Berlin Alexanderplatz
von Burhan Qurbani – D/N 2020 – 183 Min.
Der Film orientiert sich frei an dem gleichnamigen Roman von Alfred Döblin.
1931 wurde er erstmals verfilmt, von Phil Jutzi mit Heinrich George als Franz Biberkopf. 1980 von Rainer Werner Fassbinder mit Günter Lamprecht in der Hauptrolle. Aus Franz wird in der aktuellen Version der illegale afrikanische Immigrant Francis, der sich nach einer gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer in Berlin landet und ein geregeltes, anständiges Leben führen will. Doch das Berlin von heute geht mit einem Staatenlosen ohne Arbeitserlaubnis nicht weniger erbarmungslos um als es der Lohnarbeiter Franz Biberkopf in Döblins Klassiker erlebt hat. Wie seine literarische Vorlage handelt auch die zeitgenössische Adaption von Gesellschaft und Außenseitertum, Wunsch und Travestie. Fassbinders Version nicht unähnlich, ist Qurbanis Epos eine düstere Reise durch die „dunkle Nacht der Seele“ –und nicht zuletzt durch ein atmosphärisch authentisch eingefangenes Exil: Berlin.
Mit dem Wagnis einer grundlegenden Modernisierung mit einer eigenwilligen Bild- und Tonsprache (der Montagetechnik von Döblin folgend) hat die Produktion auch großen Mut bewiesen: Berlin von heute als überwältigendes „Gesamtkunstwerk“! Drei Stunden sattes, mitreißendes Kino das man nicht auslassen sollte.