Porträt Horst Schäfer
Wertung: kann man sich ansehen

Freud

von Marvin Ken – Österreich/Tschechien/Deutschland 2020 – 8 x 55 Min.

Die achtteilige Gemeinschaftsproduktion erzählt von einem fiktiven Kriminalfall im Wien des Jahres 1886, der zum Auftakt einer spektakulären Verschwörung wird. Im Mittelpunkt steht der 30-jährige Sigmund Freud, der von einer Studienreise aus Frankreich zurückgekehrt ist. Er strebt nach gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Anerkennung und setzt sich für Hypnose ein. Seine Theorien und Thesen stoßen in der Wiener Ärzteschaft auf Ablehnung.

An der Seite des traumatisierten Kriegsveteranen undeigenwilligen Inspektors Alfred Kiss und des stadtbekannten, umschwärmten Mediums Fleur Salome findet sich Freud bald inmitten einer mörderischen Intrige.

Zu dem Personal einer überladenen und konfusen Narration gehören neben historischen Figuren wie Arthur Schnitzler und Kronprinz Rudolf auch fiktive Charaktere wie illustre Militärs, dubiose ungarische Adelige, ein mordender Opernsänger, eine resolute Haushälterin sowie diverses untertäniges Personal im Schloss Schönbrunn. Das ist nur einer der bekannten Schauplätze. Selbstverständlich spielt in dieser Handlung neben einer furchterregenden Nervenklinik, den unwirtlichen, engen Wohnblöcken und morbiden Heurigen-Spelunken auch die düstere Wiener Kanalisation eine zentrale Rolle.

„Freud“ ist Geisterbahn-Kino pur; eine für Wien typische Melange aus grellem Klischee, morbidem Mystery-Thriller und süffisantem Gesellschaftsporträt. Buch und Regie zeigen sich inspiriert von Freuds Thesen, die sich in halluzinogen Rausch- und Traumsequenzen entladen. Das mit einer kognitiven Handlung zu verknüpfen ist gänzlich misslungen. Entstanden ist ein mitunter ärgerliches Schauermärchen auf dem Niveau einer Laienspielbühne. Viel unfreiwillige Komik statt Horror.