Mutter und Sohn
von Calin Peter Netzer – Rumänien 2012 – 112 Min.
Cornelia will für ihren erwachsenen Sohn Barbu immer nur das Beste, doch der entzieht sich vehement der erdrückenden Liebe seiner Mutter. Als er einen Verkehrsunfall verschuldet – ein Junge wird überfahren und getötet - unternimmt die erfolgreiche Architektin alles in ihrer Macht stehende, ihn vor den Konsequenzen und einer Haftstrafe zu schützen. Denn in ihrer Welt ist vermeintlich alles und jeder zu kaufen, auch die Unschuld, Freiheit und Liebe ihres Sohnes.
Das Spielfilmdebüt des in Deutschland aufgewachsenen Rumänen Calin Peter Netzer zeigt eine von Eigenliebe besessene Mutter beim Kampf um ihren verlorenen Sohn und die eigene, längst zerrissene Familie. Der mit semidokumentarischen Mitteln minutiös rekonstruierte Ablauf einer Nacht und der folgenden Tage eröffnet nicht nur Einblicke in die moralische Verfassung der rumänischen Bourgeoisie, sondern wirft auch Schlaglichter auf den Zustand gesellschaftlicher Institutionen wie Polizei und Justiz.
Die beeindruckende Leistung der Hauptdarstellerin Luminita Gheorghiu gehört zu den Sternstunden europäischen Kinos; sie ist beinahe in allen Szenen präsent. Der Film erhielt in diesem Jahr in Berlin den Goldenen Bären!