Die schönste Zeit unseres Lebens
von Nicolas Bedos – F 2019 – 115 Min.
… das war für den Comiczeichner Victor zweifellos das Jahr 1974, in dem er Marianne traf, das schönste, aufregendste und liebenswerteste Geschöpf, in das er sich sofort unsterblich verliebte. Heute fühlt er sich alt, frustriert und zynisch; er findet sich immer weniger in der schnelllebigen digitalen Welt mit seinen sozialen Netzwerken und automatisierten Vorgängen zurecht. Sein Leben gerät aus den Fugen. In seiner Verzweiflung greift er zu einem Gutschein, den sein Sohn ihm geschenkt hat. Dessen bester Freund Antonie erfüllt Herzenswünsche, indem er seine zahlungskräftigen Kunden mit seiner Eventagentur in eine Zeit ihrer Wahl zurückschickt. In ehemaligen Filmateliers rekonstruiert er Zeiten und Räume und inszeniert mit Schauspielern das dazugehörige Personal. Uns so trifft Victor in seinem Stammbistrot „La Belle Epoque“ in Paris erneut auf die junge Marianne, die ihn im wirklichen Leben gerade aus der Wohnung geschmissen hat. Und irgendwann verwischen sich die Wahrnehmungen und Gefühle zwischen Illusion und Realität.
Der Regisseur Nicolas Bedos ist auch für das Drehbuch, die Kamera und die Musik verantwortlich. Sein Film wurde mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet. Die Jury-Begründung trifft auf den Punkt: Das Paar, das sich im Laufe der Zeit im Alltag verloren hat, wird verkörpert von Daniel Auteuil und Fanny Ardant, die unter Beweis stellen, warum sie zu den Großen ihres Fachs gehören. Daniel Auteuil spielt Victor mit so viel Wärme und Wahrhaftigkeit, dass man seine Sehnsucht nach dem, was war, förmlich spüren kann. Und Fanny Ardant sprüht nicht nur vor Lebenslust, Charme und Charisma, sondern lässt hinter der scheinbar gefühllosen Fassade immer auch Sanftheit und Verletzlichkeit erkennen. Diese Ambivalenz macht alle Figuren authentisch und lebensecht. „Die schönste Zeit unseres Lebens“ ist romantisch, skurril, berührend und komisch. Französisches Kino zum Verlieben!