Porträt Horst Schäfer

Kinotipps 2015

55 Besprechungen aus dem Jahr 2015.

Wertung:
Wertung: hervorragend

Die Vorsehung

von Alfonso Poyart – USA 2015 – 101 Min.

Eine Serie von bizarren Morden hält den FBI-Veteranen Joe Marriwether (Jeffrey Dean Morgen) und seine ambitionierte Partnerin Kaherine Cowles (Abbie Cornish) auf Trab. Am Ende ihrer Weisheit angekommen, bitten sie den einsiedlerischen Psychoanalytiker Dr. Clancy (Anthony Hopkins) um Hilfe und hoffen, dessen intuitive Kräfte für sich nutzen zu können. Clancys aufrüttelnde Visionen führen zwar auf die Spur des Serienkillers (Colin Farrell), doch er muss einsehen, dass all seine übernatürlichen Begabungen nicht ausreichen, um ihn zu stoppen.

Ein Film, der nicht den vorgegebenen Mustern des Genres folgt, sondern immer wieder mit neuen Auflösungen überrascht. Es ist nicht leicht, mit Anthony Hopkins einen Psychothriller zu drehen, der von der routinierten Darstellung abweicht, doch Buch und Regie schaffen es, auch ihn zu neuen Leistungen zu fordern. Und das allein ist kein Grund, ins Kino (!) zu gehen, denn allein die visuell berauschende Kamera von Brendan Galvin ist das Eintrittsgeld wert.

Wertung: hervorragend

Ewige Jugend

von Paolo Sorrentino – I/F/CH/GB 2015 – 118 Min.

In einem noblen Wellnesshotel hoch oben in den Alpen, treffen sich zwei alte Freunde. Der eine (Michael Caine) ist ein berühmter Komponist und Dirigent, der sich dem süßen Nichtstun hingibt, der andere ist ein geschäftiger Regisseur, der ein neues Filmprojekt angeht, das aber durch das Eintreffen seiner launigen Muse (Jane Fonda) zu platzen droht. Schauspielkunst auf allerhöchstem Niveau – in erlesenem Ambiente und von Kameramann Luca Bigazzi atemberaubend ästhetisch zelebriert. Der deutsche Titel wird dem Original „Youth“ leider nicht gerecht. Es geht nicht um die ewige Jugend, sondern um das Altern.

Ein entschleunigter Film, den man manchmal etwas anschubsen möchte.

Wertung: hervorragend

Bridge of Spies

von Steven Spielberg – USA 2015 – 141 Min.

Eine Geschichte die das Leben schrieb. Der Unterhändler – so der deutsche Titel des Films – ist der (Versicherungs-)Anwalt James Donovan, der in den 1950er-Jahren zunächst als Pflichtverteidiger des Sowjetagenten Rudolf Abel auftritt und zu einem späteren Zeitpunkt den Austausch seines Mandanten gegen den US-Piloten Gary Powers – der mit seinem Spionage-Flugzeug über der UdSSR abgeschossen wurde – arrangiert. Donovan gerät mehrfach zwischen die Fronten des Kalten Krieges, ist Vorurteilen und Mißverständnissen ausgesetzt, gerät in lebensbedrohende Situation und ist letztendlich auf sein eigenes Selbstbewusstsein und seine Cleverneß angewiesen. Schauplatz des spannenden Finales ist Ost-Berlin zur Zeit des Mauerbaus.

Eine Paraderolle für Tom Hanks. Am Drehbuch waren Ethan Coen und Joel Coen beteiligt. Die Regie führte Steven Spielberg (auch Co-Produzent). Insgesamt also: Großes Kino!

Wertung: kann man sich ansehen

Eisenstein in Guanajuato

von Peter Greenaway – NL/B u.a. 2015 – 105 Min.

Ein Film über Sergej Eisenstein und seinen Aufenthalt in Mexiko 1931, wo er „Que viva Mexico“ drehte. Hier geht es aber in erster Linie nicht um den Film, sondern um Leben und Tod, Liebe und Homosexualität. Prominente Figuren wie Diego Rivera und Frida Kahlo haben nur kurze Auftritte. Ein Film voller Zitate und Bilder, direkt aus dem Kopf (und Schneidetisch) des Machers; wer sie gesehen hat, braucht für ca. eine Woche keine weiteren mehr. Ca. ein Dutzend Finanz- und Förderquellen haben sich daran beteiligt. Das ist immer ein Zeichen dafür, dass niemand so richtig dem Projekt und dem Film vertraute.

Wertung: kann man sich ansehen

The Last Witch Hunter

von Breck Eisner – USA 2015 – 107 Min.

Seit über 800 Jahren ist der Hexenjäger Kaulder (Vin Diesel) damit beschäftigt, einer niederträchtigen Hexenkönigin (Julie Engelbrecht) das Handwerk zu legen. Diesmal ist New York der Schauplatz des finalen Geschehens. Mit dabei u.a. Elijah Wood und Michael Caine, die auch ohne Masken und Kostüme ihre Genre-Routine bedienen. Hauen und Stechen mit üppiger Fantasy-Garnierung. Die FSK hat den Film ab 12 J. freigegeben; d.h., Angst und Schrecken halten sich in Grenzen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Black Mass

von Scott Cooper – USA 2015 – 123 Min.

South Boston in den 1970er-Jahren. FBI Agent John Connolly überredet den irischstämmigen Gangster Jimmy „Whitey“ Bulger, mit dem FBI zusammenzuarbeiten, um einen gemeinsamen Feind zu eliminieren: die italienische Mafia. Diese unselige Partnerschaft gerät schnell außer Kontrolle, sodass Whitey sich einer Verurteilung entziehen und seine Macht sogar stärken kann. Es gelingt ihm, sich als einer der skrupellosesten und einflussreichsten Gangster in der Geschichte von Boston behaupten. Bei seinen Morden und Erpressungen kann er sich auf die Loyalität seines Bruders Bill verlassen, der zum Senator aufgestiegen ist. Am Ende fliegt die Kumpanei zwischen Politik und Kriminalität auf und Whiteys Männer sagen gegen ihn aus.

Die Story vom Aufstieg und Fall eines Gangsterbosses wurde im amerikanischen Kino schon oft erzählt. Johnny Depp kann der Hauptrolle (leider) keine neuen, überraschenden Facetten verleihen – auch wenn er hier wieder einmal mehr seiner Lust zur Maske nachkommen kann.

Wertung: kann man sich ansehen

Er ist wieder da

von David Wnendt – D 2015 – 110 Min.

Verfilmung des Bestsellers von Timur Vermes; erweitert um eine Mediensatire mit fiktiven, dokumentarischen und semi-dokumentarischen Szenen. Das wirkt mitunter zu verkopft und verkrampft. Immerhin regt der Film zu einer aktuellen Auseinandersetzung mit der Frage „Was wäre, wenn?„ an. Eine Crew ausgezeichneter Darsteller kann das Durcheinander des Geschehens (Zu viele Köche?) nicht bändigen. Schade.

Wertung: kann man sich ansehen

Pan

von Joe Wright – USA 2015 – 110 Min.

Erzählt wird die Geschichte des Waisenjungen Peter, der entführt, auf die Insel Nimmerland gebracht wird und aus dem dann der legendäre Peter Pan wurde. Also: die Einstimmung in die dann folgenden Verfilmungen; mal real, mal animiert, mal geglückt, mal daneben.

Von der Vorlage der klassischen Erzählung und von den Inspirationen des Autors ist hier nicht viel geblieben. Dafür setzen die Produzenten auf die Möglichkeiten des 3D-Films und der Effekte. Die Karibik-Piraten sind dabei wohl des Vorbild.

Wertung: hervorragend

Der Staat gegen Fritz Bauer

von Lars Kraume – D 2015 – 105 Min.

Der Film über Fritz Bauer konzentriert sich auf seine enormen Anstrengungen um die Ergreifung von Adolf Eichmann, den Bauer unbedingt in Deutschland vor Gericht bringen wollte, um damit auch die Helfer und Helfershelfer anzuklagen oder anzuprangern. Die historischen Abläufe sind bekannt, auch die Verdienste von Fritz Bauer. Daraus einen spannenden KINO-Film zu machen ist das Verdienst von Buch, Regie und Kamera – aber in erster Linie auch das von Burghart Klaußner; er verkörpert kongenial den Titelcharakter bis in die feinsten Details von Mimik und Gestik. Es war allerhöchste Zeit, Fritz Bauer ein filmisches Denkmal zu setzen. Entstanden ist ein kraftvolles und fesselndes Porträt eines mutigen Mannes und dessen Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit. Ein Vorbild für alle Zeiten und Generationen.

Wertung: kann man sich ansehen

Regression

von Alejandro Amenábar – Spanien/Kanada 2015 – 106 Min.

Eine Kleinstadt in Minnesota im Jahr 1990. Ein Detektiv ermittelt im Fall einer jungen Frau, die ihren Vater des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Unterstützt wird er dabei von einem renommierten Psychologen, der mit Hilfe einer Regressionstherapie verdrängte Erinnerungen hervorholen will. Es stellt sich heraus, dass hinter den Vorfällen das Treiben einer satanischen Sekte steckt. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit.

Poltergeistkino; ein Film, der sich nicht entscheiden kann, eine angeblich wahre Geschichte zu rekonstruieren, oder mit den Mitteln des Horror-Films die Zuschauer beeindrucken will.

Was bleibt, sind die Leistungen der Hauptdarsteller und eine gefällige Kamera-Arbeit. Ein verwaschener Handlungsstrang bietet keine Antwort auf die vielen Fragen, die im Film angesprochen werden. Fazit: Zum Teufel damit!

Wertung: sollte man gesehen haben

Sicario

von Denis Villeneuve – USA 2015 – 121 Min.

Sicario ist das spanische Wort für Auftragsmörder. Der Titel steht hier für einen hochemotionalen Thriller über die von Intrigen, Korruption und moralischem Chaos geprägten Abgründe der Drogenkriege im amerikanisch-mexikanischen Granzgebiet. Das hochkarätige Starensemble Emily Blunt, Benicio Del Toro und Josh Brolin garantiert Spannung und Action pur – so wie man es bislang nur aus den Romanen/Filmen von Don Winslow kannte.

Wertung: hervorragend

The Look of Silence

von Joshua Oppenheimer – GB u.a. 2014 – 103 Min.

Ein Dokumentarfilm des Regisseurs, der durch „The Act of Killing“ international berühmt wurde. Hier geht es um die Aufarbeitung der blutigen jüngeren Geschichte Indonesiens. Durch seine Recherchen mit den Verantwortlichen des Genozids 1965/66 erfährt eine Familie, unter welchen Umständen ihr Sohn getötet wurde und wer die Mörder waren. Der jüngste Bruder beschließt, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen. Er überwindet die Angst, unter der die Angehörigen und Nachfahren der Opfer bis heute leiden, und tritt den Männern gegenüber, die seinen Bruder auf dem Gewissen haben. Den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen dabei jene Gesprächssequenzen, in denen nicht gesprochen wird, sondern sich die Beteiligten wortlos gegenübersitzen und der Zuschauer nur ihre Regungen wahrnimmt. „The Look of Silence“ wurde international mit mehr als 40 Preisen und Auszeichnungen bedacht.

Wertung: kann man sich ansehen

Everest

von Baltasar Kormákur – GB/USA 2015 – 122 Min.

Der Film zeigt das tragische Ende der Everest-Expedition im Mai 1996, die acht Bergsteigern das Leben kostete. Die Ursachen sind in dem risikoreichen Vorgehen zweier konkurrierenden Gruppen und in einem katastrophalen Unwetter begründet. Die Vorlage dieses Überlebenskampfes bildete ein dokumentarischer Roman.

Für einen Film ist es nicht leicht, aus der Melange von atemberaubender Natur und diversen Menschen-Ensembles eine dramaturgisch nachvollziehbare Handlungslinie zu finden. Aus den meist vermummten Darstellern ragt keine Identifikationsfigur hervor, die zum emotionalen Nachempfinden einlädt. Die Männer (Jake Gyllenhaal Jason Clarke, Josh Brolin und die anderen sind die Helden, die Frauen (Keira Kneightley, Robin Wright und die anderen) dienen als ihre Telefonpartnerinnen. Das Ganze wird im 3-D-Format präsentiert, was dem Geschehen aber keine zusätzliche Dimension ermöglicht.

Wertung: kann man sich ansehen

Ich und Kaminski

von Wolfgang Becker – D 2015 – 120 Min.

Es ist der Versuch des Regisseurs, gemeinsam mit seinem Hauptdarsteller Daniel Brühl an den Erfolg von „Good Bye, Lenin!“ anzuknüpfen. Doch die Vorlage, das gleichnamige Buch von Daniel Kehlmann, eignet sich nicht für eine scharfzüngige komödiantische Satire über einen windigen Kulturjournalisten, der es mit einem Großmeister der Malerei aufnehmen will. Einige Stargäste wie Josef Hader und Geraldine Chaplin wirken leider so, als hätten sie sich in einen falschen Film verirrt. Herausgekommen ist ein sehr anstrengender Film – für die Macher und für das Publikum.

Wertung: kann man sich ansehen

Sinister II

von Ciarán Foy – USA 2015 – 90 Min.

In einem abgeschiedenen Haus, weit entfernt von jeglicher Zivilisation, wähnt sich eine Frau mit ihren beiden Söhnen in Sicherheit. Sie versteckt sich dort vor ihrem gewalttätigen Ehemann, der seiner Familie dicht auf den Fersen ist. Von der wahren Bedrohung ahnt sie jedoch nichts: Auf dem alten Haus liegt ein mysteriöser Flucht des Dämons Bughuul, dem ein Ex-Polizist bereits seit Jahren auf der Spur ist. Und Bughuul hält die beiden alptraumatisierten Jungen bereits fest in seinen Klausen.

Die Kinder- die toten und die lebenden – sind Ursache und Opfer des Horrors zugleich. In diesem Horrorfilm werden alle Ingredienzien des Genres verwurstet, wobei die Gardinen vor dem offenen Fenster nachts besonders tüchtig wehen. Nur die Katze im Schrank wird ausgelassen.

Wertung: hervorragend

45 Years

von Andrew Haigh – UK 2014 – 93 Min.

Kate (Charlotte Rampling) und Geoff (Tom Courteney) stecken mitten in den turbulenten Vorbereitungen zur Feier ihres 45. Hochzeitstages, als ein Brief aus der Schweiz eintrifft. Man hat die Leiche von Geoffs Jugendliebe Katya in den Alpen entdeckt, 50 Jahre nach ihrem Unfalltod, im Gletschereis konserviert...

Andrew Haigh (Buch und Regie) hat einen Film gedreht, in dem es um unaufdringliche Alltagsbeobachten geht, um die seit Jahren gewachsenen Gewohnheiten und Verrichtungen, die nun auf die Probe gestellt werden. Es ist ein Film der Gesten und Blicke, ein wahres Fest der Schauspielkunst; beide Hauptdarsteller wurden dafür bei der 65. Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Das spricht für sich und macht den Film unbedingt sehenswert. Hinzu kommt dann noch die Kamera von Lol Crawley mit einer Farb-Ästhetik, die das Licht der weiten, flachen Landschaften Norfolks in langen und wunderschönen Einstellungen einfängt.

Wertung: kann man sich ansehen

The Transporter Refueled

von Camille Delamare – F/China 2015 – 97 Min.

Die beschaulichen Zeiten von Kommissar Maigret sind endgültig vorbei. Die von einer russischen Bande zur Prostitution gezwungene Frauen rächen sich an die brutalen Gangster mit ebensolchen brutalen Mitteln. Mit dabei eine Femme Fatale, die den Vater des Transporter als Geisel nimmt, um dessen Sohn zu Kooperation zu zwingen. Viel Action, hammerharte Szenen mit wunderschönen Frauen und furiose Verfolgungsjagden reihen sich aneinander. Interessant ist das Gespann von Ed Skrein und Ray Stevensohn, die als Sohn und Vater gemeinsam agieren und dabei zur Hochform auflaufen. Unverkennbar sind das Design und die Hochgeschwindigkeit von Schauplatz und Geschehen unter der Mitverantwortung von Luc Besson als Produzent.

Wertung: nicht zu empfehlen

French Women

von Audrey Dana – Frankreich 2014 – 116 Min.

Französische Filmkomödien mit schönen Frauen als Protagonistinnen sind hinreichend bekannt durch ihren Charme und Esprit. Und wenn es dann gleich elf Frauen sind – von Asabelle Adjani bis Sylvie Tesdud – sind die Erwartungen besonders hoch. Das hier aber ist ein Film zum Fremdschämen: Es soll darum gehen, sie bei der (gemeinsamen) Jagd nach Liebe, Glück und Freundschaft zu zeigen. Herausgekommen ist ein Handlungsniveau auf unterstem Niveau. Platte Witze, Schadenfreude, sexistische Dialoge etc. Das kann nicht nur an der bescheuerten deutschen Synchronisation liegen. Wenn dieser Film im Kino ihrer Wahl läuft, dann genießen sie den freien Abend – oder schauen sie sich den gleichzeitig anlaufenden Film von Werner Herzog „Königin der Wüste“ an.

Wertung: sollte man gesehen haben

Königin der Wüste

von Werner Herzog – USA/Marokko 2015 – 128 Min.

Ein Abenteuer- und Liebesdrama über eine der außergewöhnlichsten Frauen der Weltgeschichte: Gertrude Bell (1868-1926), die durch ihre wagemutigen Reisen durch den Nahen Osten als „Königin der Wüste“ berühmt wurde und durch ihr Engagement Geschichte schrieb. Eine Figur, die sich ideal in das Panorama der Protagonisten einfügt, um die herum Werner Herzog gerne seine Filme formt. Wie immer, so kommt es ihm in erster Linie auch diesmal darauf an, sein Publikum an möglichst alle Orte dieser Welt zu führen, das fing bereits vor einigen Jahrzehnten mit LEBENSZEICHEN, AGUIRRE und FITZCARRALDO an. Und so ist hier die Wüste (genauer: die Kamera von Peter Zeitlinger, mit dem Herzog seit zwanzig Jahren eng zuammenarbeitet) die eigentliche Hauptdarstellerin des Films. Nachteilig. Nicole Kidman in der Titelrolle ist zu schön, um wahr zu sein: Sie geht frisch geschminkt und tadellos aussehend durch alle Stationen des Films. Etwas mehr sichtbare Anstrengungen und Strapazen wären glaubhafter. Aber da alles sowie nur Film und Kino ist spielt das keine große Rolle.

Wertung: nicht zu empfehlen

Hitman: Agent 47

von Aleksander Bach – USA 2015 – 85 Min.

Ein Super-Agent und Profikiller, geklont, unschlagbar und unbarmherzig, erweist sich auch als eine perfekte Tötungsmaschine. Der Zuschauer darf froh sein, dass das Kino nicht auch noch zerstört wird. Wer das Plakat mit dem beidhändig schiessenden Strahlemann genau studiert, der kann getrost auf den Besuch des Films verzichten. Mehr ist nicht, wirklich!

Ratespiele: Wieviel Menschen werden auf unterschiedliche Weise gekillt und womit? Und in welcher klitzekleinen Nebenrolle versteckt sich ein bekanntes deutsches Raubein?

Wertung: sollte man gesehen haben

Self/Less – Der Fremde in mir

von Tarsem Singh – USA 2015 – 117 Min.

Ein milliardenschwerer Unternehmer erfährt, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist. Um seine Lebenszeit zu verlängern, lässt er sein Bewusstsein in einen anderen, jüngeren Körper übertragen. „Shedding“ nennt sich das geheime und teure Verfahren, das von einer undurchschaubaren Organisation praktiziert und kontrolliert wird. Die Aktion verläuft erfolgreich. Doch dann wird der „neue Mensch“ von wirren Alpträumen geplagt, da sich die Erinnerungen des „alten Menschen“ mehr und mehr ausbreiten und für brisante und gefährliche Momente sorgen. Und da die Organisation nicht bereit ist, ihr lukratives Wissen kampflos aufzugeben, muss der „neue Mensch“ um sein Leben fürchten. Was folgt ist eine atemberaubende Tour des Force durch sich überschneidende, jagende Bilderwelten, die den Verstand auf den Kopf stellt.

Ein visuell beeindruckender und packender Sci-Fi-Thriller mit atemberaubenden Bildern des Kameramannes Brendan Galvin, der seine erfolgreiche Karriere mit Arbeiten für Neil Jordan und Alan Parker begann. Uns sonst: Den alternden Körper von Ben Kingley gegen den des Strahlemannes Ryan Reynolds auszutauschen – ist auch nicht schlecht; auf jeden Fall aber sehenswert.

Wertung: kann man sich ansehen

Southpaw

von Antoine Fuqua – USA 2015 – 123 Min.

Ein erfolgreicher Boxer gerät durch den tragischen Tod seiner Ehefrau in eine Krise, die ihn von Alkohol und Drogen abhängig macht. Kurz vor dem endgültigen Absturz kümmert sich ein ehemaliger Boxer um ihn und richtet ihn wieder auf. Allmählich führt er ihn zu alter Stärke zurück... Die Geschichte ist wahrlich nicht neu, wird alle Jahre wieder variiert. Jake Gyllenhaal spielt den aktiven Boxer und Forest Whitaker den alten. Und wenn er diese Rolle übernimmt, dann weiß man auch, wer am Ende gewinnt.

Wertung: sollte man gesehen haben

Ant-Man

von Peyton Reed – USA 2015 – 117 Min.

Ein exzellent gestalteter Film aus der Marvel-Familie. Paul Rudd spielt den Trickbetrüger Scott Lang, der die unglaubliche Fähigkeit besitzt, auf winzige Körpergröße zu schrumpfen und gleichzeitig seine Kräfte zu vervielfachen. Fulminante Comic-Verfilmung mit beeindruckenden Schauwerten, stimmigen Dialogen und witzigen Sequenzen. Ideal für das Sommerkino im Freien.

Wertung: kann man sich ansehen

Senor Kaplan

von Alvaro Brechner – Uruguay/Deutschland 2014 – 98 Min.

Der 76-jährige Jacob Kaplan verbringt einen unaufgeregten Lebensabend in Montevideo inmitten seiner Familie in der jüdischen Gemeinde. Als das Gerücht kursiert, ein deutscher Nazi halte sich seit Jahren an der Küste Uruguays versteckt, sieht er eine Gelegenheit, eine große Tat zu vollbringen: der Deutsche soll nach Israel ausgeliefert werden. Ein chaotischer Ex-Polizist wird ihm bei der Nazijagd helfen. Aber als der Entführungsplan realisiert werden soll, kommt das Opfer ihnen auf die Schliche...

Eigentlich ein guter Plot, der sich sowohl für ein Drama wie auch für eine Komödie eignet. Doch die Auflösung der Geschichte ist derart konfus und lächerlich, dass es beinahe einer Selbstverstümmelung gleicht. Schade um Rolf Becker, den man nach längerer Leinwandpause gerne in einen ihm angemessenen Film gesehen hätte.

Wertung: sollte man gesehen haben

Escobar – Paradise Lost

von Andrea di Stefano – F/B/S/Panama 2014 – 114 Min.

Der junge Kanadier Nick will gemeinsam mit seinem Bruder an der kolumbianischen Küste eine eigene Surfschule aufbauen. Er verliebt sich in Maria; doch die ist ausgerechnet eine Nichte des berüchtigten kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar. Ohne es richtig zu wollen, wird Nick zu einem Familienmitglied – mit allen Rechten und Pflichten. Mehr und mehr lässt sich Nick n die schmutzigen Machenschaften des Medellin-Kartells verstricken. Escobar führt einen blutigen Kampf gegen die kolumbianische Regierung und verlangt von Nick eine folgenschwere, tödliche Entscheidung.

Der Film verknüpft die Geschichte des jungen Aussteigers geschickt mit teilweise fiktiven Elementen aus dem Leben von Pablo Escobar – der einerseits alles für seine Familie tut, andererseits aber auch ein rücksichtsloser, brutaler Killer ist. Eine hervorragende Rolle für Benicio del Toro in einem packenden Thriller, der mit einem hervorragenden Darsteller-Ensemble, außergewöhnlichen Schauplätzen und mit einer elektrisierenden Atmosphäre aufwartet.

Wertung: sollte man gesehen haben

Big Game

von Jalmari Helander – Finnland/GB/D – 91 Min.

Der schüchterne 13-jährige Oskari muss gemäß der Tradition seines finnischen Dorfes eine Nacht allein und nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet in den Wäldern verbringen. Während er aufbricht, greifen Terroristen die Air Force One im finnischen Luftraum mit einer Rakete an. Der US-Präsident (Samuel L. Jackson) wird in eine Rettungskapsel gesteckt und aus dem Flugzeug geschossen. Oskari findet den angeschlagenen Präsidenten und hilft ihm aus seiner misslichen Situation. Doch bald haben die beiden es mit rücksichtslosen Terroristen zu tun, die ihnen auf der Spur sind. Die Jagd ist eröffnet....

Eine unglaubliche Geschichte, aber aufwändig und spannend inszeniert mit immer neuen Variationen. Es ist ein KINDERFILM – und so muss man ihn auch bewerten. Die Logik folgt nicht der Wahrscheinlichkeit, sondern den Gesetzen des Drehbuchs – diesmal überaus unterhaltsam und vergnüglich.

Wertung: nicht zu empfehlen

Die Lügen der Sieger

von Christoph Hochhäusler – D 2014 – 112 Min.

Ein renommierter Journalist in der Hauptstadtredaktion eines politischen Nachrichtenmagazins recherchiert gemeinsam mit einer ihm zugeteilten Praktikantin eine brisante Story über die zweifelhafte Invalidenpolitik der Bundeswehr. Als sie ihm wegbricht, weil sein Informant abspringt, tut sich ein Giftmüllskandal als neuer Schauplatz aus. Es mehren sich die Anzeichen, dass beide Geschichten zusammengehören...

Hochhäuslers Film (Regie und Drehbuch) handelt von dem Zusammenspiel von Macht, Lobbyismus und Medien-Manipulation. Daraus wurde aber kein Polit-Thriller, sondern ein enttäuschend spannungsarmer Fernsehfilm, der kein Klischee auslässt und dessen Bilder für die Kino-Leinwand aufgeblasen wurden. Der Versuch, aus dem Team Enthüllungsjournalist und Hackerin (Praktikantin) die Protagonisten für mögliche Fortsetzungen nach dem Vorbild von Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander zu formen, ist gescheitert. Sich an Stieg Larsson zu orientieren ist zu hoch gegriffen.

Wertung: kann man sich ansehen

Jurassic World

von Colin Trevorrow – USA 2015 – 124 Min.

22 Jahre nachdem Steven Spielberg mit seinem spektakulären JURASSIC PARK eine neue Ära des Großbild-Kinos einleitete, produzierte er nun mit JURASSIC WORLD einen weiteren Blockbuster. Schauplatz ist der größte Themenpark der Welt, der die Wunder der Wissenschaft und Geschichte mit dem Luxus, den Schauwerten und den leiblichen Genüssen verbindet, die heute von internationalen Touristen erwartet werden. Durch Genmanipulationen wurde der riesige Indominus Rex erschaffen, der sich als unberechenbar und äußerst gefährlich erweist. Doch als er ausbricht, alle Tiere und Menschen bedroht sind, folgt das in diesen Filmen übliche Katastrophen-Schema. Die Besonderheit hier ist, dass nach dem Motto „Die Guten in Tröpfchen – die Schlechten ins Kröpfen“ die Lebewesen je nach Drehbuch und Charakter gefressen oder verschont werden. Zu den in Gefahr geratenen Protagonisten gehören auch zwei Kinder. Und wer Spielberg-Filme kennt, der weiss, dass ihnen nichts passiert. So gesehen, ist JURASSIC WORLD mehr ein Film für Kinder als für Erwachsene.

Wertung: sollte man gesehen haben

Kind 44

von Daniel Espinosa – USA 2015 – 136 Min.

Eine Mischung aus Krimi und Polit-Thriller nach einem Bestseller des britischen Autors Tom Rob Smith. Die Handlung spielt in der UdSSR in den Fünfziger Jahren – also zur Stalinzeit, in der des offiziell keine Verbrechen gab. Hier geht es um einen couragierten Offizier, der mehr oder weniger aus persönlichem Engagement heraus einem Serienmörder auf der Spur ist. Die Orte der Handlung und die Charaktere heben sich angenehm ab von den gestanzten Figuren des herkömmlichen britisch-amerikanischen Krimis. Insofern hat der Film einen hohen Unterhaltungswert, der den Anforderungen an einen perfekten Genre-Krimi gerecht wird.

Allerdings sagt er sehr wenig aus über die zeitgeschichtlichen, realen Hintergründe und die Kriminalgeschichte hinter dem Eisernen Vorhang. Wer dazu mehr erfahren möchte, der ist mit den Krimis des russischen Kriminalschriftsteller Arkadi Adamow bestens bedient. Sie sind in den 1960- und 1970er Jahren im Verlag Volk und Welt erschienen und genießen bei Kennern und Sammlern hohes Ansehen – „Der verschwundene Hotelgast“ und „Die Tote in der Baugrube“ sind Klassiker, die man auch heute noch lesen kann.

Wertung: hervorragend

Ein Jungenamens Titli

von Kanu Behl – Indien 2014 – 124 Min.

Titli hat den brutalen Alltag in den Slums von Delhi satt: Er plant die Flucht vor seiner kriminellen Familie und spart eisern für ein neues Leben. Doch Korruption, kriminelle Machenschaften der Polizei und die raue familiäre Bürge erlauben keine Träume und zwingen ihn dazu, sich weiterhin als Handlanger seiner Brüder zu verdingen. Als diese ihn verheiraten, damit die Familie davon profitiert, macht er seine Frau Neelu zu seiner Verbündeten wieder Willen. Dabei folgt Neelu ihrem ganz eigenen Plan. Sie hat einen Geliebten, der sich aber später als Betrüger erweist. Auf dem Weg in die Freiheit wird Titli allmählich seinen Brüdern und dem System, dem er zu entfliehen versucht, immer ähnlicher.

Es gibt immer wieder Filme die sich den herkömmlichen Erzählmustern entziehen, mit ungewohnten Schauplätzen und sperrigen Charakteren überraschen. Dieser Film ist ein ungewöhnlicher Debütfilm und ein Musterbeispiel des erstarkenden Noir-Realismus der indischen Filmszene. Er zeigt mit voller Wucht den Verzweiflungsschlag eines chancenlosen Slumbewohners gegen patriarchalische Strukturen und soziale und politische Gewaltmechanismen. Von seiner vitalen, visuellen Kraft her ist dieser Film durchaus mit „Rocco und seine Brüder“ von Visconti vergleichbar. Es besseres Kompliment kann man einem Debütfilm nicht machen.

Wertung: hervorragend

Mad Max: Fury Road

von George Miller – USA 2015 – 100 Min.

Mad Max kann seine wilde Vergangenheit nicht vergessen und beschließt, dass er allein die besten Überlebenschancen hat. Dennoch gerät er in der Wüste an eine Gruppe Flüchtlinge in einem Kampfwagen – am Steuer sitzt die elitäre Herrscherin Furiosa. Die Gruppe ist aus der Zitadelle des Tyrannen Immortan Joe entkommen, dem etwas Unersetzliches gestohlen wurde. Also setzt der wütende Warlord seine Banden in Marsch, um die Rebellen zu verfolgen. Ein temporeicher Straßenkrieg beginnt.

George Miller hat das postapokalyptische Genre erneut in eine neue Dimension des Action- und Abenteuerkinos gehoben. Die Handlung des Films kann man schlecht beschreiben, es kommt auf die virtuosen Schauwerte und den perfekten Umgang mit den technischen Mitteln an. Ein Film, den man SEHEN muss.

Wertung: sollte man gesehen haben

Das Versprechen eines Lebens

von Russell Crowe – Australien 2014 – 112 Min.

Ausgangspunkt ist die Teilnahme der ANZAC-Legende (ANZAC = Australian and New Zealand Army Corps) an der Schlacht von 1915 auf der türkischen Halbinsel Gallipoli, die mehr als 100.000 Menschen das Leben kostete und weitere 200.000 Soldaten auf beiden Seiten verletzt wurden. Dieser Film geht jedoch dem eigentlichen Kriegsgeschehen aus dem Weg, sondern konzentriert sich dafür auf die Geschichte eines australischen Farmers, der seine drei Söhne auf dem Schlachtfeld verloren hat und sich Jahre später auf den Weg macht, trotz aller Schwierigkeiten und Hindernissen ihren Spuren zu folgen. Er kann mit ihrem Verlust nicht abschließen und riskiert sogar sein eigenes Lebens, um Gewissheit zu erlangen.

Russell Crowe als Hauptdarsteller und Regisseur des Kriegs-Abenteuerfilms überzeugt in allen Belangen, wobei ihm ein erfahrenes und routiniertes Autoren- und Produktionsteam zur Seite steht.

Wertung: kann man sich ansehen

Kein Ort ohne Dich

von George Tillman jr. – USA 2014 – 139 Min.

Für Sophia, Studentin im letzten Studienjahr an der University of Wake Forest, geht ein Traum in Erfüllung. Kurz vor dem Abschluss hat sie eine Praktikantenstelle bei einer namhaften Kunst-Galerie in New York ergattert. Damit sind alle Voraussetzungen für ihre Karriere in der Welt der Kunst und des Kunsthandels gegeben. Doch dann verliebt sie sich in den Bullenreiter Luke, der einen schweren Unfall überwunden hat und nun einen Neustart angeht, der ihn wieder an die Spitze der Rodeoreiter führen soll. Es ist nicht so einfach, die Lebensplanung der beiden Liebenden miteinander zu verknüpfen. Doch dann lernen sie den betagten, verwitweten Kunstsammler Ira kennen. Nach einem Autounfall rettet ihm Luke sein Leben und Sophia hilft ihm beim Überleben. Sie erfahren von der leidenschaftlichen Liebe zwischen Ira und Ruth; beide haben sich den Herausforderungen ihres Lebens gestellt und eine überaus glückliche Zeit miteinander verbracht. Und diese Begegnung und die damit verbundenen Erfahrungen tragen dazu bei, dass auch Sophia und Luke die richtigen Entscheidungen treffen. Am Ende des Films sind alle glücklich: Sophie bekommt ihren Traumprinzen und wird Kuratorin der Galerie mit der Kunstsammlung von Ira und Ruth, und Luke gewinnt alle Kämpfe, dazu noch sehr sehr viel Geld und die heiß ersehnte Lebensgefährtin.

Schöne Menschen, schöne Bilder und schönes Ambiente. Eine emotional bewegende Lovestory nach einem Roman von Nicholas Sparks. Erwähnenswert von das Ensemble ausgezeichneter Darsteller in den führenden Rollen. Wer’s mag ...

Wertung: nicht zu empfehlen

Fassbinder

von Annekatrin Hendel – D 2015 – 92 Min.

Eine TV-Produktion über R.W.F. Wie kein anderer hat er in der kurzen Schaffensphase seines Lebens die deutsche Gesellschaft wahrhaftiger porträtiert und polarisiert. Als er 1982 mit nur 37 Jahren stirbt, hat er das Theater revolutioniert und sein Gesamtwerk von 44 Filmen und Fernsehserien hinterlassen. Dieser Film ist das unbefriedigende Porträt des enfant terrible des deutschen Kinos; einerseits will der das Binnenleben des Protagonisten mit seiner Crew entschlüsseln, andererseits soll jede Produktion einmal kurz erwähnt werden. Und dazu noch wenig aussagende Statements von Weggefährten etc. Insgesamt eine bebilderte Bio-Filmographie, die zu keinen neuen Erkenntnissen führt. Ein wirklich interessanterer und aufschlussreicherer Film wie „Ein Mann wie EVA“ (D 1983/84), in dem Eva Mattes den legendären Regisseur verkörpert, wird hier noch nicht einmal erwähnt. Und die filmische Analyse des „Schlüsselfilms“ des Fassbinder-Teams „Warnung vor einer heiligen Nutte“ (D 1970/71, mit Lou Castel als Regisseur und Eddie Constantine als Star) wäre eine wirklich innovative Leistung.

Wertung: kann man sich ansehen

Die Gärtnerinnen von Versailles

von Alan Rickman– UK 2014 – 116 Min.

Frankreich, Ende des 17. Jahrhunderts. Die Landschaftsgärtnerin Sabine De Barra (Kate Winslet) erhält von dem obersten Gartenarchitekten Ludwig XIV den Auftrag, einen Barockgarten zu bauen. Und schon geht es los mit den höfischen Intrigen, diversen Liebschaften, Verschwörungen und leidenschaftlichen Konfrontationen. Und über allen Dingen schwebt ein Sonnenkönig, dessen Rolle sich der Drehbuchautor und Regisseur Alan Rickman auf den Leib geschrieben hat. Muss das eine schöne Zeit gewesen sein: elegante Menschen in schönen Kostümen im schönen Ambiente etc. Am Ende geht alles gut aus. Wer’s mag, wird mit diesem opulenten Historienspiel bestens bedient. Neue Erkenntnisse sind nicht zu gewinnen.

Wertung: kann man sich ansehen

The Gunman

von Pierre Morel – F/S/GB 2015 – 115 Min.

Die Geschichte ist einfach: Ein Ex-Söldner muss um sein Über-Leben kämpfen. Er hatte vor einigen Jahren im Auftrag eines Wirtschaftskonzerns einen tödlichen Anschlag auf einen hochrangigen Minister im Kongo ausgeführt und sich dabei als NGO-Mitarbeiter getarnt. Und nun gerät er ins Visier seines ehemaligen Auftraggebers und eine tödliche Verfolgungsjagd von Afrika über London quer durch Europa beginnt...

Alle Zutaten dieses Genre-Films gut gemischt: Ein Star wie Sean Penn, ein Gegenspieler wie Javier Bardem“, ein Regisseur wie Pierre Morel („96 Hours“) und internationale Schauplätze!

Das ist perfekt, sehr unterhaltsam. Großes Kino. Aber kein Drehbuch! Sogar im Presseheft wird kein Verantwortlicher genannt. Und das will was heißen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Ex Machina

von Alex Garland – GB 2015 – 108 Min.

Ein junger Programmierer erhält unerwartet die Chance, eine Woche in einem privaten Refugium in den Bergen zu verbringen, das dem charismatischen Chef der größten Internetfirma der Welt gehört. Dort soll er an einem merkwürdigen und faszinierenden Experiment mitwirken: mit der ersten wirklichen künstlichen Intelligenz der Welt interagieren, die im Körper eines bildschönen Robotermädchens untergebracht ist. Das Unternehmen nimmt schnell eine unerwartete Wendung und entwickelt sich zu einem düsteren psychologischen Schlagabtausch, in dem Loyalitäten zwischen Mensch und Maschine getestet werden. Und wer kann es einem sexy Robotergirl verübeln, mit neu gewonnenen Erkenntnissen einen eigenen Weg zu gehen?

Ein packender psychologischer Thriller, cool inszeniert und ästhetisch herausfordernd verpackt. Ein Science-Fiction-Film mit leisen Tönen und schleichend ansteigender Spannung.

Wertung: sollte man gesehen haben

Hubert von Goisern – Brenna tuat’s schon lang

von Marcus H. Rosenmüller – A/D 2015 – 95 MIN.

Um Hubert von Goisern zu beschreiben, muss man ihn live erlebt haben: auf großen und auf kleinen Bühnen. Immer präsent, immer vital, immer animierend. Ein Volksmusikerneuerer, der sich in keine Schublade stecken lässt. Der Film von Marcus H. Rosenmüller klärt auf über die Zeiträume zwischen den großen Tourneen bzw. Projekten; er bringt uns den Menschen Goisern ungewöhnlich nahe. Er überzeugt durch die gut getimte Mischung von Musik, Interviews, Archivmaterial und Musik, Musik ...

Ein Film für Fans, selbstverständlich. Aber auch für solche, die ihn bislang noch nicht kennen und mit Sicherheit seinen nächsten Auftritt nicht versäumen werden.

Es sei noch erwähnt, dass der Regisseur ein ausgesprochenes Händchen für pralle Kino-Filme hat. Und das tut diesem Film gut: ein Heimatfilm mit Volksmusik auf großer Leinwand!

Wertung: hervorragend

Big Eyes

von Tim Burton – USA/Kanada 2014 – 106 Min.

In hochinteressanter Film über einen „Kunstskandal“ in den 1960er Jahren, der in seinen Ursachen und Folgen bis in die heutige Zeit hineinreicht – denken wir nur an die Bilderfälscher- Händlerbetrugs- und Urheberrechtsprozesse. Hier geht es um die Künstlerin Margret Amy, die es mit ihren „Big Eyes“, den Bildern von Kindern mit besonders großen, traurigen Augen, zu Weltruhm brachte. Anfangs war es jedoch so, dass ihr erfolgssüchtiger Ehemann die Bilder unter seinem Namen auf den Markt brachte und es bedurfte eines spektakulären Gerichtsprozesses, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Tim Burton, der Meister des skurrilen, visionären Kinos mit einem Faible für ungewöhnliche Stoffe und Charaktere, nimmt sich hier sehr stark zurück. Er verzichtet ganz auf exentrische Ausflüge sondern konzentriert sich ganz auf die Rekonstruktion einer realen Geschichte, wobei das Porträt der Protagonisten (u.a. Christop Walz als eloquenter, doppelbödiger Businessman) sowie die Visualisierung der 1960er-Ästhetik die herausragenden und beeindruckenden Erlebnisse sind.

Wertung: sollte man gesehen haben

A Girl Walks Home Alone At Night

von Ana Lily Amirpour – USA 2014 – 99 Min.

Eine iranische Vampirfilm-Romanze – das ist eine außergewöhnliche Produktion, die in einer fiktiven iranischen Geisterstadt spielt und in der Wüste Kaliforniens gedreht wurde. Ein film noir in Schwarzweiß (so, wie es sich gehört). Ein Gruselfilm, der auch ein Comic sein könnte. Es geht um einen weiblichen Vampir, der verhüllt in einen Tschador (!) nachts durch die Straßen streift und sich mit einem jungen Außenseiter anfreundet. Daraus wurde ein doppelbödiges und sinnliches Traumspiel voll visueller Kraft und abgründiger Provokationslust. Der Film wurde mehrfach auf Internationalen Festivals ausgezeichnet. „Es ist, als hätten Sergio Leone und David Lynch ein gemeinsames Baby und dafür Nosferatu als Babysitter bestellt.“ (Ana Lily Amirpour)

Wertung: kann man sich ansehen

Every Thing Will Be Fine

von Wim Wenders – D 2014 – 115 Min.

Es geht um einen Schriftsteller, der unverschuldet einen Autounfall versucht, bei dem ein kleines Kind stirbt. In den nächsten zehn Jahren geht es um die Bewältigung dieses tragischen Zwischenfalls und darum, wieder schreiben zu können und eine Beziehungskrise zu bewältigen. Das braucht sehr viel Zeit. Und es geht um die inneren Vorgänge des Protagonisten, die auch durch den Einsatz der 3D-Technik visuell nicht attraktiver werden. An der Produktion des Films sind ca. fünfzehn Förderinstitutionen beteiligt. Das deutet darauf hin, dass niemand den Film zu seiner Sache machen wollte.

Wertung: hervorragend

Elser

von Oliver Hirschbiegel – D 2014 – 110 Min.

Seine Tat – das missglückte Attentat auf Adolf Hitler am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller – ist bekannt, über seine Person und die Beweggründe zu dieser Aktion weiß man nicht so viel. Umso verdienstvoller ist es, mit diesem Film einem couragierten Mann posthum Ehre zu erweisen. „Elser“ ist keine TV-Geschichtsstunde, deren Design die (Hy-)Stories einebnet, sondern pralles Kino; voll von emotionalen Momenten und überzeugenden Darstellern wie Christian Friedel, Katharina Schüttler und Burghart Klaußner. Die Qualität dieser Produktion garantiert der mit solchen Stoffen und Themen vertraute Drehbuchautor Fred Breinersdorfer (er hat es gemeinsam mit seiner Tochter Léonie-Claire geschrieben). Mit „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ erzielte er einen international anerkannten und erfolgreichen Film, dessen Nachhaltigkeit wohl auch eine Produktion wie „Elser“ ermöglicht hat.

Wertung: kann man sich ansehen

Die Räuber

von Frank Hoffmann und Pol Cruchten – Lux/Bel/D 2014 – 84 Min.

„Sehr frei nach Schiller“ ist der den Titel begleitende Text eines Films, der die Vorlage in die korrupte Finanzwelt in Luxemburg verlegt. Herausgekommen ist eine wenig überzeugende Mischung aus Krimi und Polit-Thriller, die einerseits sich bewusst von Schillers Drama trennt, andererseits aber immer wieder bemüht ist, sich damit zu vergleichen. Das ist anstrengend und alles andere als ein Film für die Leinwand. Allenfalls verfilmtes Theater als (sehr) kleines Fernsehspiel. Euro-Pudding, an dem sich mehrere Länder und Fördergremien mit diversen Zutaten beteiligten. Das ist leider oft der Fall, wenn keiner dem Stoff so richtig traut. „Viele Köche ... “!

Wertung: sollte man gesehen haben

Das ewige Leben

von Wolfgang Murnberger – A 2015 – 120 Min.

Jetzt ist schon wieder was passiert: Ein neuer Film mit Josef Hader als Brenner nach dem gleichnamigen Roman von Wolf Haas. Brenner steht kurz vor dem Nichts und bekommt immer noch zusätzlich einen auf die Mütze. Es zieht ihn nach Graz, zurück in das heruntergekommene, nicht mehr bewohnte Elternhaus. Der Kontakt zu ehemaligen Weggefährten verläuft anders als erwartet. Da es mehr als nur einen dunklen Punkt in ihrer Vergangenheit gibt, bleiben tödliche Konsequenzen nicht aus. Am Anfang war Brenner am Ende doch am Ende könnte es für ihn einen neuen Anfang geben. Als Fan von Hader/Brenner/Haas wünsche ich ihm das, was der Titel verspricht: ein ewiges Leben!

Wertung: sollte man gesehen haben

Cinderella

von Kenneth Branagh – USA 2014 – 105 Min.

Kenneth Branagh, als Regisseur bekannt durch seine fulminanten Shakespeare-Verfilmungen, kreiert ein bekanntes Märchen in Hochglanzbild-Version. Alles noch üppiger und bunter als in den bisherigen Filmen, alles noch greller und kitschiger. Dahinter – wenn man genau hinschaut – weichen einige Figuren jedoch vom überkommenen Klischee ab; beispielsweise wird das Handeln der Stiefmutter durch einen Argumentationszusammenhang verständlich, der ansonsten ausgespart wurde. Cate Blanchett liefert eine auf- und anregende Interpretation des Charakters einer ehrgeizigen, hochverschuldeten Frau, die um die Absicherung für sich und ihre Töchter kämpft. Aber ein Sozial-Drama ist es nicht geworden. Denn wo Disney drauf steht, ist auch Disney drin. Wer’s mag, wird glänzend unterhalten.

Wertung: sollte man gesehen haben

American Sniper

von Clint Eastwood – USA 2015 – 132 Min.

Es geht um den US-Navy-SEAL und Scharfschützen Chris Kyle, der über 150 Tötungen auf seinem Konto hat, in die Militärgeschichte eingegangen und zu einer Legende geworden ist. Der Film beruht auf wahre Begebenheiten; Grundlage ist die Autobiographie des Schützen, der im Februar 2013 auf einem Schießstand in Texas von einem Irak-Krieg-Veteranen erschossen wurde und nicht mehr am Film beteiligt war. Der Regisseur konzentriert sich ganz auf seinen gottesfürchtigen Protagonisten und dessen Psyche; er versucht, die inneren Vorgänge von außen her sichtbar zu machen, um ihn zu verstehen. Dabei muss man nicht auf der Seite des „Helden“ stehen, der sein Land gegen die bösen Araber verteidigt. Seine Person steht allerdings für viele amerikanische Soldaten, die mit patriotischer Haltung in den Krieg gezogen sind und dabei zerbrachen. Man kann Eastwood vorwerfen, den Irak-Krieg nicht angemessen oder sogar verfälscht darzustellen. Aber das war ja auch nicht sein Thema. Es geht um die Annäherung an eine für uns fremde, vielleicht sogar unsympathische Figur, die am Ende wie ein Alien wirkt. „American Sniper“ kann man auch als eine Variation des Westerns verstehen. So gesehen bekommt der Handlungsverlauf eine andere, neue Qualität, die in der Kontinuität der Eastwood-Filme (egal ob Regie oder Hauptdarsteller) steht.

Clint Eastwoods Film spaltete die USA. Der Film wurde nicht zuletzt im Rahmen seiner (nicht erfolgreichen) Oscar-Nominierung kontrovers beurteilt. Aber zuvor schon hatte er mehr Geld eingespielt als seine Konkurrenten. Besonders im Süden standen die Leute in Schlangen vor den Kinokassen; im Norden zeigte man sich eher zurückhaltend.

Wertung: sollte man gesehen haben

Als wir träumten

von Andreas Dresen – D 2015 – 117 Min.

Es geht um die Geschichte von fünf Jungen aus Leipzig, die in besonderen, außergewöhnlichen Zeiten herangewachsen sind. Es sind die Jahre der deutschen Wende, in denen Gesellschaften und Systeme aufeinander prallten und alles möglich schien. Die Jungs sind dreizehn, als die Geschichte in der DDR beginnt, siebzehn, als sie im neuen Deutschland endet – und u.a. damit auch der Traum, mit einer alternativen Disco mithalten zu können.

Das Drehbuch zu diesem Film schrieb Wolfgang Kohlhaase. Und somit kann man den Film auch als eine Trilogie betrachten, die mit „Berlin – Ecke Schönhauser..“ (1957, Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase) beginnt und mit „Raus aus der Haut“ (1997, Buch und Regie: Andreas Dresen) endet. Drei für die Geschichte der DDR/BRD ungeheuer wichtige und aufschlussreiche Jugendfilme, die als Stationen der deutschen Zeitgeschichte somit in einen neuen Kontext gestellt werden müssen.

Wertung: sollte man gesehen haben

Kingsman: The Secret Service

von Matthew Vaughn – GB 2014 – 128 Min.

Colin Firth als britischer Geheimagent der alten Schule in einer ironisch-unterhaltsamen Parodie auf das Genre. Vorlage ist eine britische Comic-Serie, die mit allen Zutaten des Genres aufwartet und sie so geschickt mischt, dass am Ende niemand weiß, worum es letztendlich ging – abgesehen davon, dass wieder einmal mehr die Welt gerettet werden muß. Aber das stört nicht, denn die Zitate aus Bond, Bourne & Co und die spritzigen Gags bereiten großes Vergnügen. Eine der Logik folgende Handlung kann da nur stören.

Wertung: hervorragend

Into The Woods

von Rob Marshall – USA 2014 – 124 Min.

Eine Walt Disney Studios Produktion. Und wo Disney draufsteht, ist auch Disney drin. Diesmal ist es die überhaus unterhaltsame und vergnügliche Adaption eines Broadway-Musicals. Der Film ist eine schwungvolle, miteinander und ineinander verwobene Verfilmung einiger der beliebtesten und bekanntesten Märchen. Hochkarätig besetzt, sowie komisch und gefühlvoll zugleich, verknüpft der Film die klassischen Erzählungen von Aschenputtel, Rotkäppchen, Rapunzel und Hans und die Bohnenranke zu einer ganz neuen Geschichte rund um einen Bäcker und seine Frau, ihren Wunsch nach Kindern und den Fluch, den eine Hexe auf sie gelegt hat. Die Handlung des Films wirft einen ganz neuen, amüsanten Blick auf vertraute Märchenfiguren. Wer Meryl Streep als Hexe und Johnny Depp als bösen Wolf sehen möchte, muss sich diesen Film unbedingt ansehen.

Wertung: hervorragend

Selma

von Ava DuVernay – USA 2014 – 128 Min.

Ein Film über Martin Luther King und die Bürgerrechtsbewegung. Die Handlung beginnt im Sommer 1965. Das formal bestehende Wahlrecht für Afroamerikaner in den USA wird in der Realität des rassistischen Südens ad absurdum geführt; Schwarze sind Bürger zweiter Klasse und täglich Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Die Stadt Selma, Alabama, ist einer der Orte, in denen sich der Widerstand formt. Dr. Martin King, jüngst mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, schließt sich den lokalen Aktivisten an. Ein mühsamer Weg, der aber schon bald das ganze Land in Aufruhr versetzten wird und in dem langen Marsch nach Montgomery seinen Höhepunkt findet.

Ein hervorragendes Schauspieler-Ensemble und eine emotional bewegende Inszenierung sorgen dafür, dass dieser Film kein langatmiger Geschichtsunterricht wird. Pulsierendes Kino mit starken Bildern und die Erinnerung an den Kampf eines Mannes, der mit dazu beigetragen hat, Amerika für immer zu verändern.

Wertung: sollte man gesehen haben

Blackhat

von Michael Mann – USA 2014 – 133 Min.

Wenn es darum geht, internationale Cyber-Terroristen zu jagen, arbeiten Chinesen und Amerikaner erstaunlicherweise unkonventionell und unbürokratisch zusammen, ungeachtet der jeweiligen politischen Vorgaben und unter Umgehung der jeweiligen Geheimdienst-Instanzen. Hier ist es ein chinesischer Polizist und Computerexperte, der nach einem Angriff auf ein chinesisches Atomkraftwerk auf die Hilfe eines früheren Studienkollegen aus den USA angewiesen ist. Das ist aber nur ein Testlauf für die Manipulation der New Yorker Börse...

Da sich die Vorgänge im Netz nur sehr schwer verständnisvoll und nachvollziehbar visualisieren lassen, muss drumherum eine Actionhandlung mit den üblichen Zutaten erzählt werden. Michael Mann, erfahren in der Produktion ästhetischer und opulenter Bilder, jagt in diesem Thriller die Kamera und die Protagonisten in einem atemberaubenden Tempo von einem internationalen Schauplatz zum anderen. Unterhaltsam, aber schnelle Bilder sind auch schnell vergessen.

Wertung: kann man sich ansehen

Black Sea

von Kevin MacDonald – GB 2014 – 115 Min.

Im Auftrag eines mysteriösen Geldgebers ist eine abenteuerlich zusammengestellte Crew – Briten, Russen und Amerikaner - in einem alten russischen U-Boot vor Georgien im Schwarzen Meer auf der Suche nach einem versunkenen deutschen U-Boot, in dem sich ein Nazi-Goldschatz befinden soll. Während der Tauchfahrt kippt die Stimmung zusehends und in der beklemmenden Enge braut sich ein gefährliches Gemisch aus Habgier, Hoffnungslosigkeit und Verrat zusammen. Im Mittelpunkt des Geschehens Jude Law als Boss der Mission, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Die Handlung ist vorhersehbar, aber geschickt mit Action- und Thrillerelementen aufgepeppt.

Wertung: hervorragend

The Imitation Game

von Morten Tyldum – USA/GB 2014 – 115 Min.

Es geht um den genialen Mathematiker Alan Turing, der den Enigma-Code der deutschen Ehrmacht geknackt hat. Turing war ein Denksport-Freak mit einem sturen Kopf, der sich in der hierarchischen Welt des englischen Geheimdienstes nicht einfügen konnte bzw. wollte. Wenn es stimmt, dass seine Entdeckung lange Zeit verschwiegen wurde – die Nazis durften es nicht erfahren – und sehr kontrolliert mit den authentischen Nachrichten umgegangen wurde, so ist es allerhöchste Zeit, diesen Mann entsprechend zu würdigen. Da er homosexuell war, wurde er von der Gesellschaft geächtet und 1952 sogar angeklagt und verurteilt. Zwei Jahre später nahm er sich im Alter von 42 Jahren das Leben.

Es ist das Verdienst dieses außergewöhnlichen, spannenden und aufschlussreichen Films, Turings Schicksal jetzt öffentlich zu machen. Und niemand könnte seine Rolle so perfekt und spektakulär spielen wie Benedict Cumberbatch, der wieder einmal mehr beweist, dass er der richtige Protagonist für solche faszinierende und umstrittene Charaktere ist.

Wertung: sollte man gesehen haben

Missverstanden

von Asia Argento – I/F 2014 – 110 Min.

Es geht um das Schicksal des neunjährigen Mädchens Aria aus Rom in den 1980er-Jahren. Ihre Eltern führen eine heillos zerstrittene Ehe. Sie leben getrennt und Aria wird wie ein ungeliebtes Möbelstück hin und her geschoben. Die Mutter ist eine Frau, die auf der Jagd nach wechselnden Liebhabern und extrovertierten Lebensstilen nichts auslässt. Der Vater ist ein eitler, sich selbst überschätzender Filmschauspieler, der nur auf seine nächste große Rolle aus ist und dabei eine Enttäuschung nach der anderen erlebt. Da er sich finanziell übernommen hat, ist er immer auf der Flucht vor irgendwelchen Gläubigern. Aria muss ihren eigenen Weg finden. Zurückgewiesen und abgeschoben streunt sie durch die Stadt und schenkt ihre Liebe einer schwarzen Straßenkatze. Doch auch die liebt mehr die Ungebundenheit als die Zuwendungen Arias, die selbst der Liebe und Aufmerksamkeit bedarf.

„Missverstanden“ schildert diese brüchige, unstrukturierte Welt der Erwachsenen ausschließlich aus der Perspektive und der Sichtweise des Mädchens. Und so sind auch die Verzerrungen, Übertreibungen und Ungereimtheiten zu erklären, die den Film so spannend und attraktiv machen. Ein hochinteressanter Kinderfilm für Erwachsene.

Wertung: kann man sich ansehen

96 Hours - Taken 3

von Olivier Megaton - USA 2014 - 103 Min.

Liam Neeson ist ein toller Schauspieler, der zunehmend aber mit Action-Rollen zugeschüttet wird. In der dritten "Taken"-Folge wiederholen sich leider die Muster er voraufgegangenen: Action an Action. Immer inhaltsleerer und daher uninteressanter. Der Verleih kündigt sie als "furioses Finale" an: "Ex-CIA-Agent Mills kehrt ein letztes Mal zurück!" - und das ist auch gut so.