The English Game
von Julian Fellowes – GB 2020 – 6 x 50 Min - netflix
Die 1880er-Jahre in England. Der Fußball ist noch eine rudimentäre Sportart auf holprigem Rasen, dient dem Freizeitvergnügen der College-Boys und ist Anlass gesellschaftlichen Zusammenseins. Männer unter sich. Parallel dazu entwickelt sich die neue Sportart zu einem kampfbetonten Spiel von Fabrikarbeitern, denen es ein Ausgleich zu den menschenunwürdigen Bedingungen der Arbeit in der Baumwollindustrie ist. Im Mittelpunkt des sich auf authentischen Vorlagen beruhenden Geschehens steht der schottische Spieler Fergus Sutter als Spielführer seines Arbeitervereins Darwen FC, der zum Blackburn FC wechselt, weil ihm fußballbegeisterte Fabrikbesitzer und Clubeigner dafür bezahlen. Das gilt in dem noch reinen Amateurbetrieb als Verrat an den Regeln und dem Selbstverständnis. Sein Gegenspieler Arthur Kinnaird ist Kapitän der Old Etonians, der „First Lord of Football“. Er ist der Sohn eines erfolgreichen Geschäftsmannes und bewegt sich in den Kreisen der höheren Gesellschaft. Arthur ist ein fairer Sportsmann und setzt sich für ein festes Regelwerk des Fußballspiels ein, das sich zunehmender Beliebtheit in allen Teilen Großbritanniens erfreut. Fußball ist für alle da.
Der Fußball wandelt sich vom Sport der Oberschicht zu einem Spiel für die Massen und ist gleichzeitig auch Austragungsfeld des Klassenkampfes. Aus heutiger Sicht sind bei den Anfängen der Entwicklung des modernden Fußballs besonders die Diskussionen und Auseinandersetzungen über die Bezahlung der Spieler besonders interessant und aufschlussreich.
„The English Game“ ist eine sehr, sehr englische Serie; kreiert von Julian Fellowes (u.a. „Gosford Park“ und „Downton Abbey“). In der Zeichnung des Milieus und der Charaktere daher stimmig und überaus unterhaltsam. In den inszenierten Szenen auf dem Platz ist - wie in vergleichbaren Filmen - noch Luft nach oben. Aber darauf kommt es hier auch nicht an.