The Irishman
von Martin Scorsese – USA 2019 – 209 Min.
Eine dreieinhalbstündige Begegnung mit einer durch Kino und Film rekonstruierten authentischen Mafia-Story. Vorlage ist das 2004 erschienene Buch „I Heard You Paint Houses“ des ehemaligen Staatsanwaltes Charles Brandt, das auf der Lebensgeschichte eines Auftragskillers beruht. Es geht um das bis heute ungeklärte Verschwinden des allmächtigen LKW-Gewerkschaftsbosses Jimmy Hoffa. Zentrale Figur des Films ist der irischstämmige Lastwagenfahrer Frank Sheeran, der in den 1950er Jahren für einen Mafia-Clan zunächst als kleiner Gehilfe und Ausputzer, und später dann als Bodyguard, Geldeintreiber, Killer und Vertrauter an Hoffas Seite arbeitet. Dessen Macht und Einfluss schwindet, als Robert Kennedy als Justizminister die Jagd auf den korrupten Gewerkschaftler beginnt. In diesen Jahren verdichtet sich die Freundschaft zwischen Sheeran und Hoffa zu einer engen Familienbindung. Im Film deutet sich an, wie und mit welchen Folgen diese Beziehung Mitte der Siebzigerjahre endet.
Scorsese demontiert mit ungebrochen erzählerischer Kraft und mit glasklaren Sequenzen die Verklärung der Mafia-Legenden in- und außerhalb des Kinos. Anstelle aufgesetzter Actionszenen und dramaturgischem Spannungsaufbau bietet „The Irishman“ perfekt kalkulierte Bilder und Montageeffekte, die dem Starensemble den gebührenden Rahmen verleihen. An die im Vorfeld heiß diskutierte digitale Verjüngungstechnik gewöhnt man sich schnell; sie wirkt im Fluss des Films weder störend noch irritierend.
Neben den sensationell besetzen Hauptrollen des Films mit Robert des Niro, Al Pacino und Joe Pesci wirken so ganz nebenbei auch noch Ray Romano, Harvey Keitel und Jesse Plemons mit. Hinzu kommen noch vertraute und bewährte Stars aus Scorseses Mafia-Serie „Boardwalk Empire“. Ein personalaufwändiger, visuell berauschender Film mit alten, weißen Männern für ein Publikum aller Altersklassen. Dank an netflix für dieses starke Stück Kino!.