Sorry We Missed You
von Ken Loach – GB 100 Min.
Ein emotional erregender Report über die gegenwärtige Arbeits- und Sozialpolitik der Briten; Zustandsbeschreibung und Anklage zugleich. In einer direkten, ungeschminkten Art zeigt das Sozialdrama des mittlerweile über achtzigjährigen Filmemachers eine Familie der unteren Mittelschicht in Newcastle, die von ihren Arbeitgebern ausgebeutet und an den Rand des finanziellen Ruins getrieben wird. Ricky Turner möchte der Arbeitslosigkeit und der Suche nach Gelegenheitsjobs dadurch entkommen, indem er einen Franchise-Vertrag bei dem Paketdienstleister PDF (Parcels Delivered Fast) abschließt und sich selbstständig macht. Dazu muss er sich erst einmal verschulden. Seine Frau Abby arbeitet als mobile Altenpflegerin zu menschenunwürdigen Bedingungen und ist auf das Familienauto angewiesen. Trotzdem wird es verkauft, um die Anschaffung eines Kleinlastwagens zu ermöglichen. Abby ist nun auf das marode Bussystem angewiesen. Das Familiengefüge gerät auseinander, da die Zeitpläne durcheinandergeraten. Der pubertierende Sohn Jeb hat Probleme in der Schule und legt sich mit seinem überarbeiteten Vater an. Die jüngere Tochter Liza Jane versucht vergeblich zu vermitteln. Der permanente Druck, dem Ricky von allen Seiten ausgesetzt ist, führt zu unzumutbaren und riskanten Einsätzen. Für ein Privatleben bleibt keine Zeit mehr. Die Verschuldung sprengt die Familie noch weiter auseinander; die Katastrophe ist unausweichlich. Am (offenen) Ende sieht man einen von einem brutalen Überfall gezeichneten Ricky, der verzweifelt nach einem Ausweg sucht.
Es ist zum Heulen – auf der Leinwand und im Zuschauerraum. Und es ist erstaunlich und bewundernswert, wie es Ken Loach immer wieder gelingt, das Personal seiner Filme mit authentisch agierenden Charakteren zu besetzen. Wie wirken hautnah wie Bekannte aus der Nachbarschaft, die schleichend dem Turbo-Kapitalismus zum Opfer fallen. Man möchte ihnen helfen, weiß aber nicht wie.