Porträt Horst Schäfer
Wertung: sollte man gesehen haben

Netflix

Der junge Wallander

von Ben Harris – Schweden 2020 – 6 x 50 Min. – netflix

Mankells Wallander-Romane aus den 1990er-Jahren sind Krimi-Klassiker; Kurt Wallander ist eine Hauptfigur, die gleich mehrmals verfilmt wurde. Geprägt wurde sie durch Rolf Lassgard. Nach eigenem Bekunden des Autors hat der hochkarätige Schauspieler den Charakter des Protagonisten um Facetten bereichert, die selbst ihm bislang noch nicht bekannt waren. Diese Leistung wurde in den darauffolgenden Filmen weder von den Routiniers Kenneth Branagh noch von Krister Henriksson erreicht.

Und nun also der Versuch, mit dem Namen „Wallander“ erneut Geld zu verdienen. Die Idee eines „jungen Wallanders“ stammt wohl noch von Mankell. Aber mit Sicherheit hätte er seine biographisch angelegte Serie nicht in die aktuelle Gegenwart übertragen.

Jetzt jedenfalls ist Kurt ein sehr junger und engagierter Polizist, der in der Nähe von Malmö als Single in einem tristen, sozial benachteiligten Hochhaus-Viertel lebt. Seinen Beruf kennt man dort nicht. Als sich in seinem Umfeld ein Hassverbrechen ereignet und er Augenzeuge ist, wird er von seinen Vorgesetzten als Ermittler in die Suche nach dem unbekannten Täter einbezogen. Er gerät dabei zwischen die Fronten rivalisierender Straßengangs, Staatsanwaltschaft, Politik und Polizei. Eine für ihn lebensgefährliche Situation. Die Entwicklung und Aufklärung des Falls wirft einen kritischen, realistischen Blick auf gesellschaftliche Probleme wie Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit.

Der eigenbrötlerische, noch nicht ausgereifte Protagonist dieser visuell und dramaturgisch überzeugenden Serie hat trotz einiger Unstimmigkeiten Substanz für eine Fortsetzung – aber als eigenständige Figur. An „Wallander“ erinnert nur eine kurze Sequenz, in der er von den später bekannten „Auerhahn“-Bilder seines Vaters erzählt.