Ein Jungenamens Titli
von Kanu Behl – Indien 2014 – 124 Min.
Titli hat den brutalen Alltag in den Slums von Delhi satt: Er plant die Flucht vor seiner kriminellen Familie und spart eisern für ein neues Leben. Doch Korruption, kriminelle Machenschaften der Polizei und die raue familiäre Bürge erlauben keine Träume und zwingen ihn dazu, sich weiterhin als Handlanger seiner Brüder zu verdingen. Als diese ihn verheiraten, damit die Familie davon profitiert, macht er seine Frau Neelu zu seiner Verbündeten wieder Willen. Dabei folgt Neelu ihrem ganz eigenen Plan. Sie hat einen Geliebten, der sich aber später als Betrüger erweist. Auf dem Weg in die Freiheit wird Titli allmählich seinen Brüdern und dem System, dem er zu entfliehen versucht, immer ähnlicher.
Es gibt immer wieder Filme die sich den herkömmlichen Erzählmustern entziehen, mit ungewohnten Schauplätzen und sperrigen Charakteren überraschen. Dieser Film ist ein ungewöhnlicher Debütfilm und ein Musterbeispiel des erstarkenden Noir-Realismus der indischen Filmszene. Er zeigt mit voller Wucht den Verzweiflungsschlag eines chancenlosen Slumbewohners gegen patriarchalische Strukturen und soziale und politische Gewaltmechanismen. Von seiner vitalen, visuellen Kraft her ist dieser Film durchaus mit „Rocco und seine Brüder“ von Visconti vergleichbar. Es besseres Kompliment kann man einem Debütfilm nicht machen.