Als Hitler das rosa Kaninchen stahl
von Caroline Link – BRD 2019 – 120 Min.
Aus der Perspektive der neunjährigen Anna Kemper wird die Fluchtgeschichte ihrer Familie erzählt. Diese mussten 1933 Nazi-Deutschland verlassen, zunächst in die Schweiz, dann nach Paris und letztendlich nach London. Immer wieder neu anzufangen, sich einzurichten, anzupassen und sich mit einem nicht immer freundlich gestimmten Umfeld zu arrangieren, bedeutet Herausforderungen anzunehmen und zu meistern.
Vorlage ist das erfolgreiche Jugendbuch der Autorin Judith Kerr, Tochter des berühmten Berliner Kritikers und Literaten Alfred Kerr. 1978 verfilmte es Ilse Hoffmann („Die Ilse ist weg“, 1975) bereits als Fernsehspiel für die ARD; es wurde von den Zuschauern und im Feuilleton mit großem Beifall aufgenommen; so beispielsweise von Hans C: Blumenberg in der ZEIT, der dem WDR zu diesem „eminent politischen Film“ gratulierte. Beide Filme halten sich eng an das Buch, wobei der erste Film auf dem Bildschirm dichter und geschlossener wirkt, da bei einem Kinofilm auch Erwartungen an entsprechende Bilder bestehen. Caroline Link löst dieses Versprechen nicht ein, nur hin und wieder kann die Kamera von Bella Halben die physische und psychische Enge der Flüchtenden überzeugend vermitteln.
Um den aktuellen Stellenwert des 1974 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichneten Werkes hervorzuheben, hätte es einer Neuverfilmung nicht bedurft. Erwähnenswert ist allerdings die schauspielerische Leistung der Protagonistin Riva Krymalowski, die als Identifikationsfigur auch für Erwachsene mit ihrer nuancenreichen Darstellung ihre persönliche Emigrationsgeschichte glaubwürdig und eindrucksvoll vermittelt.