Happy End
von Michael Haneke – F/D/A 2017 – 110 Min.
Die Familie Laurent betreibt in Calais eine boomende Baufirma. Doch es läuft nicht mehr ganz so wie gewünscht. Die resolute Chefin Anne hat ihren Sohn Pierre zum Managing Director gemacht, doch er erweist sich als nicht kompetent genug für unternehmerische Entscheidungen. Ein verheerendes Unglück auf einer Baustelle wird zu einer folgenreichen Belastung. In der großbürgerlichen Mehrgenerationen-Villa leben außerdem noch Georges, der grantige und illusionslose alte Vater von Anne, sowie ihr Bruder Thomas, dessen Frau Anais und ein kleines Kind. Versorgt werden alle von einem marokkanischen Haushälterehepaar. Als Eve, die 12-jährige Tochter von Thomas aus erster Ehe, hinzukommt, gerät das ausbalancierte Zusammenleben aus den Fugen. Eves Mutter hat versucht, sich umzubringen. Neben den Sorgen um die Firma treten nun immer häufiger die innerfamiliären Konflikte in den Vordergrund. Bei einer Familienfeier mit vielen Gästen eskaliert die Situation. Eve hat ein besonderes Verhältnis zu Georges. Aus anfänglichen Feindseligkeiten entwickelte sich eine enge Beziehung. Eve versteht Georges immer besser, doch sie kann ihn nicht davon abhalten, einen Selbstmordversuch zu unternehmen.
Alle in dieser dysfunktionalen Familie haben in der Vergangenheit Schuld auf sich geladen. Das wird nach und nach offensichtlich. Hanekes Spezialität für messerscharfe Beobachtungen zeichnet auch diesen, einer Momentaufnahme gleichenden Film aus. Wie auf dem Seziertisch präsentiert er unterkühlt und ohne Empathie seine Charaktere und ihr Umfeld. Die Motive des Handelns sowie die Hintergründe werden nicht erklärt. Haneke: Mein Ziel ist, so wenig wie möglich zu sagen, damit die Imagination der Zuschauer absolute Freiheit hat.“ Er versucht zwar, Hinweise zu geben, aber die Zuschauer werden mit den Tatsachen konfrontiert und müssen die Antworten selbst finden.