Porträt Horst Schäfer
Wertung: sollte man gesehen haben

Das Mädchen, das lesen konnte

von Marine Francen – F 2017 – 98 Min.

Schauplatz des Films ist ein abgelegenes Bergdorf in der Provence in den Jahren 1851 bis 1855. Protagonistin ist die südfranzösische Bäuerin Violette Ailhaud. Wie ihre Freundinnen, ist sie im heiratsfähigen Alter, als plötzlich die Auswirkungen der großen Politik unmittelbar Einzug im Dorf halten. Alle Männer des Ortes werden von Louis Napoléons Soldaten verschleppt, als dieser die Zweite Republik stürzt, um sich als Napoléon III. zum Kaiser der Franzosen zu krönen.

Mit vereinten Kräften gelingt es den zurückgebliebenen Frauen, die Arbeiten des Jahreslaufs zu bewältigen. Trotz der Sorge um die verlorenen Männer, sind die Frauen stolz auf ihre Unabhängigkeit. Nach einem Jahr vergeblichen Wartens auf ein Lebenszeichen der Männer fassen Violette und ihre Freundinnen einen Entschluss: Wenn eines Tages ein Mann ins Dorf kommt, soll er für alle Frauen da sein, damit das Dorf weiter existieren kann. Als der umherreisende, heimatlose Schmied Jean zufällig auftaucht, verliert das Gefüge seine Balance, denn er und Violette verlieben sich ineinander. Und dann tauchen auch einige der verschwundenen Männer auf, die überlebt haben…

Der Debütfilm von Marine Francen nach der autobiographischen Erzählung von Violette Ailhaud ist eine einfache und klare filmische Umsetzung ihrer Lebensgeschichte, die sich überwiegend durch Bilder und weniger durch Dialoge vermittelt. Die „fein geschnittene Miniatur mit sich leise aufbauendem emotionalem Höhepunkt“ (Hollywood Reporter) wurde auf internationalen Festivals mit Preisen und Auszeichnungen bedacht.