Und Morgen die ganze Welt
von Julia von Heinz - D 2020 – 110 Min.
Der Eröffnungsfilm der diesjährigen Filmfestspiele in Venedig. Ein aktueller und brisanter Film über die deutsche Gegenwart. Aus der parteilichen Sicht einer Filmemacherin, die authentisch aus eigener Erfahrung heraus beinahe dokumentarisch einen aufschlussreichen Blick in das Innenleben zweier aufeinanderprallenden Kräfte erlaubt. Sie selbst war in ihrer Jugend selbst zehn Jahre lang bei der Antifa. Im Mittelpunkt ihres Films steht Luisa, eine Jurastudentin aus adeligem Milieu. Alarmiert vom Rechtsruck im Land und der zunehmenden Beliebtheit populistischer Parteien, tut sie sich mit ihren Freunden zusammen, um sich klar gegen die Faschos zu positionieren und Flüchtlingen zu helfen. Schnell findet sie Anschluss bei dem charismatischen Alfa und dessen besten Freund Lenor. Für die beiden ist auch der Einsatz von Gewalt ein legitimes Mittel, um Widerstand zu leisten. Bald schon überstürzen sich die Ereignisse und Luisa erfährt, welche Konsequenzen das für sie und ihre Freunde hat. Dem Film gelingt es sowohl die inneren Konflikte wie auch den gewaltgeladenen Zustand auf unseren Straßen hautnah zu visualisieren. Die Staatsmacht zeigt sich hier nicht von ihrer besten Seite. Der Widerspruch zwischen dem Lernstoff an der Uni zur Interpretation unserer Grundrechte und der realen Lebenswirklichkeit überträgt sich auf beklemmende und überzeugende Art und Weise auf die Zuschauer. Ein Film zur rechten Zeit!