Porträt Horst Schäfer
Wertung: kann man sich ansehen

3096 Tage

von Sherry Hormann - D 2013 - 109 Min.

Kinofilme über spektakuläre Kriminalfälle, deren Ausgang bekannt und deren Protagonisten eine enorme Medienpopularität besitzen, müssen schon einen besonderen Kick haben, um die Leute zusätzlich zur Kasse zu bitten. „3096 Tage“ gleicht einem Fotoroman in einer zerblätterten Illustrierten, die man im Wartezimmer in die Hand nimmt und hofft, bald aufgerufen zu werden. Es war wohl ein Fehler, den Film zu dicht an die authentischen Vorgänge und an Autobiografie von Natascha K. anzudocken. Das Geschehen wird lediglich bebildert, die Charaktere und ihre Entwicklung bleiben spannungsarm; eine emotionale Betroffenheit stellt sich nicht ein. Es wäre sinnvoller gewesen, den „Fall Kampusch“ als entfernte Vorlage für einen Psychothriller zu nehmen und daraus ein eigenständiges, genregerechtes Drehbuch zu entwickeln. Der in diesen Wochen anlaufende Film „Die Jagd“ zeigt perfekt, was einen Psychothriller ausmacht. An den Hauptdarstellern von „3096 Tage“ liegt es allerdings nicht, sie bringen bemerkenswerte Leistungen in einem von der Dramaturgie vernachlässigten Umfeld. An der Produktion des Films haben sich mehrere Sender und Filmförderungsinstitutionen beteiligt. Das deutet immer darauf hin, dass eigentlich niemand so recht dem Vorhaben traute. Vor dem Start des Films gab es nur wenige Pressevorführungen, dafür aber einen Medienrummel, dem man nicht entgehen konnte. Dank dieser Vermarktungsstrategie wird die Kasse schon stimmen.