Mitternachtskinder
von Deepa Mehta – Kanada 2012 – 148 Min.
Als ich vor etlichen Jahren den Roman von Salman Rushdie (begeistert) las, war ich der Ansicht, dass er nicht zu verfilmen sei. Das Kino im Kopf lässt sich so nicht auf der Leinwand realisieren. Und wenn es nun einen Film mit dem gleichnamigen Titel gibt, so muss ja auch nicht unbedingt ein Vergleich mit der Romanvorlage gezogen werden. Beide Werke stehen für sich und können sich sehen bzw. lesen lassen.
Der Film von Deepa Mehta orientiert sich an dem Roman (Drehbuch: Salman Rushdie) und ist ein opulentes Geschichts- und Schicksalsdrama mit allen Zutaten des indischen Kinos. Auch wenn auf die genreüblichen Zutaten des Bollywood-Kinos wie Musik, Gesang und Tanz verzichtet wird. Trotz der Länge von 2 ½ Stunden hinterlässt das mit 127 Sprechrollen besetzte und fünf Jahrzehnte umfassende Epos einen zwiespältigen Eindruck. Irgendwie macht sich das Gefühl breit, nicht alles gesehen bzw. verstanden zu haben; vieles bleibt fragmentarisch. Leider! Bei soviel inhaltlicher Kraft wäre es besser, den Film auf vier oder fünf Stunden hin anzulegen und den einzelnen Episoden bzw. Charakteren mehr Raum zur Entwicklung zu überlassen. Bollywood geizt ja auch sonst nicht mit den Filmlängen, aber die kanadischen Produzenten gehen wohl von anderen (internationalen) Vermarktungsgesetzen aus. Ansehen sollte man sich den Film auf alle Fälle!