Die Jagd
von Thomas Vinterberg – Dänemark/Schweden 2012 – 111 Min.
Eine unbedachte Äußerung eines kleinen Mädchens löst eine Katastrophe aus – nur noch vergleichbar mit dem Flügelschlag des Schmetterlings, der zu einem Erdbeben führt. Schauplatz ist eine dänische Kleinstadt mit überschaubarem Personal und gefestigtem Gefüge. Lucas (Mads Mikkelsen) arbeitet in einem Hort. Ausgerechnet Klara, die kleine Tochter seines besten Freundes, verguckt sich in ihn. Lucas weist sie zurecht, aber Klara vermischt die Zurückweisung mit willkürlich aufgeschnappten Wortfetzen aus einem anzüglichen Geschwätz ihres Bruders mit dessen Freunden. Grethe, die Leiterin des Kindergartens, geht dem merkwürdigen Verhalten der kleinen Klara nach und löst mit ihrem weiteren Vorgehen eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen aus, die zu einer Katastrophe führen. Zunächst sind es die Eltern der anderen Kinder, dann ist die gesamte Nachbarschaft involviert. Freundschaften zerbrechen. Die zunächst gutgemeinte Sorge um das Kind führt zu einer Hexenjagd unvorstellbaren Ausmaßes.
Dänemarks Superstar Mads Mikkelsen liefert hier eine seiner besten Leistungen. Und auf die Qualitäten des Regisseurs und dessen besonderer Sinn für raffiniert konstruierte Geschichten mit heiklen Themen muss hier nicht besonders hingewiesen werden. „Die Jagd“ ist kein Film nach den Dogma-Regeln, sondern ein beklemmender, atemberaubender Psychothriller, der genau das hinterlässt, was man unter Nachhaltigkeit versteht und für jede Menge Gesprächsstoff sorgt. Auch dort, wo „Kindesmissbrauch“ drauf steht, ist nicht immer „Kindesmissbrauch“ drinn. Ein wichtiger Film, der zu einem differenzierten und vorurteilsfreien Umgang mit dieser Problematik mahnt. Die vielen Preise und Auszeichnungen für „Die Jagd“ sprechen für sich.