„Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“ ist eine überragende Fernsehsehserie, die das Kino mitunter (leider) vergessen lässt. Im Mittelpunkt steht die aus Birmingham stammende Familie Shelby. Sie ist irisch-katholischer Abstammung und bildet den Kern der Gangsterbande Peaky Blinders. Da die Shelbys Irish Travellers und Roma unter ihren Vorfahren haben, werden sie von ihren Kontrahenten häufig abfällig als Zigeuner beschimpft und unterschätzt.
Anfang der 1920er Jahre ist die Familie durch illegale Wetten auf Pferderennen nur eine gewisse lokale Unterweltgröße im Arbeiterslum Small Heath. Oberhaupt der Familie und Protagonist des Geschehens ist Thomas „Tommy“ Shelby (grandios dargestellt durch Cillian Murphy). In den ersten Staffeln geht es vorrangig um sein Bestreben, dem Milieu zu entkommen und seine Familienmitglieder und Gang-Genossen zu wirtschaftlich wohlhabenden Geschäftsleuten zu machen, die ihr Geld auf ehrliche Weise verdienen. Ihr Weg wird durch die Nachwehen des Weltkrieges erschwert; immer sind es verfeindete Clans und politische Intrigen in den unruhigen Zeiten, die es der Familie schwermachen, sich zu behaupten. In den Irren und Wirren jener Jahre kreuzen sich ihre Wege u.a. mit Angehörigen der British Army und der IRA, mit jüdischen und italienischen Gangs, mit russischen Monarchisten und Bolschewiken sowie mit der sizilianischen Mafia und der Chicagoer Mafia.
Tommy wird für die Labour Party Parlamentsabgeordneter. Er führt den Titel OBE und gilt als hervorragender Redner für die Interessen der Arbeiter. Oswald Mosley will mit ihm zusammen eine neue Partei gründen. Mit Zusicherung von Winston Churchill lässt er sich auf ein doppeltes Spiel ein und plant ein Attentat auf Mosley, das jedoch in allerletzter Sekunde scheitert. Der brüchig gewordene Familienzusammenhang scheitert endgültig. In dem Schusswechsel nach dem missglückten Attentat kommt auch Tante Polly, die Matriarchin der Familie, ums Leben. (*) Ihr Tod ist für Tommy der Anlass, eines neues Leben zu beginnen und mit dem Whiskytrinken aufzuhören. Pollys Sohn Michael kündigt an, Tommy zu töten.
Staffel 5 endet mit dem finalen Zusammenbruch der „altmodischen Rasiermesser-Bande“.
Vier Jahre später ändert sich durch die Aufhebung der Prohibition die Szene. Die Alkoholschmuggler suchen nach neuen Wegen, und Tommy will ihre Vertriebswege nutzen um Opium nach Nordamerika zu schaffen. Dabei sucht er neue Kontakte und verbündet sich dabei auch mit Widersachern aus alten Zeiten. Doch alle neuen Absprachen sind brüchig. Parallel arbeitet Tommy an seiner politischen Karriere innerhalb der Labour-Party. Gegenüber Oswald Mosley gibt er sich loyal, sieht aber in den Faschisten eine Bewegung, die er bekämpft.
Bei seinem Kampf um das Überleben seiner Familie und seiner Firma muss Tommy den Tod seiner kleinen Tochter Ruby überwinden. Sie starb an Tuberkulose und auch die traditionellen, alten Wege der Heilkunst, konnten ihr nicht helfen. Unerwartet taucht Tommys Sohn aus einer früheren Beziehung auf. Duke ist 20 Jahre alt und wird in die Familie integriert.
Tommy erfährt von seinem Arzt, dass er einen unheilbaren Tumor im Kopf hat und plant seinen Abschied. Zuvor will er seine Angelegenheiten ordnen und die Familienmitglieder finanziell absichern. Er beseitigt seine Widersacher mit brutalen Methoden. Auch Michael wird getötet. Am Ende stellt sich heraus, dass Tommy keineswegs tödlich erkrankt ist, sondern es sich um eine Intrige von Mosley handelte, der ihn ausschalten wollte. Tommy steht am Schluss der letzten Folge allein in weiter Flur. Nicht alles ist aufgelöst. Die alten Probleme sind beseitigt, dafür tauchen neue auf.
Steven Knight hat damit auch das Ende der Serie angekündigt. Er will aber die Mythologie der Peaky Blinders verfestigen und ihre Legende verewigen. 2023 soll das Crime-Drama dann mit einem Spielfilm zum Abschluss gebracht werden.
Inszenierung und Soundtrack
„Die aufwendige Gestaltung der Serie ist geprägt von minimalistischen Bildern und Zeitlupe. Die Stimmung der Serie erinnert an einen Western, und die Kampfszenen lassen in ihrer Ästhetik an Quentin Tarantino denken. Der modern klingende Soundtrack zur Serie verwendet die dunklen Balladen von Nick Cave, den rauen Gesang von PJ Harvey, Beats der White Stripes und Songs von Radiohead. Auch Tom Waits mit seiner röhrenden Stimme ist beteiligt. Drehorte waren Birmingham, Leeds und Liverpool. Anna Calvi ist veranwortlich für einen Großteil der Musik von Staffel 5.“ (wikipedia)
(*) Die Polly-Darstellerin Helen McCrory ist im April 2021 verstorben. Ihrem Andenken ist die Staffel 6 gewidmet.