Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao
von Karim Ainouz – B/D 2919 – 139 Min.
Gelegentlich überrascht das Kino mit außergewöhnlichen Filmen, mit eigentlich ganz einfachen Geschichten, die sich als hochspannend erweisen. In der Tradition der brasilianischen Telenovelas steht dieser Film, der international mit Preisen und Auszeichnungen bedacht wurde. Es ist ein Film voll unglaublicher Intensität und mit überwältigenden Bildern. Er spielt in Rio de Janeiro 1950. Die unzertrennlichen Schwestern Euridice und Guida sind voller Träume: Euridice will Konzertpianistin werden. Guida träumt von Liebe und Freiheit. Doch in der Enge des konservativen Elternhauses ist kein Platz für solche Pläne. Doch Guida, unsterblichen verliebt in einen Seemann, geht mit ihm heimlich nach Griechenland. Als sie Monate später zurückkehrt, verlassen und schwanger, weist ihr Vater die Tür und lässt sie glauben, Euridice sei zum Klavierstudium nach Wien gegangen und wolle keinen Kontakt mehr zu Guida. Ihr Vater hat sie mit einem Mann seiner Wahl verheiratet. So leben die Schwestern über Jahre in Rio, ohne voneinander zu wissen und in der Hoffnung, sich eines Tages wiederzufinden.
Die Regisseurin: „In meinem Film habe ich versucht, das Melodram als eine radikale ästhetische Strategie zu zelebrieren, um eine soziale Kritik unserer Zeit zu umreißen – gleichzeitig visuell strahlend und tragisch, prachtvoll und rauh. Ich wollte eine Geschichte erzählen, das ein unsichtbares Kapitel der Geschichte der Frauen zum Leuchten bringt. Einen Film voller Sinnlichkeit, Musik, Drama, Tränen, Schweiß und Mascara. Aber auch einen Film, der Härte, Gewalt und Sex in sich trägt.“ Großes, tolles Kino!