Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Ayka

von Sergey Dvortsevoy –Russland u.a. 2018 – 100 Min.

Es gibt Filme mit einer so intensiven emotionalen Dichte und Nähe, die eine fast direkte, persönliche Bekanntschaft mit den Protagonisten bewirken. AYKA ist einer vor ihnen. Er zeigt einen Ausschnitt aus der Alltagsrealität einer jungen Frau aus Kirgisistan, die in Moskau als Schwarzarbeiterin lebt und dort irgendwie über die Runden kommen muss. Sie ist schwanger und weiß nicht, wie sie zusätzlich noch ein Kind ernähren kann. Kurz nach der Geburt verlässt sie panikartig das Krankenhaus und lässt das Neugeborene zurück. Sie muss innerhalb kürzester Zeit Geld auftreiben, um ihre Schulden bei brutalen Kreditgebern zu begleichen. Von allen Seiten unter Druck gesetzt entschließt sie sich zu einer letzten, verzweifelten Aktion.

Eine dokumentarisch wirkende schonungslose Situationsbeschreibung über den Überlebenskampf einer isolierten Frau in einem unwirtlichen Ambiente; hier ist es zusätzlich noch das Chaos in einer von einem gewaltigen Schneesturm überfallenen Stadt, in der überdimensionale, lärmende Räumfahrzeuge das Straßenbild durchpflügen. Eine Welt ohne Mitleid und Wärme, rücksichtslos und ohne Moral und Solidarität. Ein Bild prägt sich da besonders ein: die Menschen werden wie Tiere behandelt, in einer Tierklinik – einer der Zufluchtsorte für Ayka - hingegen werden die Tiere wie Menschen behandelt.