Junges Licht
von Adolf Winkelmann – D 2016 – 122 Min.
Im Mittelpunkt des Films steht der 12-jährige Julian, der Ende der 50er-/Anfang der 60er in einer Dortmunder Bergbausiedlung aufwächst; es sind die Jahre des Wirtschaftwunders, in denen das Ruhrgebiet noch eine entscheidende Rolle spielte. Sein Vater schuftet unter Tage. Das Umfeld ist geprägt von Dreck, Enge, Armut und Brutalität. Als Julians kranke Mutter mit der kleinen Schwester ans Meer fährt, verbringen Julian und sein Vater die Sommerwochen allein zu hause. Und in dieser Zeit passiert so einiges, u.a. fühlt er sich stark zu der 15-jährigen Nachbarin Marusha hingezogen, ahnt aber nicht, dass sie auch seinem Vater den Kopf verdreht hat.
In diesem Film stimmt einfach alles: Winkelmann beschwört mit intensiven, authentisch wirkenden Bildern vom kohleschwarzen Himmel bis zum faszinierenden Hochofenabstich den Ruhrpott wie es ihn einmal gab. Das detailverliebt-rekonstruierte Bergbau-Milieu spielt dabei ebenso eine tragende Rolle wie das Spiel der Hauptdarsteller: Oscar Brose, Charly Hübner, Lina Beckmann, Greta Sophie Schmidt, Peter Lohmeyer und Ludger Pistor. Adolf Winkelmann sieht sich selbst wohl in der Rolle des Jungen, der seine Welt erkundet: vom Spielen auf Schlackebergen bis hin zu ersten zaghaften, erotischen Begegnungen mit einem frühreifen Mädchen.
In den ersten Bildern beschwört der Regisseur in großformatigen Bildern die Wucht und Kraft der Maschinen, die in einer Zeche den Betrieb ausmachen. Aber anders als etwa in METROPOLIS werden sie nicht von einer stumpfen, entpersönlichten Arbeitermasse bedient, sondern von Arbeitern, die auch unter den harten Bedingungen der Arbeit und des nicht immer komfortablen Alltaglebens in den Familien individuelle Freiräume suchen und finden. Ein Kino-Film!