Porträt Horst Schäfer
Wertung: hervorragend

Netflix

Homemade

von Pablo Larrain u.a. Chile/Italy 2020 - 17 x 4-7 Min. - netflix

Der chilenische Regisseur Pablo Larrain hatte die Idee, die durch COVID-19 pandemic ausgelöste Zwangsauszeit für ein „Corona-Tagebuch“ zu nutzen und lud namhafte Kolleg*innen aus aller Welt mit dazu ein. Entstanden sind 18 Kurzfilme. Die meisten von ihnen sind ruhig erzählt und erkunden die Einsamkeitserfahrungen in einer Situation, in der die Zeit still steht und sich die Außenwelt auf wenige Kontakte beschränkt. Protagonisten sind die Filmemacher*innen und ihre Familie, wobei die Mitwirkung von Kindern die stärksten Eindrücke hinterlässt. Die Quarantäne-Situation inspiriert sie zu phantasievoll improvisierten Geschichten.

In den meisten Beiträgen dieser kurzweiligen Anthologie steht die aktuelle persönliche Alltagsrealität im Focus des Geschehens. Beispielhaft dafür ist der Franzose Ladj Ly, der sein Umfeld in den Pariser Banlieues mit Hilfe einer Drohne erforscht. Eine Ausnahme von diesen Gemeinsamkeiten bietet der italienische Regisseur Paolo Sorrentino, der mit Deko-Winke-Figuren in Miniaturkulissen eine absurde romantische Begegnung zwischen dem Papst und Queen Elizabeth inszeniert. Eine witzige Parodie auf Fake-News, in der auch „The Big Lebowski“ in einer Nebenrolle auftaucht. Als einziger Deutscher ist Sebastian Schipper mit dabei. Aus der Isolation heraus vervielfältigt er sich mehrfach, da er sich langweilt, sich nach Gesellschaft sehnt und zum Kartenspiel nun mal mehrere Personen gehören. Insgesamt ist „Homemade“ ein stimmungsvolles Zeitdokument kollektiven Erfahrungen in einer einzigartigen weltumfassenden Ausnahmesituation.