Porträt Horst Schäfer
Wertung: sollte man gesehen haben

Der Besucher

von Jukka-Pekka Valkeapää - Fin./D. u.a. 2008 - 99 Min.

Filme erzählen ihre Geschichten mit Bildern. Und wenn wenig geredet wird, dann gibt es eben auch keine oder nur sehr wenige Dialoge. Der Vorteil: man kann genau hinsehen, verpasst nichts und assoziiert über Ursachen und Folgen.

Dieser Film spielt in Finnland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein zehnjähriger, stummer Junge lebt mit seiner Mutter abgeschieden auf einem kleinen Hof inmitten der wilden finnischen Wälder. Sein Vater, ein brutaler Kerl, sitzt im Knast. Der Junge besucht in hin und wieder. Als plötzlich ein Fremder mit einer Notiz des Vaters und einer Schusswunde in der Seite auf dem Hof auftaucht, gerät alles aus den Fugen. Da die Geschichte aus der Wahrnehmungs-Perspektive des Jungen erzählt wird, werden nicht alle Rätsel gelöst, die zur Eskalation von Gewalt und zu einem finsteren Ende führen. Aber so ist es nun mal im Leben. Nicht alles wird aufgeklärt. Zurück bleiben irritierende, vereinnahmende Momente und Impressionen - eine Handvoll Menschen in einer dominierenden Naturlandschaft.

Erwähnenswert noch auf jeden Fall die schauspielerische Leistung von Vitali Bobrov, der als stummer Junge in allen Szenen gegenwärtig ist und in den Nahaufnahmen eine ungeheuere Präsenz zeigt. Inmitten der geschwätzigen Beziehungsdramen oder -komödien hat dieser Film eine Sonderstellung; ein Film für die Freunde von Kinobildern, die für sich sprechen. Kompliment an alle Förderer und Finanziers, die dieses Werk ermöglicht haben.