Bis dann mein Sohn
von Wang Xiaoshuai –VR China 2019 – 175 Min.
Drei Jahrzehnte in drei Stunden. „Wir warten darauf, alt zu werden.“ Ein bitterer Satz, der die Lebensrealität von Yaojun und seiner Frau Liyun in knappen Worten zusammenfast. Einst waren sie eine glückliche Familie, bis ihr Sohn beim Spielen am Rückhaltebecken eines Staudamms ertrankt. Sie verlassen ihre Heimat im Norden Chinas, tauchen in eine große Stadt ein, wo sie niemand kennt und sie nicht einmal den Dialekt der Einwohner verstehen. Auch Adoptivsohn Liu Xing bringt nicht den erhofften Trost. Trotzig verweigert er sich den ‚fremden’ Eltern und verschwindet eines Tages ganz. Immer wieder werden die Eheleute von ihren Erinnerungen eingeholt und kehren schließlich an den Ort der verlorenen Hoffnungen und zu ihren alten Freunden und Familienmitgliedern zurück.
Das Familiendrama umschließt drei Jahrzehnte chinesischer Geschichte. Privates und Politisches verschmelzen, das Individuum gerät ins Getriebe einer Gesellschaft im permanenten Wandel. So führt der Film vom Aufbruch nach der Kulturrevolution in den 1980er-Jahren bis in den prosperierenden Turbokapitalismus der Gegenwart und ist dabei Zeitkritik und Melodram zugleich. In großen Tableaus macht er die tiefen Narben unter der Oberfläche einer scheinbar bruchlosen Erfolgsstory sichtbar.