Porträt Horst Schäfer
Wertung: sollte man gesehen haben

Die Moskauer Prozesse

von Milo Rau – D 2013 – 86 Min.

Der Film zeichnet mit den Mitteln des politischen Theaters die Geschichte einer staatlich und kirchlich betriebenen Kampagne gegen unbequeme Künstler nach. Im Sacharow-Zentrum in Moskau, wo die im Jahr 2003 zerstörte Ausstellung „Vorsicht, Religion“ stattfand, wurde ein Gerichtssaal aufgebaut. Im einen inszenierten Schauprozess mit den wichtigsten Exponenten des russischen Kulturkampfes tritt die Kunst gegen die Religion an, das dissidente gegen das wahre Russland. Im Stil eines Gerichtsdramas und unter Mitwirkung von authentischen Akteuren entsteht ein verstörendes und widersprüchliches Bild vom heutigen Russland. Die Bilder des realen Schauprozesses gegen „Pussy Riot“ gingen weltweit durch alle Medien. In diesem Film wird erstmals auch an die Vorgeschichte dieser Aktion erinnert, deren Motive und Ergebnisse sind so bekannt sind. Dazu wäre mehr Original-Material und Zusatzinformationen wünschenswert, aber angesichts der Herausforderung, einen dreitägigen Prozessverlauf auf 90 Minuten zu konzentrieren, ist dieser Mangel marginal. Eine DVD könnte mit entsprechendem Bonus-Material sinnvolle Ergänzungen liefern.