CARAVAGGIO 1571 - 1610
Vor 400 Jahren, am 18. Juli 1610, starb Michelangelo Merisi da Caravaggio. Spätestens als ich vor vielen Jahren bei der Berlinale (Panorama) den Film von Derek Jarman gesehen habe, bin ich ein ausgesprochener Fan des Grossen Meisters. Anfang Juni war ich in Rom, um mir dort (Scuderei del Quirinale) die Ausstellung mit Arbeiten anzusehen, die nicht immer öffentlich zugänglich waren bzw. sind. WIe bedeutend seine szenischen Darstellungen waren, wurde mir klar, als ich ergänzend zu der Gesamtschau einige seiner Bilder mit Genreszenen in den römischen Kirchen sah und dort ein direkter Vergleich mit der zeitgenössischen Malerei möglich war. Seine Darstellungen sind dynamisch, organisch und dramatisch. Demgegenüber sah ich viel Statisches, Langweiliges.
Caravaggio hat den Ruf, ein Raufbold, Trinker und Schläger zu sein - ein Kleinkrimineller vielleicht. Was aber ist das im Vergleich zu den großen Schweinereien und Schurkereien, die in diesen Jahren im Vatikan und im Umfeld seiner Kardinäle getrieben wurde? DAS ist der eigentliche Skandal.
Caravaggio würde ich heute sehr gerne als Filmemacher erleben - so zwischen Pasolini, Jarman und Schlingensief. Immerhin gibt es ja den Jarman-Film auf DVD - ebenso wie das Ballett von Mauro Bigonzetti, Bruno Moretti und Claudio Monteverdi; Staatsoper Unter den Linden, Berlin, Dezember 2008. Über Caravaggio wurde viel geschrieben und es gibt ausgezeichnete Bildbände. Nennenswert in diesem Zusammenhang die vergleichsweise kleine, aber aufschlussreiche Publikation von Andrea Camilleri "Die Farbe der Sonne - EIn Caravaggio-Roman" (Rowohlt 2010).