustrie, die nur schwer zu überbieten ist. Eigentlich ein exemplarischer Fall für die Analyse am Schneidetisch. Aber dennoch ganz großes, rauschhaftes und leinwandsprengendes Kino!