Nachtzug nach Lissabon
von Bille August - D 2013 - 111 Min.
Bille August, der so vitale und bewegende Filme wie „Pelle der Eroberer“ und „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ inszeniert hat, stellt sich hier ganz in den Dienst der Literaturvorlage. Er verfilmt den Bestseller so, wie es die Leser erwarten: getragen und ehrfurchtsvoll umgesetzt, mit einer hochkarätigen internationalen Besetzung garniert. Die Recherche nach einem geheimnisumwitterten Portugiesen, der in den siebziger Jahren gegen den Diktator Salazar kämpfe, bebildert einen Roman, dessen philosophische Fragestellungen sich im Kopf und nicht auf der Leinwand bewegen. Eine uninspirierte filmische Reise ins Innere, die zur Anschaulichkeit viele touristische Bilder bietet. Den Plot des Films hätte Costa-Gavras zu einem mitreißenden Polit-Thriller entwickelt, der sich als eigenständiges Kunstwerk neben einem Millionen Mal verkauften Buch behauptet hätte. Wer einige führende europäische Filmstars bei der Arbeit sehen möchte, der ist mit diesem Film gut bedient. Immerhin mussten sich gleich mehrere Förderungsinstanzen in Europa zusammentun, um dieses Ensemble angemessen zu finanzieren. Ein Europudding mit beschränkter Haltbarkeitsdauer.