Porträt Horst Schäfer
Wertung: sollte man gesehen haben

Netflix

Capitani

(Staffel 2) von Thierry Faber – Luxemburg 2022 – 12 x 30 Min. – netflix

In Staffel 1 (Oktober 2019) ging es um die Leiche der 15-jährigen Jenny Engel, die in einem Wald nahe dem nördlich gelegenen fiktiven Ort Manscheid gefunden wird. Um den mysteriösen Mordfall zu untersuchen, wird Inspektor Luc Capitani gerufen. Dieser kommt aus der im Süden liegenden Minette-Region und hat Schwierigkeiten im Umgang mit der Mentalität der verschwiegenen Dorfbewohner. Deshalb bekommt er Unterstützung von der jungen Polizistin Elsa Ley, die in Manscheid aufgewachsen ist. Bei den Ermittlungen dringen die beiden immer weiter in ein kompliziertes Netz von Intrigen ein. Sie müssen nicht nur einen Mörder aufspüren, sondern auch die Denkweise und Vergangenheit von jedem einzelnen Bewohner aufbrechen.

Die Ergebnisse entpuppen sich als ein aufwendiges Puzzlespiel. Capitani und Ley müssen erst die einzelnen Teile wieder zusammensetzen, bevor sie das Bild des Mörders zu sehen bekommen. Bei seinen Aktionen, das von den Dorfbewohnern gewebte Lügengeflecht zu zerschlagen, wird Capitani zusätzlich noch mit einem dunklen Kapitel seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, was nach Abschluss des Falles zu seiner Suspendierung führt.

Die spannende Krimi-Serie zeichnet sich besonders durch die vielschichtige Bildebene eines unverbrauchten Schauplatzes auf. Beeindruckend auch das Figurenensemble, das ein breites Spektrum aus Persönlichkeiten und Autoritäten auffächert.

Staffel 2 ist nicht die direkte Fortsetzung der bisherigen Handlung. Sie setzt ein im Nachtclub- und Rotlichtmilieu einer Großstadt. Schauplatz ist eine Bahnhofsgegend mit Protagonisten unterschiedlicher Nationalität. Capitani hat den Polizeidienst verlassen und ist als Undercover-Agent mit der Observation der kriminellen Szene beauftragt. Er lebt in dem Viertel und tarnt sich als Privatermittler. Er wird beauftragt, das Verschwinden und dann den Tod einer jungen Prostituierten aufzuklären. Luc arbeitet für die Bordellchefin Valentina und soll den Schutz ihrer Frauen übernehmen. Auf der Gegenseite steht Elsa Ley, die als Kommissarin einer SoKo die Drogenszene observiert. Sie soll die Dealer verfolgen; den Chef der Bande ermitteln und verhaften. Beide geraten in ein Netzwerk konkurrierender Gangs: Albanische Banden, Nigerianische Mafia und Luxemburger Unterwelt kämpfen um die Macht und liefern sich knallharte Revierkämpfe. Die Fronten verlaufen je nach den unterschiedlichen Motiven der Beteiligten. Dazu zählen auch Personen aus Lucs unrühmlicher Vergangenheit.

Die Dramaturgie hat sich in den Maschen der eigenen Verstrickungen verheddert. Und so bleibt das Ende der Staffel unbefriedigend. Wer gegen wen und wogegen und wofür bilden ein nicht nachvollziehbares Geflecht von Verrat und Korruption. Die Bordellchefin und ein korrupter Bulle erweisen sich als die Drahtzieher. Sie und ein paar sonstige Figuren werden abgeräumt, andere überleben; Luc und Elsa auch. Das reicht aus, um eine dritte Staffel anzudeuten.