Porträt Horst Schäfer
Wertung: sollte man gesehen haben

Undine

von Christian Petzold – D/F 2020 – 90 Min.

Undine ist der Legende nach die verratene Wasserfrau. In der alten Mythologie lebt sie in einem Wald, in einem See. Ein verzweifelter Mann, der eine Frau unglücklich liebt, dessen Liebe nicht erwidert wird und aussichtslos ist, der kann in den Wald an das Ufer des Sees gehen und ihren Namen rufen. Sie wird kommen und ihn lieben. Doch diese Liebe ist ein Vertrag. Wenn sie verraten wird, dann muss der Mann sterben.

In dem Film von Christian Petzold (Buch und Regie) ist Undine eine Stadthistorikerin in Berlin. Sie ist gerade von ihrem Freund verlassen worden. Eigentlich, so will es der Mythos, müsste sie sich in an ihm rächen und ihn töten. Doch dagegen wehrt sie sich; sie will nicht zurück in den Wald, in den See. Sie will leben und lernt einen anderen Mann kennen, einen Industrietaucher, und verliebt sich in ihn. Und nun muss sie sich dem Fluch stellen, denn diese Liebe will sie nicht verlieren.

„Undine“ ist eine faszinierende, visuell beklemmende Neuinterpretation des Mythos der geheimnisvollen Wasserfrau. Ein modernes Märchen in einer entzauberten Welt, die Geschichte einer Liebe auf Leben und Tod; hervorragend interpretiert durch Paula Beer und Franz Rogowski. Ihr Zusammenspiel ist grandios und emotional bewältigend. Ein reizvoller, aktueller gesellschaftspolitischer Aspekt des Films ist die Idee, die klassische Sage an die Stadtentwicklung der auf einen Sumpf errichteten Metropole Berlin zu koppeln.