Curtiz
von Tamas Yvan Topolanszky – Ungarn 2018- 98 Min. - Netflix
Ein Film über die Entstehungsgeschichte des Klassikers „Casablanca“ aus dem Jahre 1942. Keine Verbeugung vor dem Kultfilm sondern eine nostalgisch-wehmütige Aufarbeitung der Dreharbeiten des Films über einen aktuellen Krieg inmitten der Kriegszeiten. Die Story in der heute, nach mehreren irritierenden Schnittfassungen bekanntgewordenen finalen Fassung ist bekannt. Seinerzeit aber wurde der Stoff von vielen divergierenden Seiten und Interessen mehrfach durchgeknetet. Viele hatten ihre Finger drin. Nicht zuletzt spielt hierbei auch der direkte Einfluss der Politik eine Rolle, die Hollywood, die Studios und die Produzenten gängeln wollte. In dem Film geht es aber auch um die komplizierte Familiengeschichte des allseits gestressten Regisseurs, verbunden mit dem Schicksal der Emigranten aus Europa, die in Hollywood Zuflucht fanden. Curtiz wird als sexbesessener egomanischer Charakter porträtiert, der autoritäre und mitunter auch despotische Züge trägt. Aber nur so war es ihm unter dem Druck unterschiedlicher Vorgaben wahrscheinlich möglich, seinen Film zu machen.
Bemerkenswert ist neben der authentisch wirkenden souveränen Leistung des Hauptdarstellers das nachgebaute Filmset von Rick’s Café in den Warner-Studios als Ambiente des Films und die Schwarzweiß-Bildgestaltung, die akzentuiert von dem Studio-Rotlicht unterbrochen wird.
„Curtiz“ ist eine ungarische Produktion. Im Nachspann wird so ganz nebenbei darauf verwiesen, das „Casablanca“ wesentlich dazu beigetragen hat, die USA zum Krieg gegen die Nazis zu motivieren. Was wohl das Verdienst eines Ungarn war, oder?
Den kunstvoll arrangierten Film zu sehen ist ein visueller Hochgenuss der dazu animiert, sich sofort im Anschluss daran das „Casablanca“-Original anzusehen.