Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Charlie Mariano – Last Visits

von Axel Engstfeld – D 2013 – 99 Min.

Er war einer der Großen des Jazz: der Saxophonist Charlie Mariano. In Boston als Kind italienischer Einwanderer geboren, spielte er noch mit Charlie Parker und Dizzy Gillespie zusammen. In den 1970er-Jahren kommt er nach Europa. Im Gegensatz zu Amerika kann er in Deutschland seinen Lebensunterhalt als Jazzmusiker verdienen. Er hat den europäischen Jazz beeinflusst und Generationen von Musikern inspiriert.

Im Juni 2009 starb er im Alter von 85 Jahren. Die letzten 20 Jahre seines Lebens lebte er in Köln. Der Film von Axel Engstfeld begleitet ihn in seinem letzten Jahr zu seinen Konzerten, wobei neben dem Kölner Stadtgarten sein letztes großes Konzert im Theaterhaus Stuttgart zu seinem 85. Geburtstag im Mittelpunkt steht. Engstfeld gehört zu den renommierten Dokumentarfilmern der internationalen Szene. Für diesen Film hat er die richtige Mischung aus Musik (Schwerpunkt) und Statements seiner Musiker (u.a. Mike Herting und Matthias Schriefl) gefunden. Wohltuend ist, dass er sich dabei nur auf wenige Personen konzentriert, was sich als aufschlussreicher erweist als eine Vielzahl von Interviewten mit knappen Sätzen.

„Charlie Mariano – Last Visit“ ist eine Hommage an einen Weltmusiker; der Film zeigt ihn so, wie er bei seinen Freunden und Fans in Erinnerung ist. Eine schwere Krankheit hat ihn in den letzten Jahren zu schaffen gemacht, dennoch bleibt er durch und durch positiv, nimmt seine Kraft zusammen, um immer wieder Konzerte zu geben. Etliche, von seinen Freunden und Kollegen organisierte Benefitz-Konzerte trugen mit dazu bei, seinen Lebensunterhalt in dieser schwierigen Zeit zu sichern. Das war der selbstverständliche und wohlverdiente Dank dafür, dass Mariano sich zeitlebens auch für andere Musiker aufgeschlossen und hilfsbereit war. In diesem Sinne ist „Charlie Mariano“ ein emotional ergreifender Film über Anerkennung und Respekt, Freundschaft und Solidarität.