Porträt Horst Schäfer
Wertung: kann man sich ansehen

Der goldene Handschuh

von Fatih Akin – D/F 2018 -110 Min.

Hamburg-St.Pauli in den 1970er Jahren, die Amüsiermeile und ihre Nachtgestalten: Gewohnheitstrinker und Prostituierte, Spielsüchtige und andere einsame Seelen.

Wer sich auf dieses Milieu einlassen und die Typen näher kennenlernen möchte, der kann sich diesen Film ansehen. Wenn nicht: erst gar nicht darauf einlassen.

Basierend auf dem realen Fall des Serienmörders Fritz „Fiete“ Honka, der in der Kiezkaschemme „Zum goldenen Handschuh“ Stammgast war, entwirft Fatih Akin das Porträt eines sozial verkommenen Gewaltverbrechers, der von Frauenhass, sexueller Gier und Sentimentalität getrieben ist. In der Kneipe schleppt er ältere, sozial verwahrloste, allein trinkende Frauen ab, die er dann in seiner Dachgeschosswohnung erschlägt und erwürgt. Seine Opfer zerstückelt er und entsorgt ihre Überreste hinter der Wand zum Dachboden. Die Schuld an dem Verwesungsgestank schiebt er der benachbarten griechischen Familie in die Schuhe.

Fatih denunziert das Personal seines Films und nimmt auch den Opfern ihre Würde. In anderen Filmen hat er bewiesen, dass er Klischees nutzt, um sie danach aufzulösen. Hier nicht, hier werden sie verstärkt und kommentarlos ausgestellt.