Mignonnes
von Maimouna Doucouré – F 2019 - 95 Min. – Netflix
Die in Paris geborene und dort lebende Filmemacherin hatte vor fünf Jahren mit ihrem Kurzfilm ”Mother(s)” einen internationalen Erfolg. Mit dem autobiografisch inspirierten Film („Mignonnes“ /„Die Süßen“) schließt sich die aus dem Senegal stammende elfjährige Amy einer Gruppe hypersexualisierter Mädchen an und bereitet sich mit ihnen auf einen Tanzwettbewerb vor. Sie ist auf der Suche ihrer körperlichen und kulturellen Identität. In ihren Unsicherheiten und Konflikten drücken sich die Gegensätze aus, die sie in ihrem Umfeld wahrnimmt. Hier die konservative, polygame, senegalesische Großfamilie, die gerade nach Paris gezogen ist., da die Mitschülerinnen, die für den Tanzwettbewerb trainieren, um sich gegenüber den älteren Mädchen zu behaupten. Sie imitieren Bewegungen aus Musikvideos und inszenieren sich in stereotypen Posen, deren Wirkung ihnen noch kaum bewusst ist. Amys Versuch, in beiden Welten zu bestehen, führt zu Spannungen und Enttäuschungen und zwingt sie zu ständiger Verwandlung.
„Mignonnes“ / „Cuties“ wurde beim diesjährigen Sundance Film Festival mit einem Preis ausgezeichnet. Das Spielfilmdebüt von Maimouna Doucouré ist ein facettenreicher Coming-of-Age-Film über das Selbstbild junger Mädchen in unserer Gesellschaft. Er bietet einen aufschlussreichen Einblick in die Lebenswirklichkeit ethnisch diverser Jugendlicher. Die sich ergebenden Widersprüche aus der filmischen Darstellung der Hypersexualisierung junger Mädchen und der gleichzeitigen Distanz dazu lösen Buch und Regie überzeugend auf, wenn auch der Start beim Streamingdienst Netflix mit missverständlichen Fotos und Plakaten irritiert hat. Das wurde zwischenzeitlich korrigiert.