Deutschstunde
von Christian Schwochow – D 2019 – 125 Min.
Deutschland, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Jugendliche Siggi Jepsen muss in einer Strafanstalt einen Aufsatz zum Thema „Die Freuden der Pflicht“ schreiben. Er schreibt über seine Erinnerungen an seinen Vater Jens Ole Jepsen, der als Polizist zu den Autoritäten in einem kleinen norddeutschen Dorf zählte und den Pflichten seines Amtes rückhaltlos ergeben war. Während des Zweiten Weltkriegs muss er seinem Jugendfreund, dem expressionistischen Künstler Max Ludwig Nansen, ein Malverbot überbringen, dass die Nationalsozialisten gegen ihn verhängt haben. Er überwacht des penibel und Siggi, elf Jahre alt, soll ihm helfen. Doch Nansen widersetzt sich – und baut ebenfalls auf die Hilfe von Siggi, der für ihn wie ein Sohn ist. Der Konflikt zwischen den beiden Männern spitzt sich immer weiter zu – und Siggi steht zwischen ihnen.
50 Jahre nach dem Erscheinen des Romans von Siegfried Lenz über Schuld und Pflicht in der Zeit des Nationalsozialismus hat sich Christian Schwochow an eine Neuverfilmung gewagt. Dabei ist ihm nach einem Drehbuch seiner Mutter Heide Schwochow ein atmosphärisch dichtes und kraftvolles Werk gelungen, das den Widerspruch zwischen Pflichterfüllung und individueller Verantwortung klar herausarbeitet und daran appelliert, Stellung zu beziehen. Eine sorgfältige, einfühlsame Inszenierung, die im Gegensatz zu dem Fernsehfilm von 1971 das Kino mit Bildern beschenkt, die auch als ein Beitrag zu der aktuellen Diskussion über die Biographie des streitbaren Malers Emil Nolde gedeutet werden können.