Porträt Horst Schäfer
Wertung: sollte man gesehen haben

Netflix

Jemand muss sterben

von Manolo Caro – Spanien/Mexiko 2020 – 3 x 50 Min. – netflix

Mitte der 1950er Jahre in Spanien. Die wohlhabende, konservative Familie Falcon hat es sich im gutbürgerlichen Milieu eingerichtet. Sie lebt liniengerecht und karriereorientiert. Sie holt den Sohn Gabino aus Mexiko zurück, wo er als junger Mann zehn Jahre verbrachte. Und nun soll er die von seinem Vater Gregorio auserwählte Cayetana heiraten, um die Macht der Familie zu erweitern. Begleitet wird Gabino von dem Balletttänzer Lazaro. Es wird ein homosexuelles Verhältnis vermutet, das gesellschaftlich verpönt und strafbar ist. Gabinos Mutter Mina ist Mexikanerin. Sie will ihrem Sohn beistehen, kann ihm aber nicht helfen. Sie lebt in einer abgekühlten Ehe mit Gregoro und wird von dessen Mutter Amparo unterdrückt. Denn diese ist das eigentliche Oberhaupt der Familie und hat alle Fäden in der Hand und lässt keine Gelegenheit aus, ihre Schwiegertochter und ihren Enkelsohn zu verhöhnen. Gregorio lässt seinen Sohn in einem Internierungslager für schwule Männer einweisen, so er gedemütigt und gefolgert wird, und Lazaro beginnt eine Affäre mit dessen Mutter Mina.

In dieser von Angst und Gewalt geprägten Atmosphäre kann sich Gabino, der sich der Tyrannei der Familie nicht beugen will, nicht behaupten. Eine unrühmlich, von allen verschwiegene Vergangenheit ist gegenwärtig und führt zu Verwerfungen und Gewalttaten. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Jagdleidenschaft der Familie und der selbstverständliche Umgang mit Schusswaffen, mit denen sich Probleme lösen lassen. Am Ende muss folglich nicht „jemand“, sondern es müssen mehrere sterben.

Das Familien- und Gesellschaftsdrama, dessen Spannung sich von Folge und Folge steigert, ist ein sorgfältig arrangiertes und stilvoll ausgestattetes Porträt eines homophoben Spaniens, das von dem strengen, diktatorischen Kurs Francos dominiert wird.