Der Hauptmann
von Robert Schwentke – D/F/P 2017 – 119 Min.
Es sind die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Der Gefreite Willi Herold – abgehetzt und halb verhungert – findet einen verlassenen Wagen. Er entwendet die Uniform eines Offiziers. Als er in dieser Aufmachung auf weitere Gefreite stößt, bitten diese, sich dem „Hauptmann“ anschließen zu dürfen. Am 1. April 1945 betreten Herold und seine Gefolgsleute das Strafgefangenenlager Aschendorfermoor. Mit der Behauptung, der Führer hätte ihm persönlich die Verantwortung übergeben, übernimmt er die Leitung des Lagers und beginnt, die Gefangenen mittels Massenhinrichtungen, willkürliche und sadistiche Gewaltakte auf brutale Art zu töten. Als das Lager von britischen Bomben zerstört wird, ziehen Herold und seine Leute weiter und hinterlassen eine blutige Spur.
Ein streitbarer, irritierender Film, der auf einer wahren Begebenheit basiert. Es ist die Geschichte des 19-jährigen Gefreiten Willi Herold, der als „Henker vom Emsland“ bekannt wurde. Er wurde im Mai 1945 von der Royal Navy verhaftet, wegen Kriegsverbrechen angeklagt und im November 1946 hingerichtet. In den Hauptrollen ist der Film hervorragend besetzt. Die Regie übernahm Robert Schwentke, 1968 in Stuttgart geboren. Es hat in Hollywood durch einige aufwendige, starträchtige Actionfilme von sich Reden gemacht, muss hier allerdings mit reduzierten Mitteln Vorlieb nehmen. Die Verfilmung der abgründigen Geschichte um einen einfachen Soldaten, der dem Rausch der Macht verfällt, was ihm ein besonderes Anliegen. Was zu sehen ist, überzeugt nicht immer, da die Handlung unterschiedliche, sich widersprechende Akzente setzt und rasch aufeinander folgende Sequenzen aufgesetzt und unglaubwürdig bleiben. Es sind Assoziationen, Zitate und Anspielungen, die einer dokumentarischen Rekonstruktion eines authentischen Vorfalls im Wege stehen.