The Trial of the Chicago 7
von Aaron Sorkin – USA 2020 -129 Min. – netflix
Ein ambitionierter, packender Gerichtsthriller nach einer authentischen Vorlage. Es geht um die Chicago Seven, gegen die 1969 ein Prozess wegen Verschwörung und Aufhetzung angestrengt wurde. Ohne sich zu kennen und mit sehr unterschiedlichen Beweggründen, aber mit einem gemeinsamen Ziel, begeben sich die politischen Aktivisten im Jahr 1968 nach Chicago, um an Großdemonstrationen gegen den Vietnamkrieg anlässlich des Parteitages der Demokratischen Partei teilzunehmen. Eigentlich sollten die von der Hippie-Kultur geprägten Demonstrationen friedlich verlaufen, doch aufgrund des Versagens der Polizei eskaliert die Veranstaltung, die eine Ausgangssperre verhängt. Es kommt fünf Tage und Nächte lang zu Krawallen, bei denen Hunderte Menschen, teils Demonstranten, teils aber auch Journalisten, die über die Vorfälle berichten wollen, durch Tränengas und die von den Polizisten eingesetzten Schlagstöcke verletzt wurden. Monate später sehen sich die sieben Männer vor Gericht wieder; Nixon und seine Law-and-Order-Fraktion haben die Wahl gewonnen und die Justiz neu besetzt. Fünf von ihnen wurden zur Abschreckung der Jugend zu harten Strafen verurteilt, die 1972 jedoch aufgehoben wurden.
Der von Oscarpreisträger Aaron Sorkin (Buch und Regie) exzellent inszenierte und hochkarätig besetzte Film ist ein längst überfälliger Rückblick auf einen Prozess, der seinerzeit für große mediale Aufmerksamkeit sorgte und ein dramatisches Kapitel der amerikanischen Geschichte darstellt. In kurzen Rückblenden mit authentischem und fiktivem Material verlässt die Kamera die bedrückende Atmosphäre des Gerichtssaals hin zu den bildgewaltigen Straßenschlachten zwischen der Polizei und den Demonstranten. Und genau das macht die Qualität des Films aus, der ein zutiefst gespaltenes Amerika zeigt und zum Zeitpunkt seines Starts an relevanter Aktualität gewinnt.